Der Hercules ist angekommen

Der Hercules ist angekommen

Der Antrieb der Halifax, die am 21. November 1944 über Trills abgeschossen wurde, soll vor dem Heimatmuseum am Ziegeleiweg ausgestellt werden.

Hochdahl. Dampfstrahler oder Lehmbrocken, Reinigung zwecks besseren Erkennens oder verkrustete Einlasskanäle zur Wahrung von Authentizität - eine Frage von nicht zu unterschätzender Tragweite. "Ich fände es besser, ihn so zu belassen, wie er ist", meint Hanna Eggerath. "Wir müssen ihn reinigen", sagt Gottfried Bander.

Dass dem Thema Oberflächenbehandlung derartige Bedeutung zukommt, hängt mit dem Objekt zusammen: Es handelt sich um den Flugzeugmotor vom Hof Güldenberg, dessen Historie Heimatforscherin Eggerath und Boller, ein Fan betagter Flugzeugmodelle, recherchiert haben.

Mit Bander ist jetzt ein dritter "Besessener" an Bord gegangen: Der Besitzer des Lokschuppens am Ziegeleiweg und Mentor des Lok- und Heimatmuseums plant, den Bereich "Heimat" mit dem Motor zu bereichern.

"Wir haben ihn vom Hof Güldenberg geholt." Was so leicht nicht war, denn der Metallkoloss wiegt über eine halbe Tonne. Damit ist die Gefahr des illegalen Eigentümerwechsels zwar eher gering, trotzdem sollen die Metallhalterungen in Beton gegossen werden.

Von der Idee, den Motor in einem Winkel zu drapieren, der die Absturzsituation der Handleypage Halifax am 21. November 1944 simuliert, "sind wir mittlerweile abgekommen", so Bander. Einzelheiten über die Präsentation sollen so schnell wie möglich mit Thomas Boller abgesprochen werden, der als Exper- te auf dem Gebiet solcher Motoren gilt. "Der Motor bleibt draußen unter einem Dach", so Bander. Er erhalte einen "würdevollen Platz", ergänzt Udo Kampschulte, der Vorsitzende des Eisenbahn- und Heimatmuseums.

Ob mit oder ohne Dach, gereinigt oder im Urzustand - Eggerath ist froh, dass der Motor überhaupt einen festen Platz erhält. Die Heimatforscherin war es, die 2004 Kollegen ein Foto des Eisenbrockens zeigte, der 1974 auf dem Güldenberg-Hof gefunden worden war. "Nach einem kleinen Erdbeben", wie sich Eggerath erinnert. Durch die Erschütterung des Bodens sei das Wasser abgelaufen, der verschlammte Propellermotor ragte empor. Danach lag er über 30Jahre lang auf einer Pferdewiese - bis er jetzt zum Ziegeleiweg transportiert wurde.

Der Bomber, für dessen Auftrieb und Fortbewegung der Bristol-Antrieb, zusammen mit drei weiteren Exemplaren, sorgte, war 1944 von deutschen Flugzeugen auf dem Rückflug nach dem Angriff auf Raffinerien in Castrop-Rauxel abgestürzt.

Die Besatzung der Halifax bestand aus einem Briten und fünf alliierten Kanadiern. Zwei Besatzungsmitglieder überlebten den Absturz durch das Dach der Waschküche der ehemaligen Lehrerwohnung in Trills.

Einer der beiden Überlebenden, der 81 Jahre alte Jim Alexander McPhee, besuchte auf Einladung von Eggerath und Boller im Juni 2006 die Absturzstelle und die Gräber seiner Kameraden.

Das Anfang Oktober dieses Jahres erschienene Buch "Der alte Flugmotor von Hochdahl-Trills" erzählt die ganze Geschichte.

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