Eine Liebeserklärung an Mettmann

Eine Liebeserklärung an Mettmann

Allen Vorurteilen zum Trotz mausert sich Mettmann zur liebens- und lebenswerten Kleinstadt, an die die Bürger durchaus ihr Herz verlieren.

Mettmann. Wenn Mettmanner sich treffen, wird oft über die Kreisstadt gesprochen,. Die Urteile fallen nicht immer positiv aus: „In Mettmann ist nichts los“, die Verkehrsführung nervt“, „das Freizeit- und Kulturangebot ist schlecht“, „in Mettmann kann man nichts einkaufen“.

Foto: Zacharias

Christine Kensche, geborene Obschwarzbacherin, hat ihre Heimatstadt vor Jahren verlassen und arbeitet als Redakteurin bei der Zeitung „Die Welt“. Sie hat sich unlängst in einem Artikel über Mettmann ausgelassen und besonders auf ihre Jugend in Obschwarzbach zurückgeblickt. Ihr Urteil fällt nicht positiv aus. In Obschwarzbach gab’s für Jugendliche kaum einen Grund, dort zu leben, schreibt sie. Es herrschte Langeweile und Tristesse. Die Landeshauptstadt Düsseldorf war die angesagte Alternative. Dort pulsierte das Leben.

Richtig ist, dass der Ortsteil Obschwarzbach fast kaum eine Infrastruktur hat, es gibt keine Geschäfte, die Busverbindungen sind nicht besonders attraktiv. Das Kneipenleben ist tot. Richtig ist aber auch, dass es in den letzten Jahren Bestrebungen gegeben hat und immer noch gibt, den Ortsteil, besonders für Jugendliche, attraktiver zu gestalten. Es gibt demnächst einen Platz mit einer Freizeithütte für Jugendliche, der Bolzplatz wird gut angenommen und im evangelischen Gemeindehaus existiert ein Treff mit zahlreichen Freizeitangeboten für jedermann. Richtig ist auch, dass junge Menschen in Mettmann sich schon immer nach Düsseldorf orientiert haben. Allerdings war die Fahrt in die Landeshauptstadt in den 70er, 80er und 90er Jahren oft unnötig, denn in Mettmann gab’s Treffs, die die Jugendlichen anzogen. Das war die Diele, später das M1, der Markt als Treffpunkt und die Pinte. Heute ist bei den Jugendlichen besonders das „Golden K“ angesagt.

Mettmann hat sich in den vergangenen Monaten deutlich besser aufgestellt. Die Fußgängerzone ist zu einem Anziehungspunkt geworden. In der Freiheitstraße gibt es drei Cafés, die sehr gut frequentiert werden, und seit kurzem auch wieder eine funktionierende Gastronomie gegenüber der evangelischen Kirche. Rund um St. Lambertus und in der Oberstadt kann man in den Cafés und Restaurants einen wunderschönen Abend verbringen. Besonders bei schönem Wetter.

Die Innenstadt, so sagen viele Mettmanner, hat durch die neue Verkehrsführung zumindest rund um den Jubi deutlich an Verweilqualität gewonnen. Der Mief und der Lärm durch die Autos hat abgenommen. Parkmöglichkeiten sind an der Peripherie vorhanden. Zugegeben, man muss halt ein paar Schritte gehen.

Auch wenn die Zukunft der Neandertalhalle noch offen ist, muss man sagen, dass das Kulturangebot durch die Kulturvilla eine neue Qualität bekommen hat. Es gibt außerdem tolle Privat-Initiativen: Im September startet die Fortsetzung der „Klangräume Oberstadt“. Das Naturbad wird gerne besucht, vor allem von Menschen, die nicht in Mettmann leben.

In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Neubürger in die Kreisstadt gezogen, nicht zuletzt wegen der Wohnqualität und der deutlich niedrigen Baupreise als in Düsseldorf. Man ist schnell im Grünen. Für Radfahrer, Wanderer und Spaziergänger sind das Düsseltal, das Neandertal und das Stinderbachtal schnell zu erreichen. Und: Mit der Regiobahn ist man in kurzer Zeit ohne Stress in Düsseldorf und demnächst in Wuppertal.

Zugegeben: Die Einkaufsmöglichkeiten habe sich zwar durch die Königshof-Galerie verbessert, doch es fehlt beispielsweise ein Herrenausstatter. Aber Mettmann kann und sollte nicht mit Hilden, Ratingen oder gar Düsseldorf konkurrieren wollen. Nein, Mettmann muss sich auf seine individuellen Stärken besinnen. Wenn Menschen Mettmann besuchen, sind sie von der Oberstadt und von der Fußgängerzone begeistert. „Das ist aber toll“, sagen viele. Und: Im Vergleich zu anderen Städten gleicher Größenordnung ist in Mettmann auf jeden Fall sehr viel los. Man muss nur die Angebote nutzen.