Monheim : Der Herr der schrägen Töne

Musikpädagoge und Bassist Achim Tang begleitet im Auftrag der Festival GmbH die Kulturereignisse.

Achim Tang sitzt entspannt im Hof des Sojus. Schwarze Hose, lässiges Jackett, Rucksack. Breites Lachen. Der 60-Jährige ist seit Februar in Monheim unterwegs und stellt sich vor. Das Ziel: Die Menschen bereit zu machen für das große Paket Kultur, das die Stadt Monheim geschnürt hat. „Artist in Residence“ heißt seine Stellenbeschreibung. In den nächsten Woche wird er seine Wohnung an der Friedenauer Straße beziehen, um vor Ort präsent zu sein. Sein Vertrag läuft zunächst über fünf Jahre.

Bekannt ist Tang bei vielen bereits. Sojus-Leiter Christian Kaindl begrüßt er mit Handschlag. Auch die Mitarbeiter kennt er schon. Und ein erstes gemeinsames Projekt steigt am 25. Mai. In der Reihe „Kunst in der Krautfabrik“ wird der Musikpädagoge Klangskulpturen mit den Besuchern bauen.

Beim Musikfestival werden schräge Töne erklingen

„Ich habe dafür einen Tisch mit zwei Boxen. Wir probieren etwas, nehmen es auf, zehn bis 15 Sekunden, und wenn es dem Produzenten nicht gefällt, löschen wir es wieder“, erläutert Tang seinen Beitrag zu dem von Sojus-Besuchern organisierten Tag mit Kunst, Theater und Musik. Eine Bass-Performance will er auch geben. Ausprobieren, etwas Neues wahrnehmen und entwickeln – das ist der Ansatz, den der Musikpädagoge und Bassist in Monheim
verfolgt.

Er steht als Bassist für zeitgenössische Musik und will die Verbindung zwischen dem, was aktuell in der Welt passiert, und der daraus entstehenden Kunst vermitteln. Dazu will er Projekte anstoßen, mit der Musikschule oder, wie aktuell im Haus der Jugend, wo junge Menschen einmal in der Woche gemeinsam auf ihre Art Musik machen können, ganz ohne Vorbildung.

„Ich habe einen Koffer mit Instrumenten, die jungen Besucher bedienen sich, lernen beim Spiel aufeinander zu hören, entwickeln ein Stück und sind selbst überrascht von dem, was sie am Ende gestaltet haben.“ Solche Erfahrungen können die Sicht auf die Welt verändern, öffnen, neugierig machen, ist Tang überzeugt. Und genau das soll der „Artist in Residence“ leisten – mit Blick auf das Musikfestival Monheim Triennale und auch das Programm der Kulturwerke. Denn beim Musikfestival etwa werden schräge Töne erklingen. „Damit muss man erst einmal umgehen können“, weiß der Musikpädagoge. Und das gelinge einfacher mit einer offenen Haltung. „Das heißt nicht, dass einem schräge Tönen gefallen müssen. Aber die Auseinandersetzung ist wichtig“, findet er.

„Ich bin kein Missionar“, beugt Tang vor. „Ich mache Angebote.“ Und die kommen meist gut an. Im Verein Jazz in Monheim (JiM) hat er sich bereits vorgestellt, und nicht nur der neue Vorsitzende Joachim Wegner ist begeistert. Zusammenarbeit – erwünscht.

Wen er trifft, was er macht, welche Ideen in Monheim wachsen – das wird Tang künftig in einem Blog präsentieren. „Ich bin immer ansprechbar“, sagt Tang, für den Kunst auch eine Frage der Haltung ist.

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