Wettkampf der Chöre

39 Chöre aus NRW traten beim großen Leistungsvergleich gegeneinander an.

Langenfeld. Mit einer Stimmgabel am Ohr überprüfte Chorleiter Christoph Willer auf der großen Bühne der Stadthalle ein letztes Mal, ob sein Kammerchor alle Töne trifft. „Sauber intoniert“, lobte Willer seine Sänger. Die Generalprobe für das jährliche Leistungs- und Konzertchorsingen des Chorverbandes NRW, welches am vergangenen Wochenende in der Stadthalle ausgetragen wurde, war schonmal gut verlaufen und baute bei den 21 Sängern Stress ab.

Für den Langenfelder Kammerchor war es der erste Leistungsvergleich mit anderen Gesangsgruppen. „Vorher organisierten wir nur Konzerte. An Wettbewerben nahmen wir nicht teil“, sagte Barbara Opitz. Sie singt seit 19 Jahren im Kammerchor und findet die Vergleichsmöglichkeit mit anderen Chören spannend. „Ich bin immer noch mit genauso viel Spaß dabei wie früher, und ein Feedback kann uns zeigen, wo wir gesanglich stehen“, sagte Opitz.

Auch Kammerchormitglied Gabi Meiser suchte die Bestätigung für die gesangliche Qualität ihres Chors. „Seit meinem 16. Lebensjahr erfreut das Singen mein Herz. Jetzt möchte ich wissen, wie gut wir im Vergleich zu anderen sind“, sagte Meiser.

Christoph Willer ist seit zwei Jahren der Leiter des Sängerkreises. Er gab Anreiz zur Teilnahme und weckte den Ehrgeiz der Gruppe. Kurz vor dem Auftritt wirkten die Sänger konzentriert und angespannt. Sobald sich aber ihre Münder weit öffnen, und die ersten Töne erklingen, liegt ein losgelöstes Strahlen auf ihren Gesichtern. „Die Proben dienen zur Überprüfung der Akustik im Saal“, sagte Marita Ritter, stellvertretende Vorsitzende vom Sängerkreis Rhein-Wupper/Leverkusen. Oft sei der Klang dort ein anderer als in den gewohnten Übungsräumen. Außerdem diene die Generalprobe dem Stressabbau. „Das Leistungssingen versteht sich nicht als Konkurrenzveranstaltung, sondern als Fest der Begegnung“, sagte Marita Ritter. Teilnehmen kann jeder Sängerkreis aus Nordrhein-Westfalen. In zehn Minuten Präsentationszeit müssen die Chöre drei Lieder vortragen.

Die dreiköpfige Jury mit Professor Michael Schmoll, dem Landeschorleiter vom ChorVerband NRW, und zwei Mitgliedern des Musikausschusses, Michael Rinscheid und Helmut Pieper, entscheidet dann, ob sich die Gruppe „Leistungschor“ nennen darf. Dazu müssen 21 von 25 Punkten erreicht werden. „Mit der Bewerbung um den Austragungsort der Veranstaltung erhoffte sich die Stadt Langenfeld eine aktivere Teilnahme heimischer Chöre“, sagte Willi Wagner vom Vorstand des Kammerchors.

Unter den 39 angemeldeten Chören nahmen aus dem Kreis Mettmann nur der Chor „Klangfarben vocale Monheim“ und der Kammerchor teil. Bei der Nachwuchswerbung gebe es Probleme. „In den Chören werden vorwiegend geistliche und weltliche Lieder gesungen, die die Jugend weniger für Gesangskreise begeistern können“, sagte Wagner. Auch ein Überangebot an Chören könnte die Ursache für stagnierende und sinkende Mitgliederzahlen sein.

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