Erkrath: Schüler im Business-Anzug

Erkrath: Schüler im Business-Anzug

Mit dem Planspiel Börse hat alles angefangen. Mittlerweile betreiben die Erkrather Abiturienten ihr eigenes Unternehmen.

Erkrath. Christian König und Felix Brüggemann sitzen in einer Ecke des Café Kaiser. Durchs Fenster fällt der Blick auf den schneebedeckten Park. Auf den ersten Blick sehen die beiden aus wie ganz normale Schüler. Doch die lederne Dokumentenmappe, der Laptop und die sauber gebügelten Hemdkragen lassen erahnen, dass es sich bei den beiden Abiturienten um waschechte Jungunternehmer handelt.

"nebid" ist der Name ihres Unternehmens, was soviel bedeutet wie "new buisness identity". Der Name ist Programm. Vom Firmenlogo, über Werbeartikel bis hin zum kompletten Internetauftritt erschaffen sie Unternehmensidentitäten, so genannte Corporate Designs.

Die Idee zur Firmengründung kam den Gymnasiasten nach der Teilnahme am Schulprojekt Planspiel Börse, bei dem sie auf den vorderen Plätzen landeten. "Wir haben gedacht, jetzt wollen wir mal was Praktisches machen", sagt Felix Brüggemann, stellvertretender Vorstand von "nebid". Und so beschlossen die Schüler, am Juniorprojekt vom Institut der deutschen Wirtschaft teilzunehmen. Stand beim Planspiel Börse noch der virtuelle Handel mit Wertpapieren im Mittelpunkt, sollten es diesmal echte Umsätze sein.

Viele kleine Schritte führten zum eigenen Unternehmen. Am Anfang stand zunächst die Frage, was denn überhaupt gemacht werden soll. "Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, was wir können", sagt Christian König. "Irgendwie kamen wir da auf Homepages." Ein Geschäftsmodell musste erstellt werden, Konten eröffnet und vor allem viele Formulare ausgefüllt werden. "Das ist wirklich sehr viel Papierkram", sagt Felix Brüggemann.

Das Startkapital von 900 Euro wurde mit Hilfe von Anteilsscheinen aufgebracht. 90 Freunde und Bekannte der Schüler zahlten jeweils zehn Euro für einen Unternehmensanteil - mit der Hoffnung auf eine Dividende.

Drei Monate existiert "nebid" nun schon und die beiden Jungunternehmer zeigen sich zufrieden. "Es fängt langsam an zu laufen", sagt Felix Brüggemann optimistisch. Zurzeit arbeiten sie an zwei Firmenauftritten, weitere sind in Aussicht. Ihren ersten abschlossenen Auftrag, die Erstellung von Visitenkarten, feierten die Schüler noch ganz bodenständig - mit einer Currywurst.

Der Teilzeitjob neben der Schule bringt aber nicht nur Spaß. Die Jungunternehmer hoffen auch, für ihr späteres Berufsleben einige lehrreiche Erfahrungen zu machen. Bei Christian König, der nach dem Abitur Jura studieren möchte, ist es der Kontakt mit den Kunden. "So ein Kundenakquisitionsgespräch zu führen, ist schon etwas Interessantes", sagt er.

Noch bis zu den Sommerferien haben die Jungunternehmer Zeit, ihren Aktionären einen Gewinn zu erwirtschaften. Dann endet das Juniorprojekt, die Firma wird aufgelöst und Bilanz gezogen. Wenn sie erfolgreich sind, wollen Felix Brüggemann, Christian König und ihre Mitstreiter auch während Studium und Ausbildung weiter Unternehmen mit neuen Identitäten versorgen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung