Schaumschläger mit Stil

Eine unscheinbar gelegene Firma in Langenfeld produziert feinste Rasierpinsel und -messer für die Nassrasur.

Langenfeld. Ein holziger Duft dringt auf den Hof, im Aufenthaltsraum rauscht heißes Wasser durch die Kaffeemaschine. Es sind die letzten Tassen für heute, die Mitarbeiter sind bereits ausgeflogen. Prokurist Hans-Peter Baier (54) und sein Kollege Lutz Bartmann (40) lassen den Tag ausklingen und schlendern noch einmal durch die Gänge der Halle an der Baumberger Straße.

„Kein Langenfelder weiß, dass es uns hier gibt“, sagt Baier. Man trage den Namen nicht gern nach außen, liefere lieber gute Arbeit ab. Ohne Rummel. Das kleine silberne Schild am Gebäude ziehe auch keine Aufmerksamkeit auf sich: „Hans Baier Exclusive — Rasierpinselfabrik“.

Dabei hat das Unternehmen eine jahrelange Tradition. „Baier hat die Rasur auf den Markt gebracht“, sagt Lutz Bartmann, der über seinen Namen in diesem Zusammenhang immer noch lächeln kann. „Der Name ist Programm“, sagt er.

Nach dem Ersten Weltkrieg presste die Familie Baier in einem Raum hinter der Küche Puder und stellte daraus Seife her. 1938 wurde die Firma Baier das erste Mal angezeigt, 1941 tauchte sie im Handelsregister auf.

Auf einem ausgebauten Dachboden in Langenfeld wurde das Geschäft weiterbetrieben, Lazarette wurden mit der Seife versorgt. „Der Großvater meiner Frau fuhr mit seinen drei Koffern voller Seifen vom Opladener Bahnhof nach München. Dort wurden Puderdosen und Cremes verkauft“, erinnert sich Hans-Peter Baier, dessen Ehefrau das Geschäft führt.

Die nächste Generation, der Sohn des Firmengründers, übernahm das Unternehmen in den 1950er-Jahren, in den 1970er-Jahren wurde die Halle an der Baumberger Straße bezogen. „Als der Vater meiner Frau 1963 das erste Mal ein Rasierset samt Pinsel, Kamm- und Seifenschale auf eine Messe mitbrachte, wurde er dafür belächelt“, sagt Baier. Doch die Nachfrage ließ nicht lange auf sich warten.

Ausgewählte Parfümerien verkaufen die Rasierutensilien, die in Baiers Halle zusammengesetzt werden. Vom Rasierpinsel über den Rasierer mit den unterschiedlichsten Griffen bis zu Ständern, Seifenschalen und Kämmen — alles lagert in Baiers unscheinbarer Halle.

In unzähligen Kisten sind die Einzelteile verstaut — in allen Formen, Größen und Farben. „Das ist Olivenholz aus Italien, das Hirschhorn aus der Schweiz, das Rinderbein, und das Palisander“, sagt Baier, während er die Gänge entlangspaziert und immer wieder in die Kartons greift.

Wie bei den Griffen der Rasierer gibt es auch bei den Pinseln qualitative Unterschiede. Das hochwertigste Haar ist die selektierte Silberspitze des Dachses — das weiche Haar lege sich besonders gut um die Bartstoppeln des Mannes, sagt Baier. Für die Pinsel müssen Kunden bis zu 160 Euro auf den Tisch legen.

Das Geschäft läuft. Täglich gehen Aufträge der Parfümerien ein. Auch wenn eine aktuelle Umfrage besagt, dass sich 50 Prozent der Männer zwischen 17 und 70 Jahren trocken rasieren. „Aber der Trend zur Nassrasur zieht an“, sagt Bartmann. „Heute wollen auch junge Männer wie der Vater und der Großvater einst die Wangen mit aufgeschäumter Seife vollschmieren und dann langsam mit der Rasierklinge abkratzen“, sagt Baier — und kommt wieder ins Schwelgen.

Die Firma Baier will auch weiterhin kein Aufsehen auf sich ziehen. „Wir verkaufen nicht an den Endverbraucher“, stellt Baier noch einmal klar. Auch wenn die Langenfelder nun wüssten, was hinter den Türen der Halle vor sich geht, man wolle weiterhin einfach seiner Arbeit nachgehen.

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