Rund um den Kirchturm : Hohe Katholikenquote in Monheim

Die Gemeinde St. Gereon und Dionysius ist rege und einflussreich.

 Wenn die Schriftstellerin Ulla Hahn ihre Kindheit in Monheim beschreibt, dann ist das Leben in den 50er und 60er Jahren von der katholischen Gemeinde geprägt. Der Pfarrer spielt bei Entscheidungen eine große Rolle. Auch heute noch stellt die katholische Gemeinde in Monheim den größten Anteil der Christen. Es gibt 14 460 Katholiken bei einer Einwohnerzahl von etwa 43 000. Das entspricht etwas über 30 Prozent. In Langenfeld liegt der Anteil der katholischen Gemeindemitglieder bei 22 336, heißt es im Gemeindebüro von St. Josef und Martin. Bei 59 160 Einwohnern entspricht das einem Anteil von knapp unter
40 Prozent.

Doch die Zahl der Mitglieder erklärt nicht die Präsenz. Mehr als 16 katholische Vereine und Gruppierungen sind in der Stadt Monheim aktiv. Aus ihr sind in den vergangenen zehn Jahren fünf  Neupriester hervorgegangen, und die Zahl der Messdiener hat mit aktuell mehr als 200 einen hohen Stand erreicht. Grund genug, so erklärt der scheidende Pfarrer Burkhard Hoffmann, dass seine Stelle übergangslos wiederbesetzt wird. Zum 1. Oktober wird Michael Hoßdorf neuer Pfarrer von St. Gereon und Dionysius.

„Baumberg“, so erläutert Bernd Wehner vom Kirchenvorstand, zugleich Vorsitzender des örtlichen KKV (Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung), „war immer eine geschlossenere Gemeinde. Es gab nur eine Kirche. Der Zusammenhalt dort war groß.“ Der Anteil der Katholiken betrug um 1900 noch 98 Prozent, heißt es bei Wikipedia. Der Kielsgraben, so berichtet Wehner weiter, sei bis zur Zusammenlegung der Gemeinden Monheim und Baumberg immer eine Art Grenze gewesen. „Baumberg hatte keine Problemviertel.“

Pfarrgemeinderat und
Kirchenvorstand 50:50 besetzt

Heute seien die Funktionen pro Ortsteil gleich verteilt. „Wir achten darauf, dass Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand immer 50:50 besetzt sind.“ Darüber hinaus werde der Kontakt zu den anderen Gemeinden gepflegt – zur evangelischen mit nach Angaben des Presbyteriumsvorsitzenden Kurt Holz 9800 Gemeindegliedern und zu den beiden muslimischen Gemeinden mit etwa 500 Mitgliedern der Ditib-Gemeinde an der Niederstraße (türkisch) und der marokkanischen Gemeinde an der Opladener Straße (etwa 200), wie Abdelmalek Bouzarah (SPD) schätzt. „Religionsfreiheit ist ein hohes Gut“, sagt Wehner. Religionsgemeinschaften müssten zu ihrem Glauben stehen und diesen leben. „Auf dieser Basis funktioniert auch eine Moschee in der Stadt“, ist er überzeugt. Die katholische Gemeinde und ihre Verbände haben aus diesem Grund Bürgermeister Daniel Zimmermann, der wegen der Moscheebauten in die Kritik geraten war, den Rücken gestärkt.

Wehner selbst wohnt im so genannten „Weihwasserviertel“ – zwischen Knipprather Straße, Niederstraße, der Baumberger Chaussee und Brombeerhecke. „Dieses Grundstück gehört der katholischen Kirche und wir haben darauf unsere Häuser gebaut“, sagt er. Vor 25 Jahren habe er aus dieser Nachbarschaft heraus den KKV Monheim gegründet, der seither regelmäßig Veranstaltungen mit hochkarätigen Referenten anbietet. „Die sind immer gut besucht.“

Insgesamt besitzt die katholische Gemeinde rund 99 452 Quadratmeter Grundstücksfläche in Monheim, verteilt auf 365 Flurstücke. Darüber hinaus hat sie 20,46 Hektar für landwirtschaftliche Nutzung verpachtet. „Von den Zins- und Pachterträgen lebt die Gemeinde, so dass das Erzbistum aus Steuermitteln nur wenig zuschießen muss“, sagt Wehner.

Auch als Bauherr ist die Gemeinde in Monheim aktiv. Aktuell wird das Pfarrzentrum „Kirchberg“ an St. Dionysius neu gebaut. Geplant ist die Bebauung des ehemaligen Geländes der Kita St. Gereon an der Krummstraße. Langfristig soll das Gelände um das Pfarrer-Franz-Böhm-Haus an Sperber-/Schwalbenstraße und Hasenstraße neu bebaut werden.  Ebenfalls als langfristiges Bauvorhaben soll ein neues Pfarrzentrum an St. Gereon entstehen, unter der Voraussetzung, dass das Pfarrer-Franz-Böhm-Haus nicht mehr genutzt werden kann, blickt Wehner in die
Zukunft.

Bürgermeister Zimmermann schätzt die Pfarre ebenfalls als Partner. Manche Verhandlungen um Grundstücke seien zwar langwierig. „Aber das ist normal.“