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Rheinbogen: Es muss nicht immer Fisch sein

Rheinbogen: Es muss nicht immer Fisch sein

Im Rheinbogen in Monheim leben auch im Winter zahlreiche seltene Vogelarten.

Monheim. Vollgefressen aus Futterbeuteln und lüstern bis in die letzte Feder ziehen die Erpel von einer Dame zur nächsten. Begattet wird alles, was ihnen unter die Flügel kommt, während die eine oder andere drangsalierte Ente auch schon mal unter einem Haufen flatternder Liebhaber ertrunken sein soll.

Während den Tieren häufig auf viel zu kleinen Stadtteichen der Bewegungsraum für die Flucht ausgeht, kann davon im Monheimer Rheinbogen keine Rede sei, steht ihnen doch dort große Wasserflächen zur Verfügung.

Bei den aktuell winterlichen Temperaturen plustern die Enten ihr Gefieder zur wärmenden Daunenjacke auf. Festfrieren können sie nicht, da sich die Bluttemperatur auf dem Weg zum Entenfuß von 40 auf sechs Grad absenkt. Klingt schaurig, ist aber ein Segen: Mit wärmeren Füßen würden die Enten das Eis zum Schmelzen bringen und dann am wieder gefrierenden Schmelzwasser festfrieren.

Nicht nur Enten haben sich in der Gegend angesiedelt. Auch der Graureiher fühlt sich dort heimisch, nachdem er ein paar anstrengende Jahre hinter sich gebracht hat. „Als Fischdieb wurde der Vogel so lange verfolgt und getötet, bis er 1970 bei uns beinahe ausgestorben war“, weiß Bernhard May.

Der ehemalige Leiter der Unteren Landschaftsbehörde stellt auch direkt klar, dass sich der Reiher keineswegs nur von Fischen ernährt: „Dass er überwiegend Kleinzeug frisst und im Winter auf dem Acker steht und Mäuse jagt, hat damals niemanden interessiert“. Mittlerweile wurde der „Fischreiher“ in „Graureiher“ umgetauft.

„Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass er auch schon mal die Goldfische in Gartenteichen attraktiv findet. Solche leuchtenden Marker muss er einfach vom Hausdach aus so lange beobachten, bis im Garten richtig Ruhe ist“, räumt May schmunzelnd ein.

Allerdings müsse sich der Graureiher einer solchen Gefahr inmitten von Gartenlandschaften umso weniger aussetzen, wenn er in geschützten Biotopen wie dem nahe gelegenen Monbag-See einen ruhigen Lebensraum vorfindet.

Dort dreht auch die Reiher-ente ihre Runden, die mit ihrem Namensvetter eigentlich sehr wenig gemein hat. Bis auf die Schmuckfedern, die sie am Hinterkopf trägt. „Vor 100 Jahren gab es diese Ente bei uns gar nicht. Sie kommt aus dem hohen Norden und fühlt sich hier vor allem an Baggerseen wohl“, weiß Bernhard May.

Futter findet die Reiherente übrigens nicht mit „Schwänzchen in die Höh’“ wie die Stockente im Parkteich, sondern im Tauchgang auf der Suche nach eingewanderten Dreikant- oder Körbchenmuscheln.

Auch die imposanten Kanadagänse sind häufige Gäste am Monheimer Rheinbogen. Offenbar bilden sie eine sehr freizügige Spezies, die es mit der Monogamie im Gegensatz zu anderen Vögeln ihrer Art nicht so genau nimmt. So beobachten Vogelkundler immer wieder Annäherungsversuche „außerehelicher“ Art.