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Monheim In der Monheimer Geschichte gab es einen Spritschiebe-Skandal

Monheim die Brüder Schwartz : Gebrüder Schwartz nutzten die Krise

1926 ging es in Monheim um Zollbetrug und Urkundenfälschung. Der Mäuseturm ist der letzte Zeuge des einstigen Reichtums der Gebrüder Schwartz, die mit Spritschieberei von sich Reden machten.

Krisenzeiten bringen nicht nur Helden hervor, sie lassen auch oft genug moralisch zweifelhafte menschliche Charaktereigenschaften zutage treten. Dann erleben Menschen ihre Sternstunde, die aus der Verknappung bestimmter Güter (heute sind es Atemschutzmasken, Desinfektionsmittel) Kapital schlagen oder geschickt Verbote umschiffen (wie zur Zeit der Prohibition) und damit ein Vermögen gewinnen. Ein solches Beispiel geben die fünf Brüder Schwartz aus Köln ab. Sie waren Hauptaktionäre der „Rheinischen Preßhefe- und Spiritusfabrik“, die in den Jahren 1908/9 in Monheim die gleichnamige Fabrik im Ortsteil Blee baute. In der Nähe entstand auch ein prächtiges „Herrenhaus“, „in dem man in ungezwungener Atmosphäre die geschäftlichen Vorhaben besprechen und koordinieren konnte“, wie der Monheimer Historiker Karl Heinz Hennen in seiner Stadtgeschichte schreibt.

Das Interesse der Gebrüder Schwartz an der Fabrik habe sich laut Hennen weniger auf die Trockenbackhefe gerichtet sondern auf das dabei anfallenden Nebenprodukt, Sprit, aus dem vergällter Industriealkohol oder Benzin gewonnen werden konnte. Denn schon in den ­Jahren 1905/06 hätten sie ein ausgeklügeltes System entwickelt, bei dem Tankwagen so manipuliert waren, dass bei der Prüfung durch den Zoll gering verzollter Benzin gefunden wurde, der übrige hochprozentige Inhalt jedoch unentdeckt blieb.

Obwohl der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer schon 1920 „wegen der Unlauterkeiten im Geschäftsgebaren der Brüder“ eine Handelsuntersagung erwirkt habe, hätten die Brüder noch einige Jahre lang ihren krummen Geschäften nachgehen können. 1926 sei schließlich ihr größter Schwindel aufgeflogen, nachdem die misstrauisch gewordene Hamburger Zollverwaltung ihnen ein Jahr lang auf der Spur gewesen war.

Minderwertiger Sprit wurde
nach Hamburg verschifft

Ihre „Geschäftsidee“: In Köln-Deutz unterhielt die Scheinfirma Schenck ein Spritlager. Josef Schwartz verfrachtete von hier aus auf dem Wasserwege minderwertigen Sprit und Branntwein über Rotterdam nach Hamburg-Freihafen. Zur gleichen Zeit verschickten Peter und Carl Schwartz hochprozentigen Sprit von Hamburg nach Saloniki, ebenfalls über Rotterdam mit gleicher Fasszahl und Ausstattung. Mit Hilfe einer anderen Scheinfirma „Bahma“ wurden die beiden Sendungen in Rotterdam dann gegeneinander ausgetauscht. Das Schiff mit der so deklarierten minderwertigen Ware fuhr nun die hochwertige Hamburger Ware zurück nach Hamburg. Das Schiff mit der tatsächlich minderwertigen Ware fuhr natürlich nicht bis nach Saloniki, sondern verklappte den billigen Sprit in der Nordsee.

Zweck dieser Spritschieberei war der Gewinn, der sich aus der Differenz zwischen dem Warenwert des hochwertigen Sprits und dem des minderwertigen Sprits plus der geringen Zollabgaben für Exportwaren ergab. Für den nur im Inland verschickten minderwertigen Sprit wurden in Hamburg nämlich keine Zollabgaben erhoben. Nur den Warenwert, also 0,60 Reichsmark pro Liter, mussten die Brüder – den Fischen - opfern. Der hochwertige Sprit, der von Hamburg nach Hamburg fuhr, war ja angeblich für die Ausfuhr bestimmt und kostete deswegen nur 0,20 Reichsmark je Liter. Warenwert: fünf Reichsmark je Liter. „So wurden Hunderttausende von Litern in Rotterdam vertauscht. Die riesigen Gewinne verschwanden in der Buchhaltung der ,Bahma’“, schreibt Hennen.

Die Brüder und Helfer sollten 14,3 Millionen Reichsmark zahlen

Aber dann schlug die Justiz zu: Drei der Brüder und ihre Helfershelfer wurden – wegen wiederholter Zollhinterziehung, gewinnsüchtiger Urkundenfälschung und verbotener Einfuhr von Waren – zu einer Geldstrafe von insgesamt 14,3 Millionen Reichsmark und zu teils mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Hauptdrahtzieher: Carl Schwartz. Seine Brüder Peter und Josef hatten sich ihrer Verhaftung zunächst durch Flucht nach Belgien zu entziehen versucht, waren dann aber gefasst worden. Weil die Brüder den Offenbarungseid leisteten, seien die staatlichen Behörden nicht an ihr riesiges Vermögen herangekommen, schreibt Hennen diesbezüglich. 1926 kaufte die niederländische Firma „Königlich-Niederländische Hefe- und Spiritusfabrik“ aus Delft den Monheimer Betrieb. „Das war ein seriöser Neubeginn und wurde eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält.“