Bauprojekt: Eine alte Dame hebt ab

Bauprojekt: Eine alte Dame hebt ab

Wegen eines Bauprojekts wird die Straßenbahn vorübergehend eingemottet.

Mettmann. Für Hans-Günther Kampen, der vor vielen Jahren die alte Mettmanner Straßenbahn vom Schrottplatz gerettet und restauriert hatte, war es am Dienstag ein aufregender Tag. Denn „seine“ Straßenbahn kam wieder einmal an den Haken. Peter Rother lupfte die alte Dame — Baujahr 1909 — mit seinem 80-Tonnen-Autokran um 9.50 Uhr vorsichtig an. Dann schwebte das historische Gefährt immer höher und wurde sicher auf einem 23 langen Spezialtransporter abgesetzt. Die Straßenbahn wurde dann zum Kreisbauhopf gefahren. Dort wird sie so lange eingemottet, bis für den Triebwagen TW 9 ein neuer Standort in der Stadt gefunden ist.

Volker Bauer, Vorstandssprecher des Mettmanner Bauvereins (MBV), verfolgte mit rund 50 Mettmannern den sanften Flug der Straßenbahn, die Platz fürs große Bauprojekt des Bauvereins machen musste. „Es ist das Signal, dass es jetzt los geht“, sagte Bauer. Der MBV wird zwischen Breite Straße und der künftigen Königshof-Galerie (ehemals Hertie) einen Baukörper mit 52 Wohnungen und rund 1800 Quadratmeter Geschäftsfläche errichten. „Vor Weihnachten werden wir damit beginnen, das Gelände frei zu machen“, sagte Bauer. Dann werden auch die Parkplätze auf dem ehemaligen Hof der Schule Schulstraße nicht mehr zur Verfügung stehen.

Die Kosten für den Transport der Straßenbahn übernimmt der Bauverein. „2500 Euro“, schätzt MBV-Vorstandsmitglied Bodo Nowodworski, „wird das kosten.“ Die Rau-Eiche neben der Straßenbahn soll im Februar umgesetzt werden, „bis dahin wird der genaue Standort des Baumes fest- stehen“, sagte Bauer.

Bevor der knapp zwölf Tonnen schwere Oldtimer in die Luft gehoben wurde, hatte Kampen auf dem Kreisbauhof am Südring zusammen mit Mitarbeitern der Rheinbahn 20 Meter Schienen verlegt. Weil der Kran der Rheinbahn schlappmachte, die Schienen nicht vom Tieflader runter heben konnte, „mussten wir den Kran des Kreisbauhofs nehmen“, sagte Kampen.

Dieter Heinemann (70), dessen Vater einst die Straßenbahn zwischen Mettmann und Vohwinkel lenkte, schoss ein paar Fotos von der fliegenden Bahn. „Das war immer das Schönste als Kind, neben Vater zu stehen und mit ihm nach Vohwinkel zu fahren“, kramte Heinemann in seinen Erinnerungen weit zurück. Mit Videokameras und Smart-Telefonen hielten mehrere Mettmanner wie Heinemann das Schauspiel fest.

Bis ein neuer Standort für den denkmalgeschützten Oldtimer feststeht, wartet auf Kampen viel Arbeit. Er wird die alte Lady nun zum zweiten Mal von Grund auf überholen und sanieren. Der Zahn der Zeit hat der Straßenbahn in den vergangenen 15 Jahren doch arg zugesetzt. Kampen: „Da ist ’ne ganze Menge zu tun.“

Derzeit gibt es zwei mögliche Standorte für die Straßenbahn. „An der Elberfelder, direkt gegenüber der Breite Straße, oder zwischen Kreissparkasse und Waschbrett“, sagte Kampen. Die letzte Idee, ein Vorschlag der Aulen Mettmanner, würde er favorisieren. Kampen: Dann könnte das Dach des Waschbretts verlängert werden und die Bahn schützen.

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