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Friedel Liesenkloß: „Ich bin ein Kümmerer“

Friedel Liesenkloß: „Ich bin ein Kümmerer“

Friedel Liesenkloß liegen das Brauchtum und die Entwicklung der Stadt am Herzen.

Mettmann. In diesem Jahr gibt es die „Aulen Mettmanner“ schon seit 60 Jahren. Darüber haben wir mit Friedel Liesenkloß, dem 1. Vorsitzenden der Bürger- und Heimatvereinigung, gesprochen.

Herr Liesenkloß, wann gründeten sich die Aulen Mettmanner?

Friedel Liesenkloß: Das war am 13. März 1952. 34 wackere Mettmanner tagten im Gasthaus Norbisrath. Später folgte eine festliche Gründungsfeier.

Warum wurde der Verein gegründet?

Liesenkloß: In Westdeutschland wuchs nach den schrecklichen Kriegsereignissen die Bevölkerungszahl rapide an. Durch die Aufnahme von Vertriebenen und Flüchtlingen aus dem Osten hatte sich die Zahl der Einwohner fast verdoppelt. Sie fanden sich in Landsmannschaften und Vereinen zusammen, um die Erinnerung an ihre alte Heimat wach zu halten und Traditionen zu pflegen. Folgerichtig taten das die Aulen auch für ihre Heimat.

Welche Aufgaben standen damals an?

Liesenkloß: Aule bedeutet in etwa alteingesessen, bodenständig. Die Aulen hatten sich um den Heimatdichter Fritz Geldmacher gefunden. Erhalt und Förderung des Brauchtums mit der Mundart, unser Mettmanner Platt, die Erforschung und Dokumentation der Stadtgeschichte sowie Pflege und Schutz unserer Heimatstadt waren damals Ziele.

Wer konnte Mitglied werden?

Liesenkloß: Anfangs nur Menschen, die in Mettmann geboren wurden. Inzwischen ist das anders. Wir sind offen für jeden mit Herz für unsere Stadt und der unsere Arbeit unterstützen möchte.

Und welche Ziele haben Sie heute?

Liesenkloß: Die Ziele sind geblieben. Wir organisieren Mundartkurse, Traditionsveranstaltungen, betreiben bergisches Kaffeetrinken und betreuen das von uns eingerichtete Stadtgeschichtshaus. Und wir bringen uns zu aktuellen Themen ein. Unsere Stadt liegt uns am Herzen: Tradition und Zukunft. Die Stadtentwicklung ist eines unser Hauptanliegen, ebenso das Stadtbild. Man darf nicht nur meckern, muss sich einbringen. Im Klartext heißt das, politisch tätig zu werden, ohne Parteipolitik zu machen.

Wie bringen sich die Aulen ein?

Liesenkloß: Ein gutes Beispiel ist die Oberstadt, unser Kleinod. Das ist das Thema schlechthin, daraus kann und muss man viel mehr machen. Dazu gehört, Konzeption und Profil und besonders die Anbindungen zu verbessern. Von der Rampe und Rolltreppe bis zum Bürgerbus müssen alle Möglichkeiten geprüft werden. Vom Arbeitskreis Neanderthal-Stadt bis hin zum Aktionsbündnis Sauberes Mettmann sind wir in mehreren Arbeitskreisen vertreten, kooperieren mit dem Mehrgenerationenhaus, haben einen Lehrgarten angeregt, pflanzen dort Bäume und Blumen, unterstützen Dirt-Biker und Skater und so weiter. Auf dem Königshof-Areal möchten wir den Mettmannern ein fröhliches, lebendiges Denkmal errichten und schenken. Es soll — wie einst der Königshof — ein Mittelpunkt sein, der zum Verweilen einlädt.

Wie vernetzen sich die Aulen?

Liesenkloß: Bestens. Zusammen mit den Spielplatzpaten richten wir das Stadtwaldfest aus. Zusammen mit anderen Bürgerinitiativen versuchen wir, das Profil der Stadt zu schärfen, sind unter anderm Mitglied im Art-Werk, bei Mettmann Impulse und dem Förderverein Neanderthal Museum. Alles unter dem Motto „Aktiv für unsere Stadt“. Wir möchten helfen, beraten und ergänzen, aber nicht Rat und Verwaltung die Arbeit abnehmen.

60 Jahre Aule Mettmanner. Wird das nicht gefeiert?

Liesenkloß: Der 60. sollte eine fröhliche Veranstaltung rund ums Quellenfest werden. Das Quellenfest war in den 1950er-Jahren ein Ereignis, da hatte man sich 14 Tage vorher die Schuhe geputzt. Da wurde getanzt und geflirtet, und Ehen wurden gestiftet. Im Jubiläumsjahr sollte die Tradition wieder aufleben. Leider war schlechtes Wetter. In Zukunft wollen wir das Quellenfest zusammen mit dem Bürgerverein Wülfrath feiern. Wir freuen uns jetzt erst mal auf den Blotschenmarkt. An unserer Bude gibt es Grünkohl mit Wurst und den Aulenpunsch nach Geheimrezept.