Monheim : SPD: Mehr Nahverkehr für Quartiere

Alexander Schumacher tritt für die SPD als Bürgermeisterkandidat an. Sein Thema: kostenfrei Busfahren.

Fast schon wehmütig erinnert sich Alexander Schumacher (44) an den Antrag seiner Fraktion im November 2018, den ÖPNV kostenfrei zu machen. „Drei Millionen Euro wollten wir in den Haushalt einstellen lassen, um den Bahnen der Stadt Monheim den Ausfall beim Ticketverkauf zu ersetzen“, erinnert sich der Bürgermeisterkandidat. Doch dafür habe die SPD heftige Kritik geerntet. „Wir haben dann einen Prüfantrag daraus gemacht. Und nachdem die Verwaltung gerechnet hatte, ist sie mit einem eigenen Vorschlag um die Ecke gekommen“, berichtet der Sozialdemokrat. Und die Mehrheitspartei Peto könne nun damit punkten.

Seit April dieses Jahres fahren die Monheimer gratis mit dem Bus durch ihre Stadt. „Allerdings hatten wir auch noch eine Umstrukturierung des Liniennetzes im Blick“, sagt Schumacher. „Und wir wollen immer noch, dass die Quartiere besser angefahren werden, damit die Bewohner nicht so weit zu den Haltestellen laufen müssen, wenn sie Einkaufen gehen wollen oder ein Arztbesuch ansteht“, sagt Schumacher und hat dabei unter anderem das Sandbergviertel in Blick, wo er aufgewachsen ist.

Auch eine direktere Verbindung von Baumberg zum Mona Mare wünscht er sich. Seine Fraktion würde lieber auf die enge Taktung der Busse verzichten und dafür mehr Haltestellen schaffen. Auch mit Blick auf neue Wohnquartiere plädiert er dafür, diese gleich an das ÖPNV-Netz anzuschließen, damit Neubürger sofort die Möglichkeit haben, sich an den öffentlichen Nahverkehr zu gewöhnen, bevor sie ins Auto steigen. Das gelte für die Europaallee, das Gebiet „Unter den Linden“ und das Sophie-Scholl-Quartier. Den fast autonom fahrenden Bus hält er für eine gute Ergänzung. „Abends und an Wochenenden wird er gut genutzt“, beobachtet er.

Schumacher, gelernter Bürokaufmann und Geschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) Monheim, wohnt direkt neben dem Schelmenturm. „Ich persönlich mache die meisten Erledigungen zu Fuß“, sagt er. Bis zum Rathaus oder zur ASB-Geschäftsstelle an der Krischerstraße ist es für ihn nicht weit. Für die WZ macht er eine Ausnahme und steigt am Busbahnhof in die Linie A01, einen fast autonom fahrenden Bus. „Mein siebenjähriger Sohn Tobias läuft mit dem Bus um die Wette bis zur Lottenschule. Er freut sich immer, wenn er gewinnt“, erzählt Schumacher. Seine Schwiegermutter hingegen nutze den Bus regelmäßig für ihre Einkäufe. „Den schweren Rucksack könnte ich soweit nicht tragen“, sagt Maria-Helene Broscheid, die gerade einen der vier Plätze im Bus ergattert hat.

SPD wollte markierten Radweg auf der Krischerstraße

Aus Hygieneschutzgründen dürfen in der Corona-Krise nur vier statt elf Fahrgäste einsteigen. Mit dem Bus geht es ein Stück über die Krischerstraße. „Hier haben wir einen markierten Radweg gefordert“, sagt der Familienvater, „das würde Kindern und älteren Menschen ein sicheres Gefühl geben“, sagt er. Doch der Antrag sei mehrheitlich von der Peto abgelehnt worden. „Radfahrer sollen auf der Straße fahren“, habe es geheißen. „Doch viele fahren stattdessen auf dem Fußweg, was auch gefährlich ist.“ Schumacher will das Thema weiter verfolgen. Froh ist er darüber, dass im Einmündungsbereich Kirch- / Poststraße inzwischen ein Zebrastreifen angelegt worden ist – auf SPD-Antrag. „Hier sind viele Schüler unterwegs und es gibt viele Elterntaxis sowie Baustellen ringsherum“, erläutert der SPD-Kandidat, der übrigens zugleich Fraktions- und Parteivorsitzender ist. „Das ist dem Generationwechsel geschuldet“, sagt der 43-Jährige, der nun versucht, von der Erfahrung der Altvorderen und den Impulsen der jungen Parteimitglieder zu profitieren und diese zusammenzuhalten.

Leicht hat es seine Fraktion nicht, die bis 1999 die absolute Mehrheit hatte. „Das war damals ein Schock für uns“, sagt Schumacher. Dann kam die Mehrheitsregierung der CDU und dann die Peto, die zunächst noch keine absolute Mehrheit hatte. „In dieser Zeit haben wir einiges gemeinsam auf den Weg gebracht“, sagt er und zeigt auf den Rheinbogen. „Für Spielplatz und Skateranlage haben wir gemeinsam um eine Entscheidung gerungen. Das war Demokratie, wie ich sie schätze.“

Verdichtung der Altstadt sorgt für „Riss durch die Nachbarschaft“

Anders die Gedankenspiele rund um die Verdichtung in der Altstadt. „Die Quartiersgarage hätten wir mitbeschlossen, um auch die Parkplatzsituation in der Altstadt zu entzerren. Aber eine dreigeschossige Bebauung im Hinterland lehnen wir ab.“ Diese sei möglich, weil in der Altstadtsatzung lediglich die Fassaden geschützt seien. Allerdings gibt es noch keinen Bebauungsplan für diese Grundstücke. Die Stadt erwerbe sie jedoch Stück um Stück. „Da geht jetzt ein Riss durch die Nachbarschaft“, berichtet der Monheimer. Viele wollten verkaufen, weil sie es nicht mehr schaffen, ihre großen Gärten zu bewirtschaften. Andere wollen sich das Grün in der Altstadt bewahren. „Die Unruhe ist groß.“

 Als er im Vorbeifahren die Pflastersteine am Rand der Kapellenstraße sieht, unterhalb des „Cullinariums“, ärgert er sich. „Die hätten wir gern auch ein Stück weiter Richtung Hitdorf gehabt, damit die Nutzer des Brauchtumshauses an der Frohnstraße auch Parkgelegenheiten bekommen“, sagt er. ­Abgelehnt.

Auch wenn die Situation in den politischen Gremien für die Oppositionsparteien derzeit frustrierend sei, respektiert er die demokratische Entscheidung. „Dank meiner Familie bin ich gut geerdet“, sagt Schumacher. Seine fünf Kinder sorgen dafür, dass er den Blick auf das Wesentliche nicht verliert.

Prinzipiell vermisst er in der Stadt konkrete Strategien. Vieles sei nicht zu Ende gedacht. Es gebe zwar ein generelles Strategiepapier. Doch das greife nicht, wenn es um konkrete Dinge gehe, wie etwa die Zukunft der Schüler, die aus neu gebauten Grundschulen kommen, aber möglicherweise keinen Platz an einer weiterführenden Schule in Monheim bekommen. Aus seiner Sicht eine Frage der politischen Erfahrung.