Monheim : Kunstobjekte bleiben Streitthema in Monheim

Eigentlich sollte der Geysir schon im vergangenen Jahr sprudeln. Jetzt ist die Premiere des Werks von Thomas Stricker für den 3. Oktober geplant.

Seit April 2018 treibt die Stadt ihre Kunstprojekte voran. Die Kreisel der Stadt sollen gestaltet werden, so der Plan, der in Teilen schon umgesetzt ist (Plattenspieler im Kreisel Bleer Straße). Beratend steht Dr. Josef Spiegel, Geschäftsführer des Künstlerdorfs Schöppingen und Mitglied des Kulturbüros NRW (Gütersloh), den Monheimern zur Seite. Er hat geholfen, Künstler zu finden, die jeweils verschiedene Kunstansätze verfolgen. So auch den in Düsseldorf lebenden Künstler Thomas Stricker, der den Geysir entworfen hat; der nun ab dem 3. Oktober seine Fontänen im Kreisverkehr Krischer/ Kapellenstraße sporadisch in die Luft jagen soll.

„Wir haben keine Künstler gesucht, die ihre Werke schon fertig im Atelier stehen haben und sie dann in einen Kreisel setzen“, erläutert Josef Spiegel das Konzept. Die Künstler sollten sich mit den vorgegebenen Orten auseinandersetzen und ihre Konzepte entwickeln, erläutert er das Procedere. Sechs Künstler waren in der engeren Wahl. Eine Jury hat die Entscheidung für drei Entwürfe getroffen – auch für den Geysir von Stricker. Mit Bekanntwerden seiner Idee für den Kreisverkehr an der Kapellenstraße haben er und auch die Stadtspitze sofort in der Kritik gestanden.

Spiegel berät viele Städte. „Man muss immer unterscheiden, worüber diskutiert wird“, sagt er. Im Fall von Thomas Stricker seien vor allem Kosten, Sinn und Standort diskutiert worden. „Das hat nichts mit der eigentlichen Kunst zu tun“, bricht er eine Lanze für das Werk, das zum Politikum geworden wird.

Stricker-Werk bricht mit dem Verständnis einer Skulptur

Aus Sicht des Kunstexperten Spiegel zeichnet sich das Stricker-Werk vor allem dadurch aus, dass es mit dem traditionellen Verständnis einer Skulptur bricht. „Stricker hat eine Skulptur entwickelt, die immer wieder anders erfahrbar wird, sich verändert. Das ist das spannende an dem Werk“, findet Spiegel. „Die Skulptur ist dynamisch.“ Die Nähe zum Rhein passe zu diesem „künstlerischen Biotop“.

Dass solche, eher neuartige Kunst, diskutiert wird, empfindet Spiegel als normal. „Das kommt auch in Großstädten vor“, sagt er auf die Frage, ob er die Diskussionen kleinbürgerlich findet. Das sei ein gängiges Phänomen.

Doch Kunst sei schließlich dafür da, mehr Offenheit zu generieren. Rückblickend auf 20 Jahre Arbeit im Künstlerdorf Schöppingen, das Stipendiaten aus der ganzen Welt beherbergt, glaubt er, dass die Künstler dazu beigetragen haben, die Bewohner offener zu machen. „Wie offen und tolerant eine Stadt, oder besser gesagt ihre Bürger sind, hat viel mit Kunst zu tun“, ist er überzeugt. „Aber das ist kein Sprint, sondern eher ein Marathonlauf oder ein Zehnkampf.“

In Monheim sind die ersten paar hundert Meter in Sachen Kunstmarathon gerade erst zurückgelegt. Die Diskussion um die umstrittene Leda-Skulptur von Markus Lüpertz ist leiser geworden, auch die um den Plattenspieler im Kreisverkehr an der Bleer Straße. Wenn das Kunstwerk von Thomas Stricker mit mehr als einem halben Jahr Verspätung erstmals sprudelt, darf man gespannt sein auf die Reaktionen.

Es werden weitere Diskussionen folgen – etwa zu den „Tanzenden Häusern“ (Timm Ulrichs). Wird die Stadt eine Ampel an den Kreisverkehr Kapellenstraße anbringen, um keine Bürger zu gefährden, wenn die Fontäne plötzlich lossprudelt, so muss sie für die Gestaltung des Kreisels Monheimer-/ Sandstraße die Landstraße kaufen. Denn der Landesbetrieb Straßen NRW sieht das Häuserpaar kritisch. Zu gefährlich für einen Kreisel, heißt es dort. Wenn die Monheimer Straße zur Stadtstraße wird (eventuell ab Oktober) kann das Häuserpaar auf den Kreisel ziehen.

Kunstwerke befeuern
Kritik an der Stadtspitze

Spiegel schätzt, wie viele Kunstschaffende in Monheim, den Mut der Stadtspitze, auf diesem Weg voranzuschreiten und die Aufenthaltsqualität in der Stadt zu verbessern. Doch das Lob von außen schert die Oppositionsparteien nicht. Im Gegenteil. Es befeuert die Kritik an der Stadtspitze, die viel Geld für Kunst und zukunftsgerichtete Projekte wie den fast autonom fahrenden Bus ausgibt. Die CDU fordert ganz klar, Kunst- und Kulturprojekte angesichts der Pandemie und dadurch drohender Gewerbesteuereinnahmen, abzuspecken. Das tun auch Grüne und SPD, wobei zumindest Manfred Poell (Grüne) die Ebenen auseinanderhält. „Als Privatmann finde ich den Geysir gut, als Parteisprecher lehne ich das Projekt ab.“ Seitens der Bürger wird auch eher auf Standort oder Kosten abgehoben. Der Landwirt Robert Bossmann etwa findet den Geysir eigentlich auch ganz gut, aber nicht so teuer und nicht an der Stelle, was er mit einer Fontäne direkt am Rhein demonstriert hat.