Monheim Kontrabass-Geschichten in der Eisdiele

Monheim Gespächskonzert : Kontrabass macht springende Rehe hörbar

In Baumberg lockte ein Konzert an einem ungewöhnlichen Ort: in eine Eisdiele.

Ganz einfache Kost darf man nicht erwarten, wenn man ein Konzert von Achim Tang besucht. Und ein Konzert im ursprünglichen Sinn schon gar nicht. Der „Artist in Residence“, der seit Februar in Monheim lebt und arbeitet, hat sich der experimentellen Musik verschrieben. Er bereitet die „Monheim Triennale“ im Jahr 2023 vor, ein internationales, modernes Musikfestival. Bereits im Juli des nächsten Jahres wird es schon einmal einen kleinen Vorgeschmack auf das geben, was das Festival alle drei Jahre bieten wird.

Jetzt hat er in das Eis-Café „art und wEISe“ an der Hauptstraße in Baumberg zum „Gesprächskonzert“ eingeladen und freut sich über viele Interessenten. Die Inspiration für sein virtuoses Spiel auf dem Kontrabass ist ein Traum, ein Traum, wie ihn wohl nur Kreative haben können – „von Fischen an der Wand und Rehen auf dem Schrank“.

Kleine Geschichten, manchmal nur Sätze, machen es dem Zuhörer einfacher, den ungewöhnlichen Klangkonstruktionen – allein durch den Kontrabass und ein paar kurze Playback-Einspielungen erzeugt – zu folgen. Und ja, bei großer Konzentration, hörte man sie auf einmal, die ploppenden Wassertropfen, die flirrenden, aufgeregten Fischschwärme in den Tiefen, die behäbigen großen Fische mit ihren langsamen Bewegungen. Man meint das Knarzen und Ächzen des auf dem Meeresboden aufsetzenden U-Bootes wahrzunehmen, so dass man die Wassermassen, die auf dem Gefährt lasten, fast körperlich spürte.

Der studierte Jazz-Musiker
spielt mit großer Präsenz

Es ist eine Reise in die eigene Fantasie, zu der Tang mit seinen Improvisationen einlädt. Und mit etwas Übung hört man auf einmal fast mühelos die leichten Sprünge des Rehs, sein ängstliches, aufgeregtes Trippeln, seine panische Flucht. All das präsentiert der studierte Jazz-Musiker mit großer Präsenz, er entlockt seinem Kontrabass schier unglaubliche Töne und Geräusche, die vom zartesten Klopfen und Zupfen und melodischen Streichen bis zum nervtötenden Stakkato-Quietschen reichen.

„Kontrabass spielen ist eine sehr physische Angelegenheit“, sagt er am Schluss nass geschwitzt. Das haben die Zuhörer gespürt. Und der Künstler hat gespürt, dass seine Gäste bei diesem ersten Solo-Konzert in Monheim alle ganz aufmerksam bei der Sache waren. Das habe ihn sehr inspiriert, sagt er. Bei dieser Art Musik geht es darum, sich einzulassen.

Bei der „MonArt“ am kommenden Sonntag im Sojus 7 an der Kapellenstraße gibt Achim Tang um 15.30 Uhr sein nächstes Konzert. Natürlich kann der Musiker sich auch in bekannten Gefilden bewegen, wenn er zum Beispiel Weihnachtslieder mit Flüchtlingen zum Advent singen wird.