Reitanlage soll Campingplatz weichen

Die Reiter sind sauer, der Vorstand würde das Angebot der Stadt gerne annehmen. Ein Instandsetzen der maroden Anlage brächte den Verein möglicherweise in die Insolvenz.

Monheim. Der Reitsportverein Am Werth soll einem Campingplatz weichen. Jetzt spricht auch der Vorstand.

Annika Freitag (29) ist seit drei Jahren mit ihrem Pferd Calensky (8) Am Werth aktiv. „Ich habe ihn dort longiert, eingeritten und sehr viel Unterstützung erfahren. Die Gegebenheiten sind super“, sagt sie. Auch die Anbindung ans Gelände sei gut. Die Stallgemeinschaft schätzt sie sehr. Dann kam die Einladung zur außerordentlichen Versammlung. „Um was es geht, wissen wir nicht genau. Der Vorstand hat uns immer auf Sicht gehalten. Was wir wissen, wissen über die sozialen Medien.“ Freitags Eindruck: „Die Stadt will das Grundstück haben“. Der Verein sei der Stadt schon lange ein Dorn im Auge.

Dietmar Kaiser, Vorstand Reitverein Am Werth

Das will Dietmar Kaiser, Stallbeauftragter und Vorstandsmitglied des Vereins, so nicht stehen lassen und bricht sein Schweigen. „Bürgermeister Daniel Zimmermann hat immer die Hand über uns gehalten“, sagt er. Darüber hinaus, so ist er sicher, habe der Vorstand alles richtig gemacht. „Wir haben Gespräche mit der Stadt geführt und dann rechtzeitig zur Vereinsversammlung am 13. Juli eingeladen.“ Dass die Ratssitzung vor der Versammlung (11. Juli) stattfindet und das Thema öffentlich wird, habe er nicht absehen können. Aber es sei ja noch nichts entschieden.

Der Hintergrund für die Gespräche sei hingegen ernst. „Die Anlage hat einen hohen Investitionsbedarf“, sagt Kaiser. „Sie ist marode.“ Die Stadt fordere einen Anschluss an das Kanalsystem. Die drei großen Sickergruben müssten weg. Auch die Mistplatte müsse laut städtischer Ansage ein Dach bekommen. „Ansonsten müssten wir nachweisen, dass bei Regen keine Nitrate ins Grundwasser kommen“, erläutert der Stallbeauftragte. „Das kann der Verein nicht bezahlen.“ Bei lediglich 35 Mitgliedern, die pro Monat 50 Euro bezahlen, sei das nicht zu machen. „Viele haben schon privates Geld in den Verein gesteckt.“ Würde der Verein alle Auflagen erfüllen, müsste er früher oder später Insolvenz anmelden.

Der aktuelle Vorschlag der Stadt ist aus seiner Sicht gut. Mit der Ablösung des Erbpachtvertrages würden 243 000 Euro in die Vereinskasse fließen. Von der Gewährleistung bezüglich der Bodenverunreinigungen auf der ohnehin mit Shellschlamm belasteten Fläche, würde der Verein ausgenommen. Der Vorstand, der ohnehin nur noch aus fünf Leuten (statt sieben) besteht, würde das Angebot deshalb gern annehmen.

Prinzipiell könnte der Verein bestehen bleiben und seine Aktivitäten auf einem vereinsfreien Reiterhof in der Umgebung verlegen. „Dann könnten wir den Turniersport wieder stärken“, hofft Kaiser. „Lehnen die Mitglieder ab, dann muss der Vorstand zurücktreten.“

Annika Freitag hilft das nicht. Sie muss vermutlich künftig auf das nette soziale Umfeld verzichten und ihr Pferd irgendwo unterbringen. „Ich schaue mich wie einige andere auch schon nach Alternativen um“, sagt sie. In vielen Ställen würde jedoch mehr verlangt, als die 340 Euro die sie zur Zeit bezahlt.

Ein anderes Vereinsmitglied, das namentlich nicht genannt werden will, hinterfragt grundsätzlich den Standort. „Keiner weiß offenbar mehr, wie Pferde ticken“, sagt sie. Pferde seien Fluchttiere. Und schreckhaft. „Zwischen Skaterbahn und Fußballstadion sind sie jetzt nicht mehr gut angesiedelt.“ Außerdem fehle dem Reitsport in Monheim eine Lobby, beklagt sie und denkt an große Turniere, die Am Werth ausgetragen worden sind.

Rolf-Peter Fuß, Geschäftsführer des Pferdesportverbands Rheinland, kennt die Lage kleiner Vereine in der Region. „Sie haben es schwer. Wer als Verein an der Basis ehrenamtlich noch eine eigene Anlage unterhalten muss, kann keine großen Sprünge machen.“