Monheim: „Ohne Karneval geht es nicht“

Monheim: „Ohne Karneval geht es nicht“

Die Garde der Gromoka, „Gänselieschen und Spielmänner“, wird 25 Jahre alt.

Monheim. Celina (14) hat das Karnevalsgen in den Adern. Am Elften im Elften ist sie geboren und seit sieben Jahren tanzt sie bei der Gruppe "Gänselieschen und Spielmänner". Dabei schlüpft die 14-Jährige nicht in die Rolle des Gänselieschens, sie ist vielmehr "Spielmann", trägt keine Zopfperücke, sondern eine Kappe.

"Jungen gibt es in der Tanzgruppe nicht", sagt Luise Albrecht, die mit Nicole Sommer die Gruppe leitet. Die älteren Mädchen übernehmen den Part der Jungen und heben die jüngeren Gänselieschen. Das war schon immer so. Vier Mädchen sind die Spielmänner, die die anderen in die Luft stemmen.

Die Tanzgarde wird in diesem Jahr 25 Jahre alt - und ist kein bisschen tanzmüde, im Gegenteil, die gut 20-köpfige Gruppe könnte sich jederzeit beliebig verstärken. Es gibt eine Warteliste, auf der 50 Kinder stehen. 1985 riefen Herta Grenz und Marion Goller die Gruppe ins Leben. Herta Grenz nähte die grün-weißen Kostüme, Marion Goller studierte die Tänze ein.

Von Anfang an waren Gänselieschen und Spielmänner ein Erfolg, ob im Kinderzug, im Rosenmontagszug, bei Auftritten bei Prunksitzungen oder im Altenheim - die Kinder und Jugendlichen zwischen fünf und 15 Jahren erhielten stets rauschenden Beifall. Die Tanzgruppe hat pro Session etwa 25 Auftritte, auch über die Grenzen Monheims hinaus. Eltern übernehmen den Fahrdienst, ohne sie ginge nichts.

Wolfgang Pfeiffer ist so ein Vater. Im Schwarzwald aufgewachsen, kam er vor zehn Jahren aus Freudenstadt nach Monheim. "Wir kannten die alemannische Fastnacht. In Monheim war der Karneval überwältigend", sagt der Vater. Hannah (7) machte sofort bei der Tanzgruppe mit. In den Ferien fragte sie schon, wann das Training wieder los gehe, so der Vater.

Jeden Montag wird in der Turnhalle der Lottenschule hart trainiert. "Wenn die 90 Minuten vorbei sind, haben die Kinder Schwerstarbeit geleistet", sagt Luise Albrecht.

Trainerin ist Ines Hoven, sie war selbst früher bei den Gänselieschen. "Mamma Mia", der Hit von Abba, erklingt, und jetzt hält es Isabell (5) nichts mehr auf der Bank. Sie hüpft, hebt die Arme, dreht sich und hat vor allem Riesenspaß. Eine Zopfperücke trägt sie noch nicht. "Erst wenn ich groß bin", sagt sie, doch noch ist sie die jüngste in der Tanzgarde.

Die Tanzgruppe der Großen Monheimer Karnevalsgesellschaft (Gromoka) hat sich mit der Geschichte von Gänseliesel und Spielmann vertraut gemacht. Mit dem Traditionslied "Jedes Städtche op de kaat" ziehen sie schließlich in die Säle ein, da wissen sie wohl, warum die Gänseliesel im Monheimer Stadtwappen verankert ist. "Das ist eine alte Geschichte", sagt Celina, "der Spielmann liebte die Gänseliesel, durchquerte den Rhein nach Monheim. Die Geistlichkeit witterte Teufelswerk, sperrte den Spielmann für drei Tage in den Schelmenturm." Dabei war bei der Rheindurchquerung kein Zauber im Spiel, der Fluss führte extremes Niedrigwasser. Das weiß die Tanzgruppe.

"Ohne Karneval geht es bei uns nicht", sagen die Kinder, "und die Geschichte von der Gänseliesel und dem Spielmann haben wir gern."

Mit 15 Jahren sind die Mädchen dann zu alt für die Tanzgruppe. Eine neue Aufgabe können sie bei den "Rheinstürmern" oder bei den "Altstadtfunken" finden. "Ich kann mir gut vorstellen, dass ich dort mal weitertanze", sagt Celina. Doch jetzt freut sie sich auf die neue Session.

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