Monheim : Zweifel an guter Öko-Bilanz in Monheim

Fehlende Zahlen von Bürgermeister Daniel Zimmermann und dem zuständigen Klimaschutzmanager sowie unzureichende Vergleiche sorgen für Unmut bei den Grünen in Bezug auf die Klimaschutzziele.

Die umfangreichen energetischen Sanierungsmaßnahmen der LEG im Berliner Viertel, die Umstellung der Mega auf Ökostrom, die Verbesserung des ÖPNV-Angebots haben möglicherweise dazu geführt, dass die Stadt Monheim ihr Ziel für den Klimaschutz, die CO²-Emissionen um 20 Prozent zu reduzieren, bereits erreicht hat. Das allerdings ist lediglich eine Vermutung von Bürgermeister Daniel Zimmermann (Peto). Belegen kann er dies ebensowenig wie sein Klimaschutzmanager, dem die nötigen örtlichen Daten fehlen, um die Auswirkungen seiner Tätigkeit nachweisen zu können. Davon zeugt sein kürzlich vorgelegter Rechenschaftsbericht für die Jahre 2017/2018.

Sanieren im Bestand

Weil es keine örtlichen Daten über die Sanierungsrate gibt, setzt Georg Kruhl den bundesweiten Durchschnittswert von einem Prozent an. Das ergäbe eine Einsparung von 170 Tonnen CO2 pro Jahr. Eine konkrete Datengrundlage für die durch die Sanierungsmaßnahmen im Berliner Viertel erreichten Emmissionsminderungen bietet der Bewirtschaftungsplan der LEG. Daraus konnte Kruhl für 2019 eine Reduktion der Treibhausgas-Emissionen (THG) von 1440 Tonnen ableiten, damit würde der Zielwert für 2019 um 170 Tonnen übertroffen. Für die Heizperiode 2019/20 plant er eine neue Thermografie- und Energieberatungsoffensive. „An der letzten Aktion hatten sich 96 Hauseigentümer beteiligt“, so Kruhl. Das entspricht einem Prozent aller Wohngebäude. Die Flyer waren flächendeckend verteilt worden.

Energetisches Quartierssanierungskonzept

Noch keine Lösung gibt es für das wegen der hohen Wärmeverluste höchst ineffiziente Fernwärmesystem. Die Verluste steigen mit fortschreitender Sanierung sogar von jetzt
20 auf 40 Prozent. „Die Leitungen müssen besser gedämmt werden“, so Kruhl. Die Verwaltung habe verschiedene Varianten einer Wärmeversorgung untersuchen lassen. So ließe sich etwa durch ein Blockheizkraftwerk der Preis für eine Kilowattstunde Wärme auf ein Fünftel reduzieren, wenn der dabei erzeugte Strom verkauft würde. Die Einrichtung von Gaskesseln, die jeweils einen Häuser-Block versorgen, würde den Preis halbieren.

Erneuerbare Energien (EE)

Bei der Steigerung des Anteils der EE am Stromverbrauch wurde die Zielmarke (0,4 auf
zehn Prozent) zu 80 Prozent erreicht, beim Wärmeverbrauch (sechs auf zwölf Prozent) zu 50 Prozent. „Der Zubau bei den Photovoltaikanlagen ging stark zurück“, so Kruhl. Für den Bereich erneuerbare Wärme durch Solarthermie, Wärmepumpen und Biogasanlagen habe er keine Werte für Monheim, sondern bundesweite Daten angesetzt. Bei der Substitution geht es um die Nutzung erneuerbarer Energien, die nicht auf dem Stadtgebiet produziert wurde. Nachdem die Mega die gesamte Stromversorgung der Privathaushalte auf Ökostrom umgestellt habe, sei hier von einer Minderung der Treibhausgas-Emissionen um 10 000 Tonnen auszugehen. „Deshalb ist dieser Bereich unterm Strich positiv“, so Kruhl.

Die Stadt geht in puncto Solarenergie mit gutem Beispiel voran: Fünf der sechs neu geplanten Kindergärten werden über Fußbodenheizung und geothermische Wärmepumpen beheizt. Der dafür benötigte Strom wird von Photovoltaikanlagen produziert. Kruhl plant im Juli eine Infoveranstaltung zur Solarenergie. Außerdem soll geprüft werden, inwiefern sich städtische Gebäude für die Nutzung von Solarenergie eignen.

Verkehr

Für dieses Handlungsfeld liegen Kruhl keine Daten vor, hier will er die Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung abwarten, die Ende 2019 vorliegen sollen. Nicht zufriedenstellend finden die Grünen diesen Klimaschutz-Bericht. „Die Auswirkungen der vielen Maßnahmen werden nicht ausreichend dargestellt“, kritisiert Manfred Poell. Vergleichszahlen seien teilweise veraltet, wie die Verbrauchswerte der städtischen Gebäude von 2015. Einen Antrag der Grünen für ein entsprechendes Energieaudit hatte der Rat abgelehnt.

Außerdem kritisiert Poell, das für die Sanierungsrate der privaten Monheimer Haushalte keine Werte vorliegen, sodass die Aussagekraft zur Entwicklung des Energieverbrauchs zweifelhaft sei. Außerdem werde zwar das Projekt Ökoprofit für private Unternehmen beworben, aber für die eigene Verwaltung werde dies abgelehnt.

Bürgermeister Daniel Zimmermann nahm im Umweltausschuss seinen Klimaschutzmanager in Schutz. Seine Aufgabe sei das Initiieren und Durchführen von Info-Kampagnen und nicht das Sammeln von Daten.

Er verwies auf die geplante Halbzeitbilanz, für die ein Fach-Institut beauftragt werde. „Möglicherweise können wir uns dann für 2030 schon höhere Ziele stecken, weil schon unsere jetzige Bilanz sich sehr sehen lassen kann.“

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