Begeisterung fürs Mittelalter

Schausteller des Martinmarktes führten die Martinsgeschichte auf und unterhielten die Besucher mit Dr. Bombastus und seinen Heilmethoden.

Mettmann. Als der letzte Glockenschlag zur vollen Stunde verklungen war, ertönte die laute Stimme von Peter Sinculli über den Martinimarkt. „Hört, was ich zu sagen habe“, rief er, und das Volk drängte sich in Scharen um das Grüppchen Schausteller, das in mittelalterliche Gewänder gehüllt vor der Kirche am Marktplatz stand. „Im Mittelalter war es gute Sitte, dass man an der Burg Schausteller auftreten ließ“, erläuterte Peter Sinculli: „Auch das Martinsspiel wurde dort aufgeführt.“

Ganz der mittelalterlichen Tradition folgend, erzählte dann auch der Schauspieler die Martinsgeschichte — natürlich auf Mittelhochdeutsch, der Sprache des 12. Jahrhunderts. Im Nu entspann sich vor den Augen der Zuschauer ein Streitgespräch zwischen dem heiligen Martin hoch zu Ross und der Stadtwache, die einem Bettler den Eintritt zur Stadt verwehrte.

„Dass Ihr Euch nicht schämt, werte Stadtwache“, übersetzte Peter Sinculli die Worte Martins, der sich traditionell des Lateinischen bediente und den zitternden Bettler anschließend mit der Hälfte seines Mantels bedachte.

„Das Publikum ist sehr begeisterungsfähig“, freute sich „Bettler“ Frank Misci, nachdem er und seine Kollegen mit den Besuchern das Martinslied angestimmt hatten.

Wenige Meter weiter bereiteten sich unterdessen Lutz Jahr und Christian Bächinger auf ihren Auftritt als Doktor Bombastus und Bruder Leonard vor. Statt Martinsgeschichten präsentierte der Wissenschaftler Dr. Bombastus dem Publikum die neuesten Ergebnisse der medizinischen Forschung, deren Errungenschaften er auf einem Handkarren mit sich schleppte.

Den schmerzenden Nacken von Bruder Leonard versuchte der Wunderdoktor fachgerecht durch Körperspülungen und Sauerstofftherapien zu reinigen. Durch einen Helm pumpte der Heiler Luft durch den Kopf des Patienten, die in einen Luftballon entwich. Während Bruder Leonard wenig erfreut dreinblickte, lachten die Zuschauer herzhaft über die Talente des Doktors. „Meine Damen und Herren, sie sehen das Wunder zu Mettmann“, rief Doktor Bombastus und bereitete seine nächste Therapie vor: Den Kopf des Patienten wollte er in einer Maschine drehen, doch dieser nahm Reißaus und schlängelte sich durch die vielen Menschen, die inzwischen den Marktplatz füllten.

Vor den Speiseständen bildeten sich Schlangen, um seltsam klingende Speisen wie Schandfleck, Ritterpfanne oder Lustrolle zu probieren. Auch vor den Tavernen „Suff & Sünde“ und „Kloster Destille“ scharten sich die Besucher. Andere wiederum bewunderten die handgefertigten Schmuckstücke, die im Licht der Öllampen noch stärker die Fantasie darüber anregten, wie es wohl wirklich gewesen sein mag damals, als noch die Ritter lebten.

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