Erkrath: Das Ende eines Waldes

Erkrath: Das Ende eines Waldes

Weil einige Bäume umstürzen könnten, wird der Großteil eines Erlenbruchwaldes gefällt.

Erkrath. Irgendjemand hat nachgezählt. Genau 105 Eschen, Pappeln, Eichen, Erlen und Pappeln bilden das Waldstück an den S-Bahngleisen im Bereich des Gödinghover Wegs.

Der Experte nennt es Erlenbruchwald, der Laie wartet auf die Elfen, die dem dunklen Laubwand entschweben. So ein Wald ist das.

Das Rattern und Pfeifen einer S-Bahn vertreibt alle Träume - und erinnert an das nahende Ende des Waldes. "Da sind Pappeln abgängig", sagt Tiefbauamtsleiter Peter Heffungs. Dass zwei oder drei über 15 Meter hohe Pappeln akut sturzgefährdet sind, hat jedoch nicht etwa die Stadt als Eigentümerin des Waldes entdeckt.

Es war die Bahn, die bei routinemäßigen Kontrollen die mangelnde Standfestigkeit reklamiert hat. "Wenn da nichts passiert, ist das ein Straftatbestand", sagt Udo Kampschulte, Sprecher der Bahn.

Entsprechend zügig leitete die Stadt Gegenmaßnahmen ein. Ein Unternehmer wurde beauftragt, den gesamten Wald mit einer Fläche von 2500 Quadratmetern zu roden. "Alle Beteiligten sind der Meinung, dass sofort gehandelt werden muss", begründete Heffungs das große Sägen.

Einer, der diese Darstellung als wissentlich falsch anprangert, ist vom Fach und Nachbar des Waldes. Forstwirt Elmar Stertenbrink macht der Stadt den Vorwurf, nicht ausreichend abzuwägen. "Konkret meine ich, dass die Bäume, die nicht drohen, in Richtung Gleise zu fallen, stehen bleiben sollten", sagt er.

Stertenbrink hat bei der Verwaltung die Haltung ausgemacht, "alles unter der Prämisse der Verkehrssicherungspflicht zu bewerten und dabei die Möglichkeit außer Acht zu lassen, dem Waldstandard trotzdem gerecht zu werden".

Derart vorgeführt, rückt das Tiefbauamt vom kompletten Kahlschlag ab und erklärt sich bereit, eine schmale Baumgruppe zur Wiese von Stertenbrink hin stehen zu lassen. "Der restliche Wald ist einfach zu dicht", so Heffungs.

Er wird in den kommenden Tagen gefällt - "mitten in der Brutzeit der Bodenbrüter", wie Stertenbrink moniert. Eine Genehmigung von der Unteren Landschaftsbehörde benötigt die Stadt dafür übrigens nicht, obwohl die Bäume im Naturschutzgebiet wachsen.

Stertenbrink fordert die Stadt auf, ihren Waldbesitz in Zukunft regelmäßiger zu kontrollieren, um Entwicklungen wie die am Gödinghover Weg zu erkennen.

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