Monheim: Unterführung - Kiosk wieder geschlossen

Monheim: Unterführung - Kiosk wieder geschlossen

Angstraum: Der Kiosk an der Unterführung sollte durch seine Pächter für eine soziale Kontrolle sorgen. Jetzt ist er wieder geschlossen. Der 19-Quadratmeter-Bau wurde mit 200.000 Euro aus öffentlicher Hand bezahlt.

Monheim. Was soll ein Kiosk auf Schienen sein? Eine neue Idee der Bundesbahn, um genervte, wartende Kunden zu betreuen? Tatsächlich führt die Spur nach Monheim. Die Antwort findet man in der Unterführung Berliner Ring. Auf dem Weg vom Eier- zum Ernst-Reuter-Platz steht ein Kiosk.

Und der ist tatsächlich auf Schienen gebaut. Denn man muss ihn bei Bedarf von der Wand abrücken können, damit der Landesbetrieb für Brücken auch mal nach dem Rechten schauen kann. Der 19-Quadratmeter-Bau hat 200.000 Euro gekostet. Ideal als soziale Kontrolle, rechtfertigte wiederholt Ex-Bürgermeister Thomas Dünchheim. Pächter sollten das regeln. Nur ist wieder gar keiner drin.

Bereits im Vorfeld der Eröffnung im März 2006 war Kritik laut geworden. 200.000 Euro für die 19 Quadratmeter - größtenteils vom Land bezahlt - seien viel zu hoch. Ein Angstraum werde damit endgültig beseitigt und die Verbindung zwischen Zentrum und Berliner Viertel erheblich ausgeweitet, konterte das Rathaus.

Beim Stichwort Angstraum bleibt festzuhalten: Selbst Vertreterinnen des Monheimer Frauenforums hatten bereits bei den Planungen darauf hingewiesen, dass man nicht so viel Geld ausgeben müsse, um die Unterführung angenehmer zu gestalten. Spiegelwände und vor allem mehr Licht würde wohl ausreichen. Doch das Projekt wurde durchgezogen.

Schließlich wurde der Kiosk feierlich eingeweiht. Es gab die typischen Waren zu kaufen. Nur Alkohol fehlte. Das hatte die Stadt als Verpächterin so festgelegt, um nicht auch noch Trinkgelage in der Unterführung zu provozieren. Die Pläne gingen aber nicht auf. Nach noch nicht einmal einem Jahr kündigte das Pächter-Ehepaar. Vier Monate Leerstand waren die Folge.

Und wieder eine Einweihung - nun im April 2007: Walter D’Inca, bestens bekannt durch das Eiscafé Dolomiti im Rathaus-Center, funktionierte den Kiosk in ein kleines Bistro um. Doch dass Happy End blieb aus. Vor kurzem wurde geschlossen.

"Wir sind mit einem Nachfolger in Verhandlungen. Viel mehr möchte ich dazu derzeit nicht sagen", so Michael Kraus, in Reihen der Stadtverwaltung Monheim auch Mitglied der Wirtschaftsförderung. Er geht davon aus, dass in einigen Monaten wieder eröffnet werde. Über die Höhe der Pacht will er ebenfalls keine Auskunft geben. Der genaue Grund für D’Incas Rückzug als Pächter bleibt vorerst unklar. Er war gestern nicht zu erreichen.

Da bleibt noch die Frage: Wie teuer ist denn ein 19 Quadratmeter großer Kiosk in der Regel? Der Einzelhandelsverband Düsseldorf muss passen und verweist zum Bundesverband nach Berlin. Auch dort wird keine verbindliche Aussage gewagt, stattdessen auf anerkannte Fachleute in Köln verwiesen. Das ist das EHI Retail Institute, dem 500 internationale Mitgliedsunternehmen aus dem Handel angehören.

"Zu diesem Schienenkonstrukt in Monheim kann ich nichts sagen. Aber grundsätzlich ist es so, dass bei einem Kiosk nicht der Rohbau das Teuerste ist, sondern die eigentliche Einrichtung", erläutert Claudia Horbert vom EHI. Und da gelte für einen Kiosk in etwa die Höhe wie bei kleineren Supermärkten. Das sind 543 Euro pro Quadratmeter. Damit läge der Gesamtpreis der Einrichtung im Monheimer Kiosk bei etwa 10.300 Euro. Bleiben noch 190.000 Euro.

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