Politischer Geburtstag — aber die große Party bleibt aus

Politischer Geburtstag — aber die große Party bleibt aus

Mit neuem Konzept will die Veranstaltung Jugendliche für Politik begeistern. Von 1000 Eingeladenen kamen jedoch nur 60.

Langenfeld. „Viele denken, dass sie Politik einfach noch nicht brauchen“, sagt Merle Ördög. Das Interesse an Politik sei bei ihren Altersgenossen in der Regel nicht allzu groß. Zu weit weg, zu kompliziert und irgendwie auch nicht wichtig — so sei die Meinung vieler. Mit dem politischen Geburtstag versucht die Stadt Langenfeld der Politikverdrossenheit der jungen Generation entgegenzuwirken. Alle Langenfelder, die in diesem Jahr 16 oder 17 geworden sind oder es noch werden, sind angeschrieben und eingeladen worden, an einer kommunalpolitischen Veranstaltung für Jugendliche in der Stadthalle teilzunehmen.

Ein Jahr hatte die Veranstaltung Pause, zu wenige Jugendliche waren der Einladung der Stadt gefolgt. Nach einer Überarbeitung des Konzepts startete die Stadt jetzt einen neuen Versuch, Jugendliche zu gewinnen.

Mehr als 1000 Jugendliche im Stadtgebiet haben in diesem Jahr eine Einladung erhalten, gefolgt sind ihr am Donnerstag jedoch nur etwa 60. Für die 16-jährige Merle Ördög, Schülerin der Bettine-von-Arnim-Gesamtschule, war die Teilnahme an der Veranstaltung wichtig: „Ich nehme hier nicht nur teil, damit ich Schulfrei habe. Es interessiert mich auch einfach, was ich tun kann.“ Der 17-jährige Jan Fester ist bereits in seiner Ausbildung zum Nutzfahrzeugmechatroniker und hat sich extra freigenommen: „Es geht hier um die Stadt, in der ich wohne, deswegen möchte ich auch mitmachen.“

Nach einem kurzen Einstieg zum Thema „Wie funktioniert Kommunalpolitik“ stiegen die Jugendlichen gleich in die Diskussion. Auf der Agenda standen Freizeit, Sport, Kultur, Schule, Umwelt und Innenstadt — alles Gebiete, die die Jugendlichen auch direkt betreffen.

Diskutiert wurde in Gruppen, aber nicht etwa mit Politikern, sondern mit Fachleuten der einzelnen Bereiche. Wolfgang Honskamp ist Referatsleiter für Umwelt, Verkehr und Tiefbau und leitete die Innenstadt-Gruppe. „Die Visionen der Schüler waren toll“, lautet sein Fazit. Laut den Jugendlichen sind die Busse der Stadt zu voll, deswegen sei eine höhere Taktdichte der Buslinien wünschenswert.

Klamottengeschäfte wie „Primark“ oder „P&C“ seien zwar zu groß für Langenfeld, ein Starbucks wäre jedoch gerne gesehen, so die Meinung der Jugendlichen. Ein besonderes Augenmerk legten die Jugendlichen auch auf den Freizeitpark. Die Ausleihe von Sportgeräten, Slacklining zwischen den Bäumen oder Konzerte würden die Attraktivität des Areals steigern. Sophia Roters vom Konrad-Adenauer-Gymnasium stellt in der nächsten Phase aber auch fest: „Ideen haben wir, doch viele sind wirklich schwer umzusetzen.“

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