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Bürger suchen das Gespräch mit der Stadt

Mettmann : „Bürgerbeteiligung ist kein Beschwerdemanagement“

Sandra Balcke von der Stadtverwaltung wollte am Infostand auf dem Wochenmarkt eigentlich das neue Konzept der Bürgerbeteiligung vorstellen. Doch viele Mettmanner trugen auch konkrete Sorgen und Probleme an sie heran.

Eigentlich könnte Sandra Balcke jeden Mittwoch auf dem Wochenmarkt stehen. Denn kaum hat sie ihren Info-Tisch aufgebaut, steuern auch schon die ersten Mettmanner darauf zu. Bürgerbeteiligung? „Das ist eine gute Sache“, sagt ein junger Mann und nimmt bereitwillig einen Prospekt mit. „Meine Stadt mitgestalten – Bürgerbeteiligung in Mettmann“ steht darauf.

Die Stadtverwaltung will die Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung in Mettmann ausweiten. Anwohner, Betroffene und Interessierte sollen künftig bei weitaus mehr städtischen Projekten mitreden können, als bisher. Eine Arbeitsgruppe beschäftigt sich derzeit mit Strategien, wie dies gelingen könnte. Darin vertreten sind neben Mitarbeitern der Stadtverwaltung und der Fraktionen auch so genannte Multiplikatoren wie Vertreter von Bürgervereinen. Und natürlich soll auch der Bürger selbst an diesem Entstehungsprozess bereits beteiligt werden. Die Stadtverwaltung hat daher zur Ideensammlung via Internet aufgefordert.

Doch die Resonanz war bislang „recht verhalten“, berichtet Sandra Balcke, „viele tun sich mit der Online-Beteiligung noch schwer“, vermutet sie. Daher hat die Stadt die Frist für die Online-Beteiligung auf Mittwoch, 22. Juli, verlängert und eröffnete Interessierten mit einem Info-Stand jetzt auch die Möglichkeit, sich in einem persönlichen Gespräch einzubringen. „Allerdings ist die Bürgerbeteiligung ein etwas abstraktes Thema“, weiß Sandra Balcke: „Das ist ein Wort, das in aller Munde ist, aber jeder versteht etwas anderes darunter. Bürgerbeteiligung ist nicht Beschwerdemanagement.“

Tatsächlich geht es den Mettmannern, die sich am Stand von Sandra Balcke einfinden, nicht immer nur um das Konzept der Bürgerbeteiligung, sondern auch um konkrete Anliegen. So wie bei dem älteren Herrn, der sich über Lärm beklagt, der vom Veranstaltungszentrum „­Golden K“ kommen soll. „Jetzt in der Corona-Krise ist es ja ruhiger geworden, aber sonst haben wir hier Disco bis fünf Uhr morgens“, beschwert er sich.

„Ich bin an dem Thema schon seit zwei Jahren dran, bisher ist nichts passiert. Vielleicht hilft das jetzt ja ein bisschen“, verabschiedet er sich hoffnungsfroh von Sandra Balcke, die sein Anliegen notiert und verspricht, es ins Rathaus „mitzunehmen“.

Christine Kampen hingegen erzählt, dass sie mit ihren Anliegen bereits mehrmals in der Bürgermeister-Sprechstunde war. Das sei eine gute Möglichkeit, auf Probleme hinzuweisen, ist sie überzeugt. Ob die Bürgerbeteiligung diese Möglichkeit nun ersetzt?, will sie besorgt wissen. Doch Sandra Balcke kann beruhigen: Den Mängelmelder der Stadt Mettmann und auch die Bürgermeister-Sprechstunde wird es auch weiterhin geben. Immerhin gehen bei der Stadt „jede Woche einige“ Beschwerden ein, die sich vornehmlich den Problembereichen Müll, Parken und Lärm widmen.

Bei der Bürgerbeteiligung geht es hingegen um die Einflussnahme der Mettmanner bei der Planung von großen Projekten der Stadt, wie etwa Bau- und Straßenbau- oder soziale Projekte. Auch daran ist Christine Kampen interessiert: „Das Thema Verkehr bewegt mich sehr“, erzählt sie. Dass die Verkehrsberuhigung der Innenstadt („Netztrennung“) wieder aufgeweicht wird, lehnt sie ab: „Ich persönlich finde das nicht gut. Vorher war die Innenstadt wie ein Drive-in“, jetzt habe sich die Lage beruhigt. Stattdessen sollte vielmehr der Radverkehr gestärkt werden: „Für Fahrradfahrer ist es in Mettmann einfach nicht sicher genug.“