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Neozoen in Monheim und Langenfeld: Diese Exoten fühlen sich bei uns wohl

Langenfeld : Exotische Tiere bereiten Probleme

Eingeschleppte Tiere konkurrieren mit einheimischen. Das gilt zum Beispiel für Muscheln im Rhein.

Frank Gennes fischt zwischen den Rheinkieseln mit den Händen einige oliv-braun gefärbte Körbchenmuscheln aus dem Fluss. Der Nabu-Beauftragte weiß, dass die durch Ballastwasser eingeschleppte Muschelart aus Ostasien ein Konkurrent für die heimische Flußmuschel ist. Sie verdränge sie bei der Nahrungssuche, ebenso wie es die Wander- oder Zebramuschel tut, die ebenfalls im Rhein heimisch geworden. ist. Ursprünglich lebt sie im Schwarzen Meer, dockte sich aber an Schiffswände an und gelangte so in unsere Breiten.

Neozoen nennt man die tierischen Neubürger, die irgendwann einmal eingeschleppt worden sind und sich bei uns pudelwohl fühlen. Mit dem Klimawandel hätten sie nur bedingt etwas zu tun, sagt Gennes. Die steigenden Temperaturen der letzten Jahre machten es ihnen aber leichter, bei uns Fuß zu fassen.

Kamber-Krebse werden
bis zu zwölf Zentimeter groß

Arten, die erfolgreich in der Region eingewandert sind, wie der Kamber-Krebs aus Amerika, machten den Flußkrebsen das Überleben schwer. Über Kamber-Krebse, die bis zu zwölf Zentimeter groß werden können, gelange ein krankheitserregender Pilz ins Wasser, der für den heimischen Flußkrebs tödlich ist. Kamber-Krebse lebten beispielsweise im Galkhausener Bach hinter dem Langenfelder Kulturzentrum, sagt Gennes.

Die Europäische Union hat im Jahr 2016 ihre erste Liste mit eingewanderten Arten herausgebracht, mit 37 eingewanderten Arten, die sie als besonders gefährlich einstuft. Im Jahr 2017 wurde sie aktualisiert - nun standen 49 invasive Arten darauf. Aus Sicht des Nabus zu wenige. Allein in Deutschland seien mindestens 168 Tier- und Pflanzenarten bekannt, die negative Auswirkungen haben könnten, erklärt der Naturschutzbund Deutschland.

„Jedes neue Tier verändert etwas im Zusammenleben“, sagt Frank Gennes. Ein gutes Beispiel dafür sei die hübsche, orange-braun gefiederte Nilgans. Sie stammt ursprünglich aus Ost- und Nordafrika. Unser wärmeres Klima begünstige, dass sie sich hier wohl fühle. In diesem Frühjahr hat ein Pärchen im Schilf am See hinter Haus Bürgel gebrütet. Schön und exotisch anzusehen, hätten heimische Stockenten mit dieser neuen Art ein Problem. Die dominanten Nilgänse griffen sie manchmal an und töteten sogar ihre Küken. Mit einiger Sorge beobachte der Nabu auch die Vermehrung der grünen Halsbandsittiche, die sich entlang des Rheins zwischen Krefeld und Wiesbaden niedergelassen hätten. Irgendwann einmal aus einem Zoo entfleucht, bevorzugten sie besonders den Marienburgpark und Gärten. Weil die Papageien mit den kräftigen Schnäbeln ihre Nester in Höhlen und Spalten von Hauswänden bauten, verdrängten sie heimische Höhlenbrüter wie Meise oder Buntspecht.

Kanadagänse bevölkern
Parks und das Rheinufer

Im Park an der Kapellenstraße leben Edelfasane aus Mittelasien. Einst als Jagdvogel in Deutschland angesiedelt, „sind sie Teil unserer Tierwelt geworden“, sagt Frank Gennes. Eine Plage hingegen ist vielerorts die nordamerikanische Kanada-Gans. Sie bevölkert die Parks und das Rheinufer, die Wiesen sind teilweise mit ihrem Kot übersät. Schmuckschildkröten, die von ihren Haltern ausgesetzt worden sind, weil sie lästig oder zu groß wurden, tummelten sich im Baggerloch Hanke im Knipprather Wald. Die ersten Waschbären wurden 1934 am Edersee ausgewildert. Ihre Nachkommen sind zwar bisher nicht bis Monheim gekommen, wurden aber schon in Solingen und Haan gesichtet. Und der kunterbunte Bienenfresser, ein Vogel, der aus dem Süden kommt, brütet in Erkrath in der Sandgrube Bruchhausen. Er ernährt sich von Libellen, Hummeln und eben von Bienen. Immer häufiger sitzen Türkentauben an Vogeltränken oder auf Dächern. Mit den Jahren seien sie von der Türkei aus immer weiter nach Nordwesten gezogen. „Sie freuen sich über die milden Temperaturen“, sagt der Naturschutzbeauftragte.