Diebstahl und Raub in Mettmann - Prozess vor dem Landgericht

Mettmann : Diebesbande gesteht ihre Taten

Die vier Angeklagten haben im Kreisgebiet Senioren ausgeraubt.

Tränen flossen am dritten Prozesstag am Landgericht Köln, wo derzeit gegen vier junge Rumänen wegen gemeinschaftlich begangenen Diebstahls und Raubs an mehreren älteren Menschen verhandelt wird. Das Quartett war unter anderem in Wermelskirchen, Dormagen, Scheeßel, Haan und Mettmann aktiv und immer nach dem gleichen Muster vorgegangen. So wurden die Opfer, allesamt über 70 Jahre alt, zunächst ausspioniert, als sie in Banken größere Geldbeträge abhoben. Im Anschluss näherten sich die zwei Frauen der Bande mit Unterschriftenlisten oder Bettelbriefen. Eine der beiden Frauen lenkte damit die Opfer ab, die andere entwendete dann das Geld. Auf diese Weise hatte das räuberische Quartett im Zeitraum zwischen Januar und Mai 2016 laut Anklage etwa 14 000 Euro erbeutet.

Die Zeugen, die allesamt über Übersetzer mit dem Vorsitzenden Richter kommunizierten, zeigten sich am dritten Prozesstag allesamt geständig und räumten die Vorwürfe der Anklage vollumfänglich ein. Der 22-jährige Angeklagte, der die Opfer ausspionierte, konnte sich zwar nicht mehr an die genauen Orte erinnern, es stimme jedoch, dass das Quartett zu den genannten Zeiten in der jeweiligen Gegend unterwegs gewesen sei. Die Staatsanwältin wollte wissen, wonach die Auswahl der Opfer erfolgt sei. „Völlig zufällig, nur nach dem Alter und der Höhe des abgehobenen Geldbetrags“, lautete die Antwort.

In einer emotionalen Erklärung, bei der er auch in Tränen ausbrach, sagte ein Angeklagter weiter, dass ihm alles sehr leid tue. „Diese Menschen hätten meine Familie sein können, hätte ich nachgedacht, wäre ich jetzt nicht hier. Ich bereue mein Verhalten zutiefst.“ Auch der andere Angeklagte, 25 Jahre alt, betonte, dass er erst in der Untersuchungshaft erkannt habe, was für einen großen Fehler er gemacht habe.

Die Angeklagten hätten sich in Duisburg kennengelernt, allen gemein war, dass sie die Schule ohne Abschluss verlassen und keine Ausbildung hätten. Auch hätten sie alle schon in vielen Ländern gelebt, ohne jemals richtig anzukommen. Auch die beiden Frauen, 22 und 23 Jahre alt, zeigten sich geständig. Aus der finanziellen Not heraus – keiner von ihnen habe staatliche Unterstützung bekommen oder gearbeitet –, seien die Taten begangen worden.

Ein Zeuge aus dem niedersächsischen Scheeßel wurde am Montag auch gehört. Der 73-Jährige schilderte ruhig die Geschehnisse. „Ich habe eine Geldbetrag, 5000 Euro, abgehoben, den ich in eine Geldtasche getan habe, dann bin ich zu meinem Auto gegangen“, sagte der Zeuge. Eine junge Frau habe an sein Fenster geklopft, habe ihm eine Unterschriftenliste vor die Nase gehalten. „Gleichzeitig öffnete sich die andere Tür und eine andere Frau riss die Geldtasche heraus. Dann sind sie abgehauen.“ Nach einer Verfolgungsjagd, an der sich mehrere Passanten beteiligt hätten, seien die Täterinnen in ein Auto gesprungen und entkommen.

Als der Richter den Mann fragte, wie es ihm heute gehe, brach der Mann in Tränen aus. „Nicht so gut. Ich habe eine Zeitlang Medikamente nehmen müssen.“ Als die Angeklagten die Reaktion des Zeugen sahen, wollten sich alle Angeklagten persönlich bei ihrem Opfer entschuldigen. Dies nahm der 73-Jährige kommentarlos zur Kenntnis. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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