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Alte Marken stehen hoch im Kurs

Alte Marken stehen hoch im Kurs

Briefmarkenfreunde treffen sich regelmäßig zum Tauschtag. Die Philatelisten haben Nachwuchssorgen.

Mettmann. In regelmäßigen Abständen veranstaltet der Verein der Briefmarkenfreunde sein monatliches Tauschtreffen im Johanneshaus. Mitgliedern wie Interessierten wird hier die Möglichkeit geboten, ihre Sammlung um die eine oder andere Rarität zu bereichern und sich über Neuigkeiten nicht nur zum Thema Briefmarken auszutauschen.

Wie immer war dem Repertoire der Sammler keine Grenze gesetzt: Mit Exemplaren aus allen Ecken der Welt rollte der Verein beim jüngsten Treffen die über 170-jährige Geschichte der Briefmarke auf. Dabei konnten sich die Vorstände Dietmar Nachrodt und Rainer Eisfelder mit rund zwanzig Besuchern über ein volles Haus freuen.

Dietmar Nachrodt, Briefmarkenfreunde Mettmann

Wie die meisten Vereinsmitglieder haben die beiden ihre Leidenschaft für das Briefmarkensammeln schon in der Kindheit entdeckt. Obwohl sie seither ihrem Hobby treu geblieben sind, hat sich ihr Sammelverhalten im Laufe der Jahre stark gewandelt. Galt es früher Briefmarken aus bestimmten Ländern zu sammeln, sind es heute vor allem Marken historischer Epochen wie etwa der deutschen Kolonialzeit. Auch alte Sondermarken für Zeppelinpost stehen bei den Sammlern hoch im Kurs. „Es ist ein sehr vielschichtiges Hobby. Für uns ist eine Briefmarke, auch immer ein Geschichtsträger“, erklärt Dietmar Nachrodt. Ihn interessieren besonders Exemplare aus der DDR und der Zeit der Wirtschaftskrise in den zwanziger Jahren, in der Marken für 100 Milliarden Reichsmark keine Seltenheit waren. Bis zu 2000 Euro können die ältesten Stücke dabei auf dem Sammlermarkt bringen. Heute Briefmarken als Kapitalanlage zu kaufen, kann er nicht empfehlen, da Wertsteigerungen selten vorausgesehen werden können.

Seit seiner Gründung nach dem Krieg habe sich im Verein vieles getan. Zu Hochzeiten habe er nicht weniger als siebzig aktive Philatelisten gezählt. Heute sieht das anders aus: Viele Mitglieder sind weggezogen oder gestorben, der Kontakt mit Nachbarvereinen eingeschlafen. Zwar haben sie vereinzelt noch Tauschfreunde im Ausland, aber auch die werden weniger. Nachdem die Jugendgruppe im vergangenen Jahr notgedrungen aufgelöst werden musste, mangelt es besonders an Nachwuchs. Angst, dass ihr Hobby ausstirbt, haben die beiden Vorstände trotzdem nicht, denn gerade bei Auktionen treffe man immer wieder auch auf jüngere Sammler, berichtet Eisfelder. Diese können aber meist wenig mit dem Vereinsleben anfangen. Beim Handeln und Tauschen liefe heute viel über das Internet, auch wenn die Gefahr, an Fälschungen zu geraten, hier besonders hoch ist. „Das Briefmarkensammeln hat sich einfach verlagert, aber es wird deswegen nicht aufhören“, sagt Nachrodt. Für die beiden Vorstände sind die Auktionsportale im Netz aber keine Option: „Das Entscheidende am Briefmarkensammeln ist immer noch der persönliche Kontakt mit Gleichgesinnten“, finden beide.