Waldkinder lieben den Schnee

Waldkinder lieben den Schnee

Was machen die Kleinen des Waldkindergartens eigentlich im Winter? Vor allem sind sie ständig in Bewegung und genießen die Stunden in der Natur.

Monheim. "Guck mal, ein Schneewurm!" Da ist das Staunen groß und 13 Kinder beäugen das Tierchen: einen Regenwurm, der mitten im Schnee unterwegs ist. Schnell verkriecht er sich wieder, und die Gruppe zieht weiter durchs Unterholz.

Bei jedem Wetter ist der Waldkindergarten unterwegs. 15Stellen laufen die Kleinen voller Energie im Wechsel an, vom "Brombeerplatz" zwischen Hecken - gerade mal zwei Minuten vom Bauwagen der Gruppe - bis zur 40 Minuten entfernten Wasserskianlage. Der umzäunte Platz des Vereins in der Nähe des Friedhofs dient auch im tiefen Winter nur als Treffpunkt und Plätzchenbackstube.

Frühstück, Gepäck und Wasser zum Händewaschen sind immer mit dabei. Auf einer Plane sind ein paar isolierende Sitzkissen ausgebreitet, aber alle sind viel lieber im weiten Umkreis auf Entdeckertour. Linus und Jan-Luca machen Pause auf einer schneebedeckten Wurzel, nutzen das Stück Holz als Ruheliege.

In der Adventszeit gibt es eine Kalenderspirale für die Kinder. "Der Stern schenkt uns eine Aktion für den Tag", erklärt Erzieherin Niska Schnabel. Am Freitag sammeln die Kinder Material, um Geschenke zu basteln.

"Der Weg ist das Ziel", erklärt Schnabel. Für die ausgebildete Natur- und Wildnispädagogin steht im Vordergrund, die Phantasie der Kinder anzuregen.

"Wir wollen mit möglichst wenig Material auskommen." Da werde aus einem Stöckchen ein Kochlöffel für Matschsuppe, ein tosender Laubbläser oder ein schnittiger Hexenbesen.

Der Kindergarten ist fast wie jeder andere, finden die Helferinnen: Das Gemeinschaftsgefühl soll gestärkt werden. "Alle in der Gruppe helfen sich gegenseitig", erklärt Erzieherin Annika Bohr. Zusätzlich aber geht es um das Leben in der Natur und Respekt vor Pflanzen und Tieren.

"Wir wissen zum Beispiel, dass wir grüne Blätter nicht abreißen, weil die noch leben", so die Pädagogin.

Passanten reagieren teilweise verständnislos, berichtet Schnabel. Wie man den Kindern das antun könne, sei eine oft gestellte Frage. Dabei sind die Erzieherinnen die einzigen, die hier kalte Finger bekommen, während sie im Wald stehen. "Die Kinder bewegen sich instinktiv und halten sich warm", erläutert die 25-Jährige.

Unter Kapuzen und Wollmützen sind nur strahlende Gesichter zu sehen. Wenn es noch kälter wird, läuft die Gruppe nicht mehr einen bestimmten Platz an, sondern zieht den ganzen Tag umher. "Man kann uns gern ansprechen. Wir freuen uns, wenn Leute Kontakt aufnehmen", lädt die Erzieherin ein.

Und abhanden gekommen sei auch noch keines der Kinder. "Die kennen ihre unsichtbaren Grenzen", sagt Schnabel. Nicht außer Sichtweite gehen, ist die einfache Regel für alle.

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