Streit mit Arbeitsamt bringt Firmenchef auf die Palme

Streit mit Arbeitsamt bringt Firmenchef auf die Palme

Andreas Groll möchte Fördergelder für Einstellung einer 56-Jährigen.

Langenfeld. Andreas Groll ist sauer. Seit 1989 ist der Langenfelder selbstständig und steht als Arbeitgeber in regem Kontakt mit den Arbeitsämtern, die ihm Angestellte vermitteln. „Nur in Langenfeld haben die sich von Anfang an quer gestellt“, sagt der Unternehmer, der in seiner neuen Firma Ecompro eine 56-jährige Arbeitslose einstellen wollte.

„Es ist nicht die erste Firma, die ich aus dem Nichts aufbaue und aus der nachhaltige Arbeitsplätze entstehen“, sagt der IT-Dienstleister. „Allerdings bin ich nie zuvor mit solchen Problemen und Blockaden bei der Wiedereingliederung älterer oder lange Zeit Arbeitsloser gestoßen.“

Die 56-Jährige, die Groll einstellen wollte, kannte er schon aus einer früheren Firma, die er aufgebaut und zuletzt gewinnbringend verkauft hatte. „Ich weiß, wie sie arbeitet und wo bei ihr noch Schulungsbedarf ist“, sagt er. Und für diesen Schulungsbedarf beantragte er Unterstützung vom Amt. Bei den Mitarbeitern des Langenfelder Arbeitsamtes sei er jedoch auf Ablehnung gestoßen.

„Die taten gerade so, als ob sie mir die beantragten Mittel zu meinem persönlichen Vergnügen überlassen sollten“, wirft Groll den Arbeitsvermittlern vor. Sein Vorschlag: Das Amt zahlt die Hälfte des Gehaltes der Angestellten für zwei Jahre, dafür will Groll die Schulungskosten übernehmen. Die Mitarbeiterin würde einen unbefristeten Festvertrag bekommen, dafür wollte Groll das unternehmerische Risiko aber nicht alleine tragen: „Wenn ich die Dame einarbeite, kostet mich das Zeit und Geld.“

Die Arbeitsagentur sieht das anders: „Nach unserer Einschätzung hätte die Dame durchaus Chancen auf dem Arbeitsmarkt, ohne dass sie geschult werden müsste“, sagt Sprecher Lars Beyer. „Wir fördern sehr gern, erst recht, wenn jemand länger arbeitslos war. Aber in diesem Fall sehen wir den Bedarf nicht.“

Die 56-Jährige würde nach Einschätzung des Arbeitsamtes bei Groll im gleichen Handlungsfeld arbeiten, wie in ihrer alten Firma. „Wir unterstützen ja nicht die Arbeitgeber, sondern die Arbeitnehmer“, begründet Beyer die Haltung des Arbeitsamtes. „Und wenn uns der Arbeitgeber die Minderleistung nicht überzeugend darlegen kann, dann können wir keine Unterstützung zahlen.“

Andreas Groll will die Dame jetzt trotzdem beschäftigen. „Es wird ein Kraftakt werden, aber ich will es versuchen“, sagt er. „Wegen nicht vorhandener Unterstützung habe ich mich noch nie geschlagen gegeben.“

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