Einzelhandel: Hertie - Schluss aus, das war’s

Einzelhandel: Hertie - Schluss aus, das war’s

Am Samstag öffnete das Kaufhaus zum letzten Mal. Die WZ war dabei.

Mettmann. Aus allen Richtungen strömen die Menschen herbei. Alte und Junge kommen mit leeren Einkaufstaschen und Körben. Man könnte meinen, eine Neueröffnung lockt die Mettmanner in die Stadt. Oder gibt es etwas umsonst? Nein, Hertie hat am Samstag seinen letzten Verkaufstag.

Es gibt nichts umsonst, aber bei Rabatten von 70Prozent hoffen viele noch auf ein Schnäppchen. So viele, dass das Verkaufspersonal in voller Besetzung arbeitet, die meisten von ihnen hinter der Kasse.

Gefragt, wie sie ihren letzten Verkaufstag im Hause Hertie erleben, schütteln sie mit dem Kopf und winken ab. Kein Verkäufer will etwas sagen. Stattdessen konzentrieren sie sich darauf, Ordnung in das Wirrwarr der übriggebliebenen Waren zu bringen. Weihnachtsdekoration, Porzellan, Unterwäsche oder Schnürsenkel - alles liegt durcheinander.

Halina Trella ist fündig geworden. Ein Bündel Strümpfe liegt auf ihrem Arm. Schade sei es, dass Hertie nun schließe, eine Stadt brauche ein großes Kaufhaus wie Hertie. "Ich hätte nicht gedacht, dass das so schnell geht".

Auch Kristina Trappen ist überrascht. Zum Abschied wollte sie noch einmal vorbei kommen. "Das Paar Schuhe habe ich früher schon einmal gesehen, da war es mir zu teuer. Jetzt nehme ich sie mit", sagt sie. In ihrer Stimme klingt Bedauern mit.

Um sie herum, wühlen Menschen in Kleiderbergen. Sie durchstöbern die Regale und schieben sich an anderen Kunden vorbei, auf der Suche nach dem Superschnäppchen. So voll war es schon lange nicht mehr bei Hertie. Doch der Eindruck täuscht.

Nur ein paar Schritte außerhalb des Gedränges erstreckt sich gähnende Leere. Viele Regale sind längst schon leer geräumt, an den Haken hängt nichts mehr und bis auf das Gewühl in der Mitte ist nicht viel vom Warenangebot geblieben. Vieles wurde an andere Hertie-Häuser geliefert oder an die Lieferanten zurückgeschickt.

"Das ist die Stadt selbst schuld", sagt Hans-Georg Karaß und holt aus: Man habe falsch geplant und zu lange nicht hingesehen, die Schließung sei die Quittung für eine falsche Politik. "Früher kamen die Menschen von außerhalb nach Mettmann. Heute sind es die Mettmanner, die außerhalb Mettmanns einkaufen." Auch das Hertiekonzept kritisiert er.

Man könne nicht immer nur auf Umsatzrenner setzen, man müsse auch das Randsortiment bedienen. "Früher gab es hier eine große Lebensmittelabteilung, und heute? Nichts!" Zum letzten Verkaufstag ist er nur gekommen, um noch ein paar Schnäppchen zu machen. Zwei Jeanshosen hängen bereits über seinem Arm.

Dann klingt aber doch ein wenig Bedauern durch. "Ich weiß noch, dass wir damals von Ratingen nach Mettmann gefahren sind, weil es hier das erste Kaufhaus mit Rolltreppe gab". Am letzten Verkaufstag ist auch die Rolltreppe abgesperrt. Die obere Etage ist schon seit Tagen geschlossen.

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