Monheim : Viertel-Umbau kommt nicht voran

Bei vielen städtebaulichen Plänen ist die Stadt auf die Zustimmung von Eigentümer-Gemeinschaften angewiesen.

Die Stadt kauft reihenweise Ladenlokale am Ernst-Reuter-Platz, um das Quartier zu entwickeln. „Ansonsten geschieht aber nichts.“ Das haben Bewohner des Berliner Viertels bei der städtischen Umfrage zum Thema „Vorurteile und Diskriminierung“ (Mitdenken) moniert. Das Problem sind offenbar Wohnungs-Eigentümer-Gemeinschaften. Denn nicht nur private Wohnungseigentümer scheitern oft an den Interessen Einzelner, auch die Stadt kann ihre städtebaulichen Plänen ohne Zustimmung nicht durchsetzen.

Neustraße

So stellen sich aktuell Mitglieder der WEG des Hochhauses an der Neustraße des städtischen Umbauplänen für die Heinestraße entgegen. Zu der Immobilie gehört ein Teil der öffentliche Fläche, nämlich die Vorfahrt und die Grünfläche, die diese von der Fußgängerzone trennt. „Wir konnten einzelne Eigentümer nicht dazu bewegen, der Neugestaltung zuzustimmen“, sagt Bürgermeister Daniel Zimmermann
bedauernd.

Tempelhofer Straße

Auf erbitterten Widerstand stieß die Stadt auch bei ihren Plänen, ihre Ladenlokale an der Tempelhofer Straße
25, 27, 29 in Wohnungen umzuwandeln. „Wir hatten dazu schon eine sehr schöne Planung ausarbeiten lassen“, so Zimmermann. Aber dazu müsste man den Durchgang verschließen, der ein „fürchterlicher Angstraum“ sei. Die Stadt hatte sogar angeboten, den Durchgang für 100 000 Euro zu erwerben und einen neuen barrierefreien Zugang zu den Mietergärten zu schaffen. „Aber da beißen wir uns seit drei Jahren die Zähne aus.“

Ernst-Reuter-Platz

Auch am Ernst-Reuter-Platz hatte die Stadt Ladenlokale und Wohnungen erworben. Das langfristige Ziel ist, sich in den Besitz aller Ladenlokale zu bringen, um Einfluss auf den Branchenmix ausüben zu können. „Einige Dienstleister werden bleiben, aber das Angebot muss breiter aufgestellt sein“, erläutert Zimmermann. Mit dem Ankauf von Wohnungen verfolgt er das Ziel, sukzessive die Mehrheit in den Eigentümergemeinschaften zu erringen. Nicht gelungen sei ihm indes, das Ärztehaus zu erwerben. Das getrennt lebende Ehepaar, dem die Etagen über der Apotheke gehören, habe sich nicht zum Verkauf entschließen
können.

Schöneberger Straße

Ebenso wenig kam die Stadt bei der von ihr als Schandfleck betrachteten Immobilie Schöneberger Straße 1–5 zum Zuge. Sie hatte auf eine Zwangsversteigerung der 36 Wohnungen gehofft, die einem hoch verschuldetet Dortmunder gehören. „Der Eigentümer hat die insgesamt 107 Wohnungen, die er – unter anderem an der Weddinger- und Potsdamer Straße – besessen hatte, an eine bayerische Gesellschaft verkauft“, berichtet Torsten Ramm von der Tora Immobilien- und Verwaltungs GmbH in Bremen. Die Käuferin habe alle Rückstände bei den betroffenen Wohnungseigentümergemeinschaften begleichen müssen. „Sonst hätten wir den Verkauf weiter blockiert“, so Ramm. Wie lange die neue Eigentümerin die Wohnungen hält, sei nicht absehbar. „Bei dem heutigen Wohnungsmarkt sind Preissprünge von 60 bis 70 Prozent möglich“, sagt er.

Postgelände

Auch bei dem Prestigeprojekt, von dem sich Zimmermann eine Aufwertung des Eingangs zum Berliner Viertel erhofft, hakt es: Das Neubauprojekt auf dem ehemaligen Postgelände wurde im Juli von der Tagesordnung des Stadtrates genommen. „Wir hatten uns schon mit der Firma S.A.N Investments auf einen städtebaulichen Vertrag geeinigt, in dem die Fassadengestaltung festgeschrieben ist“, sagt Zimmermann. Jetzt suche das Unternehmen aber noch einen Co-Investor, der sich an dem Projekt maßgeblich beteiligt. Geschäftsführer Tal Ben-Moshe wollte zu diesem Sachverhalt nichts sagen. „Es ist noch zu früh, darüber zu sprechen.“ Die Stadt besteht darauf, dass der Miteigentümer den Vertrag ebenfalls unterzeichnet.

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