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Schuldenfrei – und dann Pleiten, Pech und Pannen

Schuldenfrei – und dann Pleiten, Pech und Pannen

Die Mack-Stele, die sich die Kleinstadt als Lohn für die Entschuldung gönnt, ist gestern vom Kran gefallen.

Langenfeld. Das Schicksal ist eine Spaßbremse. Langenfeld wird schuldenfrei. Langenfeld will feiern. Doch je näher die magische Minute rückt, desto größer werden die Pannen. Am 3. Oktober, punkt 20.21 Uhr, soll die Schuldenuhr "0" anzeigen. Hurra, Applaus, Feuerwerk, ein Bürgermeister im Goldlametta-Regen. Die ganze Welt dreht sich um Langenfeld.

Das ist der Traum. Doch die Vorbereitung entwickelt sich immer mehr zum Albtraum. Gestern fiel die Stele des weltberühmten Bildhauers Heinz Mack just in dem Moment vom Kran, als sie in Langenfeld auf ihren neuen Platz gestellt werden sollte.

Das rund 600.000 Euro teure, von der Stadt-Sparkasse Langenfeld wegen der Schuldenfreiheit gestiftete Kunstwerk stürzte zehn Meter tief und trug Beschädigungen davon. Wie lange die Reparatur dauert, wer sie bezahlt - all das ist noch offen.

Fest steht hingegen, dass sich über der Entschuldungsparty dunkle Wolken zusammenziehen. Dabei hatte sich Bürgermeister Magnus Staehler (CDU) das alles so schön vorgestellt. "Es gilt, Freude, Zuversicht und Dankbarkeit auszustrahlen. Wir haben allen Grund dazu. Für Demut und Bescheidenheit ist überhaupt kein Raum", sagt er.

Und handelt auch so. Langenfeld ist Gold. So soll es am 3. Oktober auch aussehen. Zur Vorstellung des Festprogramms mit den Bergischen Symphonikern ließ der Bürgermeister Ziegelsteine gold anmalen. Auf den Tischen standen goldene Schokokugeln aus dem Hause Ferrero.

Und hinter dem Bürgermeister prangte das Plakat, mit dem die erst 60 Jahre alte Stadt zwischen Monheim und Solingen auf ihren größten Erfolg hinweisen wollte. "Schuldlos" steht darauf in dicken Lettern. Verstanden haben das wenige. Die meisten fragen sich seither, was Langenfeld oder gar dem Bürgermeister denn vorgeworfen wird. "Schuldlos" hört sich nach angeklagt an.

Dabei ist bei Langenfeld das Gegenteil der Fall. Die knapp 59.000 Einwohner zählende Stadt gilt Kommunen landauf, landab als Paradebeispiel dafür, dass langfristig Sparsamkeit, Haushaltsdisziplin und durchdachte Ansiedlungspolitik und ein bisschen Glück zum Ziel führen können. Langenfeld hat in den vergangenen Jahren 40 Millionen Euro Schulden zurückgezahlt. Genau das soll das Plakat aussagen. Aber außer Staehler interpretiert das kaum jemand so.

Und das ist nicht das einzige Missverständnis, das den unumstrittenen Bürgermeister der unbestrittenen CDU-Hochburg Langenfeld umgibt. Auch der Bund der Steuerzahler fragte sich zuletzt, ob er Staehler denn richtig verstanden habe, als der den Mitarbeitern seines Rathauses zum Dank für die Entschuldung sechs zusätzliche freie Tage schenkte, was rein rechnerisch Kosten von immerhin mehr als 800.000 Euro auslöst.

Staehler hat das Missverständnis so aufgeklärt: Es war keins. Der Mann meint, was er sagt. Der Bund der Steuerzahler muss es hinnehmen, und sein Chef, Karl-Heinz Däke, ist von der Haupt- zu einer Nebenfigur des Entschuldungsfestes vom 3. bis 5. Oktober abgestiegen. Das hat er mit vielen gemeinsam.

Auch mit dem ehemaligen Stadtkämmerer Winfried Graw (CDU), dem eigentlichen Architekten der Langenfelder Schuldenfreiheit. Er habe das Vermögen der Stadt immer weit hinten in den Haushaltsplänen versteckt - wissend, dass Kommunalpolitiker mit ihrer Lektüre nicht bis dahin kommen, erklärte Graf einmal scherzhaft sein Erfolgsrezept. Fast alle fanden das komisch. Staehler und die Langenfelder CDU nicht. Graw musste sich öffentlich entschuldigen.

Vielleicht ist das Schicksal ja doch keine Spaßbremse. Vielleicht sind der Stelen-Sturz, das misslungene Plakat, die kritikwürdige Freizeitregelung und die für Staehler peinliche Ohrfeige für den Ex-Kämmerer auch ein Fingerzeig darauf, dass Hochmut wirklich vor dem Fall kommt. Vielleicht aber auch nicht.

Langenfeld ist am 3. Oktober um 20.21 Uhr schuldenfrei. Und alle Langenfelder haben schuld daran. Nicht nur Bürgermeister Magnus Staehler.