Monheim „Mein Herz schlug immer schon fürs Soziale“

Monheim : „Wir bieten den Menschen Alternativen an“

Caspar Offermann ist der neue Geschäftsführer beim Sozialdienst katholischer Frauen und Männer (SkFM) in Moneim. Er hat Heilerziehungspflege gelernt und war in der Reisebranche tätig.

Caspar Offermann ist seit Oktober neuer Geschäftsführer des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer (SkFM) in Monheim. Er tritt die Nachfolge von Elmar Borgmann an.

Herr Offermann, ist der Geschäftsführer des SkFM jederzeit für jeden ansprechbar?

Caspar Offermann: Ja, das bin ich. Aber ich maße mir nicht an, mich auf jedem Gebiet auszukennen. Da verweise ich an unsere Experten.

Sie werden in Ihrem Job häufig mit sehr traurigen Schicksalen konfrontiert. Wie leben Sie damit?

Offermann: Das stimmt. Aber wir bieten den Menschen Alternativen an.

Ist Obdachlosigkeit ein großes Problem, mit dem der SkFM zu tun hat?

Offermann: Derzeit schon. Der Wohnungsmarkt ist überhitzt. Manche Menschen können die Mieten nicht mehr bezahlen. Räumungsklagen sind die Folge. Es gibt auch viele verdeckt Obdachlose. Die kommen beispielsweise aus Berlin und versuchen erst einmal bei allen möglichen Bekannten in Essen, Köln oder Monheim unterzukommen. Sie haben aber keine eigene Wohnung mehr. Wir bemühen uns, ihnen eine Wohnung zu besorgen und sie wieder ins normale Leben einzubinden.

Sie kommen aus einer ganz anderen Branche. Sie haben Betriebswirtschaft studiert und dann in der Reisebranche gearbeitet. Wie gelangt man von dort zum Sozialen?

Offermann: Ich habe meinen Zivildienst in einem integrativen Kindergarten in Leichlingen gemacht. Ich musste mich dort um einen vier Jahre alten schwerst behinderten Jungen im Rollstuhl kümmern. Das habe ich sehr, sehr gerne gemacht. Ich bin dann während meiner späteren Ausbildung auch in mein Ehrenamt als Übungsleiter beim Rollstuhl-Basketball gerutscht.

Sie haben aber dennoch studiert und waren sogar ein Jahr bei der Air Berlin beschäftigt.

Offermann: Das stimmt. Ich habe als Flugpreis-Disponent gearbeitet. Aber mein Herz war immer beim Sozialen. Ich habe dann mit 25 Jahren gedacht, wenn ich jetzt nicht umsteige, dann nie mehr.

Und Sie haben was gemacht?

Offermann: Eine dreijährige Ausbildung in der Heilerziehungspflege. Mein Plan war es aber, irgendwann auf der Verwaltungsebene zu arbeiten. Ich habe ja das entsprechende Studium. Mein Anerkennungsjahr habe ich in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung gemacht. Dann kam das erste Kind, meine Frau studierte noch und ich wurde – zunächst befristet – übernommen. Dann kam das zweite Kind. Da stand sie vor dem zweiten Staatsexamen. Ich habe eine Elternauszeit genommen und danach noch weitere Jahre als pädagogische Fachkraft in der Werkstatt Leverkusen gearbeitet.

Dort haben Sie einen Bereich neu organisiert?

Offermann: Wir haben den Kreativbereich neu aufgestellt. Wir haben bei Kochkursen die Motorik der Menschen geschult, sind mit ihnen in Museen und Konzerte gefahren und haben sie ins Leben geholt. Das war eine sehr schöne Zeit, aber ich wollte noch etwas anders machen.

Was?

Offermann: Ich habe in der Jugendhilfe in der Nähe von Köln mit Schulabstinenzlern gearbeitet.

Eine schwierige Aufgabe.

Offermann: Das stimmt. Weil die Gründe der Kinder und Jugendlichen, sich der Schule zu verweigern, sehr facettenreich sind. Meistens sind diese Gründe auf Misshandlung, Missbrauch oder Verwahrlosung der Kinder zurückzuführen. Das Selbstwertgefühl der Jungen und Mädchen ist am Boden.

Aber Sie hatten Erfolg?

Offermann: Die Schüler haben in unserem Projekt viel gelernt. 100 Prozent der zu Schulabschlüssen angemeldeten jungen Menschen haben ihre Prüfungen vor externen Prüfungskommissionen unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Umstände geschafft.

Das Soziale liegt ihnen also im Blut?

Offermann: Ich bin für Hingucken und Helfen. Da bin ich als Geschäftsführer des SkFM genau richtig. Ich kenne alle unsere Bereiche und weiß, wenn ich selbst nicht helfen kann, wer es bei uns aber stattdessen kann.

Was ist für den SkFM in Monheim derzeit das größte Problem?

Offermann: Der Personalmangel in den Kitas. Da könnte ich noch fünf Gruppen mit jeweils zweieinhalb Fachkräften besetzen.

Und was ist Ihr größter Wunsch?

Offermann: Eine Großküche für die Arbeitsqualifizierung als Beschäftigungs-Alternative zum Verkauf im Sozialkaufhaus für Köche und Menschen. Wir könnten einen Mittagstisch anbieten und uns vor allem auch um das Verwerten von Lebensmitteln kümmern. Es wird nach wie vor zu viel weggeworfen oder vergammelt. Das wäre zum sozialen noch mein ökologischer Anspruch.

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