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Sonntagsmesse gestrichen — die Proteste werden lauter

Sonntagsmesse gestrichen — die Proteste werden lauter

330 Mitglieder der Großpfarrei St. Josef und Martin haben bisher für den Erhalt unterschrieben. Die Liste soll jetzt übergeben werden.

Langenfeld. Ein Sonntag ohne Gottesdienst — das ist für Rolf Kamp unvorstellbar. Bald muss sich der Vorsitzende des Kirchenchors Cäcilia von St. Mariä-Himmelfahrt von seiner Tradition verabschieden. Am 28. Mai tritt die neue Gottesdienstordnung für die katholischen Gemeinden in Langenfeld in Kraft, die seit dem 1. Januar 2011 zur Großpfarrei St. Josef und Martin zusammengefasst sind. Für St. Mariä-Himmelfahrt (Hardt), Christus König und St. Gerhard (Alte Mitte) bedeutet das: keine Sonntagsmesse mehr.

Rolf Kamp und andere Gemeindemitglieder wollen die Streichung nicht einfach hinnehmen. Jeden Sonntag protestieren sie vor der Kirche St. Mariä-Himmelfahrt und sammeln Unterschriften für den Erhalt des Sonntagsgottesdienstes. 330 Unterschriften sind bisher zusammengekommen.

„Viele gehen seit mehr als 30 Jahren zum Sonntagsgottesdienst“, sagt Rolf Kamp. Wird dieser gestrichen, befürchtet er, dass die Stammbesucher nicht mehr kommen. Ein Gottesdienst am Samstag um 18.30 Uhr sei kein Ersatz. „Der Samstagabend ist meist für Familie oder Freunde reserviert.“

Wolfgang Androsch, Mitglied im Familienchor, wehrt sich ebenfalls gegen die neue Gottesdienstordnung. „Unser Chorleiter hat Samstagabend andere Termine. Ohne Sonntagsmesse löst sich unser Chor vielleicht auf“, sagt Androsch. Er fordert, dass mindestens zwei Messen im Monat sonntags stattfinden — notfalls auch im Wechsel mit einer anderen Gemeinde.

Diesen Vorschlag hält Jürgen Rentrop, leitender Pfarrer der neuen Großpfarrei St. Josef und Martin, für keine gute Lösung. „Die Leute können sich nicht merken, wo an welchem Sonntag genau der Gottesdienst gefeiert wird und stehen dann vor verschlossener Tür.“ Rolf Kamp hat noch eine weitere Idee zur Rettung seines Sonntagsgottesdienstes.

„Hauptgrund für die Streichung ist Priestermangel. Warum also nicht auf Priester im Ruhestand zurückgreifen?“ Die seien schon jetzt regelmäßig im Einsatz. Auch eine Einbindung von Schul- und Krankenhausseelsorger im Gemeinderaum könnte er sich vorstellen. „Große Messen müssen von Priestern mit pastoraler Verantwortung geleitet werden“, hält Rentrop dagegen.

Am Donnerstag wollen Rolf Kamp, Wolfgang Androsch und ihre Mitstreiter die Unterschriften an den Pfarrer überreichen. „Wird unser Protest nicht Ernst genommen, wenden wir uns an Kardinal Meisner“, sagt Kamp.