Monheim: Zahl der Essen verdoppelt

Monheim: Zahl der Essen verdoppelt

Soziales: Der Verein „Tischlein deck dich“ will jedem Kind eine Mahlzeit ermöglichen. Die Zunahme der Ganztagsangebote macht es leichter, die Hilfsbedürftigen zu erreichen.

Monheim. Der offene Ganztag an Monheims Schulen ist beliebter denn je. Zum Sommer mussten jetzt 78 neue Plätze an den Grundschulen geschaffen werden, um die Nachfrage zu befriedigen. Die Entwicklung hat einen positiven Nebeneffekt für die karikative Organisation "Tischlein deck dich". Der Verein hat sich im Mai 2007 in Monheim gegründet. Mit einem klaren Ziel: Kein Kind in dieser Stadt, soll ohne Mittagessen bleiben.

Durch den offenen Ganztag wird diese Bemühung entscheidend nach vorne getragen. Denn: Beim normalen Grundschulbetrieb werden die Kinder mittags entlassen, ohne dass jemand weiß, ob anschließend auf die Schüler ein dampfendes Mittagessen wartet - oder nur ein Schokoriegel vom Kiosk. Roswitha Dammasch aus dem Vorstand des Vereins sagt: "Wir wissen, dass es diese Fälle gibt, aber wir kommen nicht an die Kinder heran."

Anders im Ganztagsbetrieb. Ein Beschluss der Stadt besagt, dass nur Kinder am Ganztag teilnehmen können, wenn sie auch in der Schule zu Mittag essen. Wenn die Eltern jetzt feststellen, dass sie sich die Gebühren für die warme Mahlzeit nicht leisten können - in Monheim zwischen einem Euro am Tag und 45 Euro im Monat - kann die Schule an den Verein "Tischlein deck dich" verweisen.

Dammasch erklärt das Prozedere: "Das Sozialamt muss die Bedürftigkeit prüfen. Wir geben dann das Geld an die Stadt weiter, die das Essen an den Schulen bezahlt."

Zurzeit nehmen 79 Kinder das Angebot des Vereins wahr. 2008 waren es noch rund 40 Bedürftige. Diese Steigerung von 50 Prozent erklärt sich Roswitha Dammasch nicht etwa mit einem Anstieg der Armut in Monheim, sondern gerade mit dem Vormarsch des Ganztagsbetriebs. Bis zum heutigen Tag konnte "Tischlein deck dich" 34874 Euro über Spenden und die Beiträge der 80Mitglieder sammeln. Die Organisation innerhalb des Vereins verschlingt laut Mitgründerin Dammasch aus einem simplen Grund davon nichts: "Wir arbeiten alle ehrenamtlich."

Dass die Schüler an einem Mensaessen teilnehmen, ist aus Sicht des Vereins nicht nur aus gesundheitlichen Gründen wichtig. Die Monheimer Unternehmerin - sie führt die gleichnamige Spedition - zählt auf: "Die Kinder müssen lesen, was es zu essen gibt und sich entscheiden. Sie lernen, wie man Messer und Gabel benutzt. Und sie essen in der Gemeinschaft."

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