Mundart darf nit ungerjonn

Julius von Bukowski möchte den Langenfeldern ihren Dialekt wieder näherbringen.

Langenfeld. „Ich bin mit diesen Büchern zusammengewachsen“, sagt Julius von Bukowski und kramt auch gleich einige seiner Lieblingsexemplare hervor. Gelbe Zettel markieren einzelne, wichtige Buchseiten, zwischen anderen liegen Karteikarten mit seinen Notizen. „Erlebt die Mundart einen Aufschwung? Gibt es eine Dialekt-Renaissance?“ lautet der Titel eines dieser Bücher.

Wenn der pensionierte Buchhändler und Langenfelder Mundartexperte von seinen aktuellen Plänen erzählt, entsteht der Eindruck, die Renaissance stehe bereits kurz bevor. „Die Mundart ist nicht tot“, sagt der 75-Jährige. Und er gibt auch gleich eine Lektion aus seinem gesammelten Platt-Wissen.

Beim Langenfääler Platt handele es sich um eine nördliche Spielart des Kölsch. Die Lage am Platt-Äquator — knapp südlich der bei Sprachforschern oft zitierten „Benrather Linie“ — bringt es mit sich, dass es auch eine unüberhörbare Nähe zum Düsseldorfer Platt gibt.

Selbst die Düsseldorfer hätten sich einiges bei den Kölnern abgeguckt: Zwar beinhalte das Düsseldorfer Platt heute noch einige wenige niederdeutsche Lautstandsmerkmale („Driet“ nicht „Drißß“), jedoch habe die Sprache in den vergangenen 150 Jahren etwa 80 Prozent der Spracheigenschaften des Kölsch angenommen. „Damit wird die Variante zum Düsseldorfer Rhein-isch“, erklärt von Bukowski.

Durch die besondere Lage der Stadt variiere auch das Langenfelder Platt. „Richrath tendiert eher zum Düsseldorfer Platt, Reusrath zum Kölsch und die Hardt zum Solinger Platt“, sagt zu Bukowski: „Das ist eine Wissenschaft.“

Diese Wissenschaft zurück in den Alltag zu bringen, hat sich von Bukowski zur Aufgabe gemacht. Er hält Vorträge und organisiert den Langenfelder Mundartstammtisch.

180 Gäste kamen beim vergangenen Mal ins Brauhaus „Der Ritter“. Das Durchschnittsalter zeige, dass sich auch junge Leute für das heimische Platt interessieren. „Die Jüngsten waren 25 Jahre alt. Sie werden von ihren Eltern mitgebracht“, sagt von Bukowski. „Das ist noch ausbaufähig.“

Deshalb will er jetzt die Schulen ansprechen. „Wir wollen zumindest die Lehrer bei der nächsten Veranstaltung dabei haben. Sie sollen das Platt in den Schulen verbreiten und die Schüler dafür sensibilisieren“, sagt er.

Um mehr junge Leute für die Mundart zu begeistern, will Bukowski den Wettbewerbsgeist ansprechen. „Wir wollen alle, Jung und Alt, auffordern, uns Gedichte und Geschichten auf Platt zu schildern. Die Schönsten werden wir prämieren“, sagt er. Eine Jury soll die besten Geschichten küren. „Denkbar ist es auch, daraus ein Buch zu machen.“

Julius von Bukowski weiß, dass sich die Förderer der Mundart nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen dürfen und sie sich immer wieder neue Ideen einfallen lassen müssen. „In Köln sind diese Aktionen eingeschlafen“, sagt er. Dieses Schicksal soll Langenfeld nicht ereilen. „Die Mundart darf nit ungerjonn“, sagt von Bukowski.

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