Erkrath: Banker soll drei Kunden um 900 000 Euro geprellt haben

Erkrath: Banker soll drei Kunden um 900 000 Euro geprellt haben

20 Jahre lang war Host B. in der Raiffeisenbank-Filiale an der Morper Allee beschäftigt. Er soll das Vertrauen der Kunden ausgenutzt haben.

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p class="text"><strong>Erkrath. Er fuhr nicht im Porsche vor, schickte keine Postkarten von Urlauben in der Karibik an die Kollegen und gab auch ansonsten nicht den dicken Max. Dabei hatte Horst B. ausreichende Geldmittel , um das ganz große Rad zu drehen. Diese finanzielle Ausstattung soll sich der 63-Jährige allerdings auf kriminell Art und Weise beschafft haben. 900 000 Euro nennt Horst Söffgen, Vorstand der Raiffeisenbank Rhein Berg mit Sitz in Monheim, von 400 000 Euro geht die Staatsanwaltschaft aus.

"Für B. hätte jeder die Hand ins Feuer gelegt"

Unbestritten ist die Tatsache, dass B., der rund 20 Jahre lang in der Erkrather Filiale der Raiffeisenbank an der Morper Allee beschäftigt war, das Vertrauen von drei Kunden ausgenutzt haben soll. B., der früher in Hilden und heute in Lohmar wohnt, wird vorgeworfen, Gelder veruntreut und Urkunden gefälscht zu haben.

Söffgen erklärte gestern im Gespräch mit der WZ, wie B. dabei vorgegangen sein soll - jener B., "für den jeder die Hand ins Feuer gelegt hätte", wie es Söffgen formuliert. Drei Kunden, so der Banker, habe B. besonders gut gekannt - so gut, dass man gemeinsame Urlaube verbrachte und Vertrauen als Säule der Freundschaft bewertet wurde.

Dass B. andere Ziele als die Pflege zwischenmenschlicher Beziehung im Sinne hatte, wirft ihm nun die Staatsanwaltschaft vor. Nach deren Ermittlungen hat B. seinen Freuden die Anlage größerer Geldsummen schmackhaft gemacht. In einem Fall wurden ihm 500 000 Euro anvertraut.

Das Geld vermehrte sich jedoch nicht in einem Fond, sondern wanderte in die Tasche von B. Damit die Investoren nichts bemerkten, "schickte er ihnen regelmäßig gefälschte Bescheinigungen über Zinserträge", so Söffgen. Die vermeintlichen Gewinne lagen immer über den Sätzen anderer Banken, "damit die Kunden gar nicht erst auf die Idee kamen, ihr Geld woanders anzulegen". Von Oktober 2000 bis zum 5. April 2005 soll sich B. auf diese Weise bereichert haben.

Das Kartenhaus brach zusammen, als einer der Geprellten B. an seinem Arbeitsplatz anrief, um sich über den Zinsstand zu informieren. Statt B., der an diesem Tag frei hatte, nahm jedoch Filialleiter Toni Straeten den Hörer ab - und der Schwindel flog auf. "Ich hatte danach viele schlaflose Nächte", so Straeten, dem der Vorstand der Bank explizit keinen Vorwurf macht. "Gegen Betrug ist man nicht gesichert".

Wohl aber versichert. "Wir haben eine Vertrauensschadenversicherung für den Fall abgeschlossen, dass ein Mitarbeiter das Vertrauen der Bank enttäuscht", sagt Söffgen. Da diese Beschreibung ohne Einschränkung auf B. zuzutreffen scheint, "hat die Versicherung in dem Fall, wo es um die 500 000 Euro ging, auch bereits bezahlt". Die beiden anderen Geprellten müssen auf die Rückerstattung ihres Geldes wohl noch warten. "Da ist das Material dünn", so Söffgen und meint Blankounterschriften sowie mangelnde Kontrolle der Kunden.

Bis heute fehlt jede Spur von dem Geld. Michael Dittmann, Richter am Amtsgericht Velbert, hofft, dass B. dazu am 4. Juli Angaben machen wird - dann wird sein Fall verhandelt.