Ein Stück Stadtgeschichte droht einzustürzen

Ein Stück Stadtgeschichte droht einzustürzen

Im Haus an der Mittelstraße, das aus dem Jahr 1588 stammt, wurden marode Balken entdeckt.

Mettmann. Entwickelt sich die Zukunft des denkmalgeschützten Hauses an der Ecke Mittelstraße/Oberstraße in Mettmann zur unendlichen Geschichte? Seit Wochen ist es eingerüstet, nichts passiert. Das Haus wurde vor mehr als einem Jahr verkauft. Der neue Eigentümer kündigte den Mietern, ließ es leerräumen, entkernen und begann mit der Sanierung. Die Baugenehmigung lag vor. Als die Bauarbeiter die Verschalung der Frontseite entfernten, stießen sie auf morsche Balken. Experten nahmen die maroden Balken unter die Lupe. Ihr Urteil: Baustopp, Einsturzgefahr, Arbeiten einstellen.

Eigentümer des Hauses Ecke Mittelstraße/Oberstraße

Wie Baudezernent Kurt Werner Geschorec von der Stadtverwaltung Anfang April auf Anfrage mitteilte, seien viele Teile beschädigt. Der neue Eigentümer hat einen Gutachter für denkmalgeschützte Häuser beauftragt, der das Haus unter die Lupe genommen hat. „Die Expertise dauert, ich würde lieber heute als morgen mit der Sanierung beginnen“, sagt der Eigentümer. Er will das Haus auf jeden Fall sanieren und nicht abreißen. Jeder Monat, der verstreiche, koste ihm Geld. „Da ist der Stand der Dinge“, sagte gestern Fachbereichsleiter Kurt Werner Geschorec. „Wir warten darauf, dass der Eigentümer auf uns zu kommt“, so Geschorec.

Der Architekt Gerhard Weidmann teilte im April auf Anfrage mit, dass der Bauherr Friedrich-Wilhelm Beckershoff im Jahr 1870 bei der Verschalung des Hauses keine Luft zwischen Mauer und Balken gelassen habe. Die Folge: Die Eichenbalken — besonders an der Seite zum Markt — sind mit der Zeit völlig morsch geworden. „Wir überlegen, die schadhaften Teile auszutauschen und das Haus im Bestand neu aufzubauen.“ Dazu müsse aber das Haus aus dem Denkmalschutz befreit werden. Es gebe bereits erhebliche Fördermittel für die Sanierung. Das Rheinische Amt für Denkmalpflege in Brauweiler sei mit der Lösung einverstanden.

Das jetzige Haus ist ein im 19. Jahrhundert entstandenes dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus mit flach geneigtem Dach und Ladeneinbau. Es wurde vom Architekten Friedrich-Wilhelm Beckershoff aus drei altbergischen Häusern zu einer Einheit in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts zusammengefasst und umgebaut. Zahlreiche Umbauten und Erweiterungen bis 1910 haben das Haus geprägt.

Erbaut wurde es im Jahr 1588 von Bürgermeister Lutter. 1651 bezieht Karl der IV, Herzog von Lothringen, hier Quartier. 1673 wird Johannes Wetter als Wirt und Herbergierer für das Gebäude als Eigentümer genannt. 1830 wird es als Hotel und Restaurant mit dem Namen „König von Schweden“ geführt. 1857 erwirbt es der Architekt Friedrich-Wilhelm Beckershoff und baut es um. 1867 zieht ein Textilwarengeschäft ins Erdgeschoss. Im Jahr 1870 zerstört ein Brand Teile des Hauses. Der Dachstuhl und das Obergeschoss müssen neu aufgebaut werden. Allerdings geschieht dies in der ursprünglichen Form des Umbaus von Friedrich-Wilhelm Beckershoff aus dem Jahr 1857. Die Fassade wurde damals mit der üblichen Bretterverschalung versehen.

1910 wird das Haus noch einmal umgebaut und erweitert. Eigentümerin ist Wilhelmine Beckershoff. Das Gebäude hatte in jeder Zeitepoche Eigennamen: Lutters Haus, Weyerstrattenhaus, Conrad-Wetters-Haus und König von Schweden.

Das markante Eckhaus hat einen stadtbildprägenden Charakter und ist ein wichtiges Zeugnis für die Geschichte Mettmanns, sagt die Untere Denkmalbehörde.

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