Peto: Ein Experiment ist erwachsen geworden

Peto: Ein Experiment ist erwachsen geworden

Als Bürgermeister kann Daniel Zimmermann zur „Halbzeit“ hoch zufrieden sein. Und die Peto ist inzwischen mit 343 Mitgliedern die größte Partei der Stadt.

Monheim. Es war der 20. Dezember 1998, als sechs Oberstufenschüler des Monheimer Otto-Hahn-Gymnasiums unterschrieben: Holger Radenbach, Juliane Voigt, Rana Islam, Daniel Ogermann, Sebastian Hansen und Daniel Zimmermann. Die Partei Peto — lateinisch: Ich fordere! — war gegründet.

„Wir wollten gemeinsam was machen. Politisch waren wir nicht. Es wäre beinahe auch keine Partei, sondern eine Theater AG geworden. Doch zu der Zeit wurde das Wahlalter für Kommunalwahlen auf 16 Jahre gesenkt. Das hatte für uns einen Reiz.“ Daran erinnert sich Daniel Zimmermann — heute Bürgermeister.

Anfangs strebten die Peto-Aktiven weder nach dem Bürgermeisteramt noch danach, neben der CDU die stärkste Fraktion im Rat zu stellen. Doch genau das ist nun der Fall. Und die Partei hat ihre Unabhängigkeit bewahrt. „Die Peto ist ein Projekt, das auch demnächst wieder zu Ende sein kann. Das gibt uns diese innere Unabhängigkeit. Wir können frei entscheiden, fernab von Ideologien“, sagt Zimmermann.

Er hat recht. Diese Partei ist tatsächlich unabhängig in ihren Entscheidungen und orientiert sich an Sachverhalten. Längst geht es nicht mehr nur um Jugendthemen. Und den Titel Schülerpartei hat die Peto vor Jahren abgelegt. Von den 343 Mitgliedern sind 103 deutlich älter als 30 Jahre.

Doch wie ist die Peto in ihrer Struktur einzuschätzen? Es sind fast durchweg Mitglieder aus dem gutbürgerlichen Lager. Ein Blick in die Ratsfraktion spricht Bände: Alle zwölf Ratsmitglieder der Peto sind bereits fertig mit dem Studium oder kurz davor.

Es lohnt sich, einmal eine Ratssitzung zu besuchen. Denn es ist schon beeindruckend, mit welcher Selbstsicherheit die junge Garde der Peto auftritt. Da können gestandene Kommunalpolitiker der anderen Fraktionen oft nur noch staunen.

Wie wurden sie belächelt: die beiden ersten Ratsfrauen der Peto, Juliane Voigt und Maike Schmidt, als sie 1999 überraschend ihre Mandate holten. Fünf Jahre später waren es dann schon sieben Ratsmandate. 2009 folgte dann die Sensation.

Die Peto wird garantiert bei der Kommunalwahl 2014 wieder eine gewichtige Rolle spielen.

Allein schon, weil sie mit ihren 343 Mitgliedern inzwischen mit Abstand Monheims größte Partei ist. Platz zwei belegt übrigens die SPD mit 278 Parteibüchern.

Doch während es den Genossen oft schwer fällt, ihre Leute zum Wahlgang zu motivieren, kann davon bei den Peto-Sympathisanten keine Rede sein. Und beim Kampf ums Bürgermeisteramt deutet derzeit auch alles auf Daniel Zimmermann hin. Bereits nach der Hälfte seiner Amtszeit kann er auf Erfolge verweisen, an die vor drei Jahren kaum jemand geglaubt hätte. Explodierende Gewerbesteuer und sinkende Gebühren — etwa in Kindergärten — sind da nur zwei Beispiele.

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