Stadt Monheim baut Ganztag aus

Die Nachfrage nach Ganztagsbetreuung in Grundschulen steigt. In den nächsten Jahren sollen knapp 200 zusätzliche Plätze entstehen.

Monheim. Immer mehr Mütter sind berufstätig. Die Nachfrage nach den - beitragsfreien - Betreuungsplätzen in der offenen Ganztagsschule (Ogata) Grundschulen steigt rasant an. Nachdem der Rat im April 2014 den Ausbau der Kapazitäten auf 950 Plätze festgelegt hatte, wurden im Schuljahr 2015/6 tatsächlich 969 Plätze belegt. In den nächsten zwei Jahren plant die Stadt daher, die Ogata auf 1100 (ab Sommer 2016) und dann auf 1150 Plätze (Schuljahr 2017/8) auszuweiten. Allerdings stoßen die meisten Schulgebäude an ihre Kapazitätsgrenzen. „Mit dem 2015 fortgeschriebenen Schulentwicklungsplan wurde ein Raumprogramm festgelegt, das den Schulen mittelfristig ermöglichen soll, mit allen Klassen in den Ganztag zu gehen: Dabei dient als Faustformel: eine große Klasse plus Nebenraum“, erläutert Peter Heimann, Leiter des Bereichs Schule.

Armin-Maiwald-Schule: Für das kommende Schuljahr wurden 24 Kinder mehr für die Ogata angemeldet als es Plätze gibt. „Wir haben uns damit beholfen, indem wir den PC-Raum im Keller aufgelöst und Tablets eingeführt haben“, so Heimann. Im Obergeschoss wird die ehemalige Teeküche zu einem Nebenraum für das benachbarte Klassenzimmer umfunktioniert.

Winrich-von-Kniprode-Schule: Für die 175 Kinder, die ab Sommer 2016 eine Ogata-Betreuung beanspruchen, gibt es genügend Plätze - obwohl die Ogata in den — während der Bauarbeiten am Neubau aufgestellten — Containern mit weniger Raum auskommen muss. Der Beginn der Arbeiten hat sich um drei bis vier Monate verzögert, weil im ersten Angebotsrücklauf kein Bieter ein Angebot abgab, erklärt Gebäudemanager Michael Lobe.

Astrid-Lindgren-Schule: Die Schule erwägt, ab dem Schuljahr 2017/8 in den rhythmisierten Ganztag einzusteigen, im Sommer soll die Schulkonferenz eine entsprechende Entscheidung fällen. Die Schule wird sich überdies an dem Wettbewerb der Montag-Stiftung „Inklusive Schule“ beteiligen, weil sie sich vom „Gemeinsamen Lernen“ in eine Schwerpunktschule für die Förderschwerpunkte Körperliche und motorische Entwicklung und geistige Entwicklung weiterentwickeln will. „Mit dem neu konzipierten Schulgebäude bietet sich die Chance, auch die entsprechende Infrastruktur vorzuhalten, wie Barrierefreiheit, behindertengerechte Sanitäranlagen und zusätzliche Therapieräume“, sagt Heimann.

Lottenschule: Um die 30 zusätzlich angemeldeten Ogata-Kinder (bisher 100) betreuen zu können, muss der bisherige Schulsozialarbeitsraum in einen Trainingsraum umgewandelt werden. Die von den beiden Grundschulen genutzte Mensa gerät trotz des Schichtbetriebs an die Grenzen ihrer Kapazitäten.

Schule am Lerchenweg: „Die Anmeldezahlen für die rhythmisierten Ganztagsklassen sind seit mehreren Jahren in Folge so hoch, dass wir problemlos schon seit langem drei Eingangsklassen pro Jahr bilden könnten“, erklärt Schulleiter Achim Nöhles. Schulrechtliche Fragen standen der Einrichtung aber bisher im Weg. „Es gibt einen Anspruch auf wohnortnahe Beschulung, deshalb müssen wir für die Kinder, für die eine Halbtagsbeschulung gewünscht ist, Kapazitäten offenlassen“, erklärt Peter Heimann. Nöhles hält das Konzept der rhythmisierten Ganztagsklassen für zukunftsweisend. Dies belegten auch Studien, die für dieses Modell gegenüber dem additiven Modell, also dem klassischen Ganztag, einen spürbar höheren Qualitätsstandard nachwiesen, sagt er. Die Organisation von zwei verschiedenen Ganztags-Organisationsformen in ein und derselben Schule sei zwar schwieriger, wenn nicht gar unmöglich, aber im Kern gehe es ihm um die höhere Qualität, die dieses Modell sicherstelle. „Daher kommt für uns die Alternative, weitere Ganztagsplätze einzurichten, nicht in Frage.“

Hermann-Gmeiner-Schule: Aufgrund geringer Anmeldezahlen startet die Schule nur zweizügig ins nächste Schuljahr. Durch den gewonnenen Klassenraum kann ein Nebenraum erzeugt werden. Ein Problem könnte sich ab Sommer 2017 ergeben, wenn die Hauptschule abgerissen ist, in der die Grundschule Räume für die Ogata nutzt. Ein weiterer Ausbau des rhythmisierten Ganztags würde eine bessere Ausnutzung der Räume ermöglichen. Heimann erhofft sich für die Schule Impulse durch das geplante Quartier „Unter den Linden“. „Die machen dort eine gute Arbeit, dennoch meiden manche Eltern die Schule“.