Monheim: „Das ist eine ulkige Sprache“

Monheim: „Das ist eine ulkige Sprache“

Gesamtschule: Eine Klasse lernt ein Mundartgedicht. Die ausländischen Kinder haben Riesenspaß.

Monheim. "Haste hütt drissech i-Dötze en een Klass, dann häste Jaudi, dann häste Spass." (Übersetzung: "Hast du heute 30 i-Dötze in der Klasse, dann hast du Gaudi, dann hast du Spaß"). Den Schülern der Klasse 5.2 der Monheimer Gesamtschule kommt der Vers locker über die Lippen. Platt sprechen sie gerne. Es ist nicht wirklich Monnemer Platt, sondern kommt aus dem benachbarten Düsseldorf - aber wen stört das schon?

Die Klasse 5.2 hat ein Gedicht der Düsseldorferin Monika Voss mit 29 Versen fast auswendig gelernt. "War ulkig", sagt elfjährige Floridon. Der Kosovo Albaner hat, wie alle Kinder mit Migrationshintergrund, den meisten Spaß an den ungewohnten Tönen. "Das ist richtig gut, ich höre die Sprache gerne", sagt er. Sein Lieblingsfach ist ansonsten Mathematik. Die Schüler lernen seit Wochen das Gedicht, mit dem sie am 17. August die neuen Fünftklässler begrüßen.

Lehrerin Ilona Lange hatte die Idee. Im Spiegelzelt traf sie auf Ulla Hahn. Die Autorin stellte ihr neues Buch "Aufbruch" vor und bekannte, dass Hochdeutsch für sie die erste Fremdsprache war. "Wir haben zu Hause in Monheim ja nur Platt gesprochen", verriet Ulla Hahn. Ilona Lange hat ihr dann erzählt, dass die Klasse 5.2 ein Gedicht auf rheinisches Platt gerade lernt.

Das fand auch die WZ spannend. Vor allem, weil ausländische Kinder besondere Freude an der ungewohnten Sprache hatten. Lehrerin Ilona Lange, die plötzlich aus dem Spiegelzelt verschwunden war, wurde später im WZ-Redaktionsspatzen gebeten, sich zu melden.

Der Kontakt kam zustande. Jetzt war Generalprobe des langen Gedichts. Enes (12), der türkische Wurzeln hat, kennt das Monheimer Platt. "Ich war im Taekwondo-Center. Da sprechen viele Platt. Mir gefällt das", sagt Enes. Auch Jessica (11) mag die Sprache. Auch viele Eltern finden es gut, dass ihre Kinder so etwa Ungewöhnliches lernen.

Veronika ist im Gedicht das kleine Kathrinchen. Ihr ist der imaginäre Tumult mit den I-Dötzchen im Klassenzimmer schnell zu viel. "Ech well noh min Mamm!" ruft sie. In der Schulkasse sei sie nicht so zimperlich, sagt sie. Die erste Klasse liegt ja auch schon weit hinter den Fünftklässlern.

Brandon (11) erinnert sich gerne an seinen ersten Schultag 2008. "Wir wurden in verschiedenen Sprachen begrüßt. Ich bekam gleich Lust, die Sprachen zu lernen." Platt ist aber eine andere Hausnummer. "Das ist so richtig lustig." Daheim wird kaum Platt gesprochen, doch die Schüler würden es gerne beibehalten.