1. NRW
  2. Kreis Mettmann
  3. Langenfeld und Monheim

Spielsucht: Die Straße der Casions und Wettbüros

Spielsucht: Die Straße der Casions und Wettbüros

Gegen die vielen Casinos und Wettbüros am Ortseingang hat die Verwaltung jedoch baurechtlich keine Handhabe.

Langenfeld. Besonders schön sei er nicht, der Ortseingang, sagt der Geschäftsmann und blickt sich um. Der 33-Jährige ist aus dem Saarland und geschäftlich in Langenfeld. Zum zweiten Mal kommt er während seines Besuchs in der Stadt im Hotel Mondial an der Solinger Straße unter. „Es gibt sicherlich schönere Umgebungen“, sagt er knapp. „Hauptsache, ich wohne zentral und bin morgen schnell wieder auf der Autobahn.“ Er sei schließlich nicht in Langenfeld, um sich abends an den Spielautomaten zu vergnügen, fügt er lächelnd hinzu.

Nicht nur für Auswärtige ist die Aneinanderreihung von Spielhallen kein schöner Anblick. Auch im Rathaus wünschte man sich andere Mieter, um das Stadtbild aufzuwerten. „Am Immigrather Platz und an der Solinger Straße reihen sich ja gleich mehrere Spielhallen und Wettbüros aneinander“, sagt Bürgermeister Frank Schneider. „Das zieht das Viertel runter.“

In den äußeren Bereichen der Stadt sei die Ansiedlung aber ein finanzieller Gewinn für die Kommune: „Sie zahlen ein Vielfaches der normalen Miete“, so Schneider. 2010 gab es in Langenfeld acht Spielhallen, mittlerweile sind es elf. Im Jahr nimmt die Stadt dadurch etwa eine halbe Million Euro ein.

Laut Schneider hatte die Stadt vor rund zehn Jahren über eine Erhöhung der Vergnügungssteuer versucht, die Zahl der Spielhallen in Langenfeld zu reduzieren. Die monatliche Abgabe pro Geldspiel-Automat stieg von 138 auf 300 Euro — die Höchstgrenze. Damit verringerte sich zwar in den Folgejahren die Anzahl der Spielhallen, der Bund der Steuerzahler machte der Stadt bei diesem Schachzug aber einen Strich durch die Rechnung.

„Wir hätten die Steuer gerne sogar noch höher gesetzt, um der Ausweitung von Spielhallen eine Grenze zu setzen. Aber das ging nicht“, sagt Bürgermeister Schneider. Seit einer Gesetzesänderung kassiert die Stadt von Betreibern nun zwölf Prozent des Einspielergebnisses ab. Im nächsten Jahr soll die Politik über eine mögliche Erhöhung der Gewinnabgabe beraten.

Baurechtlich hat die Stadt laut Schneider keine Möglichkeit, Einfluss auf die Ansiedlung von Spielhallen zu nehmen. Zumindest aber beim neuen Bauvorhaben am Immigrather Platz kann eine Ansiedlung neuer Spielhallen ausgeschlossen werden: Entlang der Solinger Straße und im rückwärtigen Bereich zwischen Lessing- und Schillerstraße sollen neue Gebäude entstehen.

Die bestehenden vier zweigeschossigen Wohngebäude samt Nebengebäuden und der Imbiss „El Greco“ müssen für dieses Projekt abgerissen werden. Der Bereich werde dann als Mischgebiet ausgewiesen.

Das ermögliche die gemeinsame Nutzung von Geschäften im Erdgeschoss und Wohnungen in den oberen Geschossen. Die Ansiedlung von Vergnügungsstätten wie Spielhallen, aber auch Tankstellen und Gartenbaubetrieben, sei jedoch unzulässig.