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Versuchter Mord in Monheim: Coronavirus beeinflusst Verfahren gegen einen in der JVA Heinsberg inhaftierten Langenfelder

Langenfeld : Corona-Virus verzögert Prozess

Ein 20-jähriger Langenfelder steht wegen versuchten Mordes in Düsseldorf vor Gericht.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis das Corona-Virus auch die Abläufe bei der Justiz durcheinander wirbelt. Nun scheint es soweit zu sein: Beim Prozessauftakt gegen einen 20-jährigen Langenfelder, der im September 2019 auf den Ex-Partner seiner Mutter eingestochen haben soll, zeigte sich am Montag vor dem Düsseldorfer Landgericht, was eine solche Lage für alle Beteiligten bedeutet.

Eigentlich hatte der Verteidiger seinen Mandanten in der vergangenen Woche in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Heinsberg besuchen wollen, um dessen angekündigte Einlassung zu besprechen. Offenbar gibt es auch noch ein Gutachten, dass der Angeklagte noch nicht in Augenschein hatte nehmen können. Am vergangenen Freitag hatte es dafür einen Termin gegeben, den die JVA abgesagt habe. „Bis zum 8. März darf man dort nicht rein“, ließ der Verteidiger das Gericht wissen. Und wie es danach weitergehe, sei auch noch nicht klar.

Ein Ausbruch des Corona-Virus in der JVA? Das wollen die Verantwortlichen dort offenbar unbedingt verhindern. Man kann sich gut vorstellen, was das für eine Haftanstalt bedeuten würde. Insassen können schließlich nicht einfach irgendwo anders untergebracht werden: Die Gesunden wären einer solchen Situation ausgeliefert, die Kranken würden ein Justizvollzugskrankenhaus vor ungeahnte Herausforderungen stellen.

Im Falle des angeklagten Langenfelders hat die Justiz nun offenbar eine Lösung gefunden: Er wird erst am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht aussagen. Nach Verlesung der Anklage hatte der Vorsitzende Richter die Verhandlung unterbrochen, um dem Beschuldigten die Möglichkeit zu geben, mit seinem Anwalt im Hausgefängnis des Gerichts zu sprechen.

Angeklagt ist der 20-Jährige wegen versuchten Mordes. Am Abend des 10. September 2019 soll er den 39 Jahre alten Ex-Freund seiner Mutter mit mehreren Messerstichen schwer verletzt haben. Bewaffnet mit einem Doppelklingenmesser soll er sich Zugang zur Wohnung des Opfers in der Anne-Frank-Straße in Monheim verschafft haben.

Das Opfer kam schwer verletzt
in eine Düsseldorfer Klinik

Zuvor soll der Langenfelder den Ermittlungen zufolge an der Türe geklingelt haben. Als die geöffnet wurde, soll der Angeklagte schreiend auf den 39-Jährigen zugelaufen sein mit den Worten: „Ich bring Dich um.“ Danach soll er mehrfach mit dem Messer zugestochen und erst von seinem Opfer abgelassen haben, als ebenfalls in der Wohnung anwesende Zeugen die Polizei riefen. Dass er ihn umbringen wolle, soll der 20-Jährige mehrfach gerufen haben – um anschließend vom Tatort zu fliehen. Das Opfer war in der Wohnung zusammengebrochen und nach notärztlicher Versorgung in eine Düsseldorfer Klinik eingeliefert worden.

Sofort nach Bekanntwerden der Tat an jenem Septemberabend hatte die Polizei die Fahndung nach dem schnell identifizierten mutmaßlichen Gewalttäter eingeleitet. An der Suche waren seinerzeit Polizeikräfte aus dem Kreis Mettmann und auch zahlreiche Unterstützungskräfte aus benachbarten Behörden beteiligt. Ein in der Fahndung eingesetzter Hundeführer der Polizei entdeckte den Gesuchten in Langenfeld, wo dieser als Fußgänger auf der Volksgartenstraße unterwegs war. Nach einem nur kurzen Fluchtversuch konnte der 20-Jährige an der Karlstraße gestellt und festgenommen werden. Dabei biss der Polizeihund zu und verletzte den Tatverdächtigen leicht.