1. NRW
  2. Kreis Mettmann
  3. Mettmann

Caritas gedenkt der Drogentoten

Mettmann : Glocken läuten für die Drogentoten

Der jüngste Drogentote im vergangenen Jahr war gerade mal Mitte 20.

Laut und klar hallt das Glockengeläut der katholischen Kirche St. Lambertus durch den freundlichen Sommertag. Einmal im Jahr läuten sie nur für verstorbene Drogenabhängige. Die Anfänge dieses Gedenktages reichen 22 Jahre zurück nach Gladbeck, wo Eltern den Tod ihres drogenabhängigen Sohns mit einer Gedenkfeier begingen. Daraus entwickelte sich eine Initiative, die inzwischen international ist. Jedes Jahr wird am 21. Juli der „Internationale Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher“ begangen.

In Mettmann organisiert ihn die Caritas. Normalerweise wird dieser Gedenktag größer begangen, aber die Corona-Krise hat in diesem Jahr nicht nur den Umfang der Feierlichkeiten bestimmt, sondern auch das Motto. „Wohnraum und soziale und medizinische Hilfen müssen ein Menschenrecht sein – ob mit oder ohne Corona“ lautet es und spricht für sich. „Seit dem letzten Gedenktag sind sieben unserer Klienten gestorben“, sagt Katja Neveling von der Caritas-Suchtberatung, die Betroffene in Mettmann und Wülfrath betreut. Die Dunkelziffer schätzt Neveling jedoch noch viel höher ein. Der jüngste Verstorbene war gerade Mitte 20. „Das ist uns allen sehr nah gegangen.“ Der Älteste war über 60 Jahre alt.

Die Drogenszene ist in ständigem Wandel. Todesfälle gibt es mittlerweile „auch durch die neuen Drogen“, weiß Katja Neveling, „häufig durch Überdosierung oder Mischkonsum.“ Bei den synthetischen Drogen werde oft die hohe Konzentration unterschätzt. Zwischen 380 und 400 Menschen kommen jährlich zur Caritas-Suchthilfe in die Beratung. „Wir haben 75 Klienten in der psychosozialen Betreuung und 50 im betreuten Wohnen“, erzählt Neveling. Viele sind wohnungslos und werden von der Caritas-Wohnungslosenhilfe betreut. „Wir unterstützen 300 bis 400 Leute“, sagt der stellvertretende Leiter Alexander Lajios.

Der Kreis Mettmann liege auf Platz drei der Wohnungslosenstatistik von NRW, sagt Lajios. Nun stelle die Wohnungslosenhilfe mit der Suchthilfe ein Projekt für junge wohnungslose Drogensüchtige auf die Beine. Für den Gedenktag haben Klienten „Hoffnungssteine“ gestaltet, erzählt Streetworkerin Lilian Fischer: Am Gedenktag liegen sie auf einem Pappmaché-Stein, auf dem die Namen der sieben Verstorbenen stehen. „Jeder kann so einen Hoffnungsstein mitnehmen, als Hoffnungsträger“, sagt Fischer.