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„Abends traue ich mich nicht mehr her“

Mettmann : Die Anwohner rund um das Mahnmal fühlen sich bedroht

Der Wegfall von Urlaubsreisen und die lange schulfreie Zeit in der Corona-Krise verstärken den Leidensdruck: Nach Anwohnern des Goetheparks beklagen jetzt auch Nachbarn des Mahnmals Wilhelmshöhe andauernde Ruhestörungen.

Wilfried Heckmann (Name von der Redaktion geändert) weiß genau, wo er hingehen muss, um zu zeigen, was er meint: Es bedarf nur weniger Handgriffe, und schon fischt er aus dem Gebüsch hinter dem Mahnmal Wilhelmshöhe in Metzkausen leere Wodka-Flaschen und weiteren Unrat heraus. „Dieser Müll ist so was von unangenehm“, schimpft er.

Und der Unrat weist darauf hin, dass hier auch Feiern bis tief in die Nacht stattfinden. „Bis 3 Uhr ist hier keine Ruhe“, beklagt Heckmann. Neulich habe sein Enkelkind in seinem Haus übernachtet, das nachts plötzlich weinend vor ihm stand, weil es wegen des Lärms nicht schlafen konnte: An ungestörte Nachtruhe sei derzeit vor allem an den Wochenenden nicht zu denken.

Mit großem Bedauern erinnern sich Wilfried Heckmann und eine weitere Anwohnerin an den Bezirkspolizisten in Metzkausen: „Wir hatten hier früher eine Art Dorfsheriff im Viertel, aber den gibt es leider nicht mehr“, erzählen sie. Das würde nun fehlen – eine Institution, die man auf die Sorgen und Nöte aufmerksam machen könne. Stattdessen sei der Aktionsradius eingeschränkt, „abends traue ich mich nicht mehr hierher“, sagt die Nachbarin.

Am Goethepark gibt es ähnlichen Ärger wegen Lärm und Müll

Aufmerksam haben die Anwohner die Diskussion über ähnliche Probleme im Goethepark verfolgt. Ihnen gehe es genauso, sagen sie. Die Schilder, die sie an verschiedenen Stellen aufgehängt haben, werden offenbar ignoriert. „Treffen sind okay, Lärm in der Nacht nervt die Nachbarn unnötig“, ist darauf zu lesen: „Damit weiterhin alle diesen Ort genießen können, appellieren wir an Eure Vernunft und bitten, auf die Sauberkeit zu achten.“

Verfasser des Handzettels ist der Bürgerverein Metzkausen. Vorsitzender Gregor Neumann weiß um das Problem. „Wir haben alle Verständnis dafür, dass sich Jugendliche treffen wollen“, betont er. Doch der Lärm sei „für die Anwohner eine Belastung“, und das nicht nur an der Wilhelmshöhe. In diesem Jahr liegen die Nerven vieler Nachbarn von Grünanlagen aber offenbar besonders blank, denn Parks und Grünanlagen werden wegen der Corona-Krise, des Schulausfalls und dem Umstand, dass viele Familien diesmal nicht in den Urlaub fahren, noch häufiger und intensiver genutzt als in den Jahren zuvor, und das auch schon vor den Sommerferien. „Dann ist es schwierig, wenn es über einen langen Zeitraum immer wieder eskaliert“, zeigt Neumann Verständnis.

Mitarbeiter des Jugendamts sollen sich um Jugendliche kümmern

Doch er betont auch, dass es sich bei den störenden Gruppen „immer nur um einige wenige“ handele. Pauschale Verurteilungen seien fehl am Platz, und über „die Jugendlichen“ schimpfen sei nicht der richtige Ansatz. Neumann hält vielmehr den Dialog für wichtig – und weil diesen die Anwohner nicht führen können und wollen, da sie Sorge vor Repressalien haben, müssen es Mitarbeiter der Stadt Mettmann tun: „Das sollte niederschwellig sein“, durch Mitarbeiter von Jugendamt und Streetworkern, so könne am ehesten um Verständnis geworben werden.