Monheim braucht sechs zusätzliche Kitas

Monheim braucht sechs zusätzliche Kitas

Wegen der vielen Geburten und Zuzüge will die Stadt die Betreuungsquote bis zum Jahr 2022 auf 70 Prozent anheben.

Monheim. Noch vor ein paar Jahren wurde im Zuge des demografischen Wandels ernsthaft darüber diskutiert, Kitas in Seniorenbegegnungsstätten umzuwandeln. Zumindest in der „Hauptstadt für Kinder“ ist es gelungen, den Trend umzukehren: Sie verzeichnet inzwischen einen kontinuierlichen Anstieg in der Bevölkerungsgruppe der Null- bis Sechsjährigen — sei es durch Zuzug oder Geburten. So wird allein für 2018/2019 mit 390 Neugeborenen gerechnet.

Auch gilt es mittlerweile als „selbstverständlich“, Kinder bereits ab dem ersten Lebensjahr in eine Betreuung zu geben. Dies spiegelt eine Abfrage der Betreuungswünsche der Eltern auf Bundesebene wider. „Während wir vor zwei Jahren noch von einer U 3-Betreuungsquote von 52 Prozent ausgingen, planen wir nun, diese bis 2022 sukzessive auf 70 Prozent anzuheben“, berichtet Simone Feldmann, Bereichsleiterin Kinder, Jugend und Familie. „Weil wir damit rechnen, dass diese Dynamik in der Bevölkerungsentwicklung anhält, wollen wir in Monheim und Baumberg je zehn weitere Kita-Gruppen mit 200 U 3-Plätzen aufmachen.“

Am nächsten Mittwoch soll der Jugendhilfeausschuss daher den Grundsatzbeschluss für den Neubau von sechs Kindertageseinrichtungen fassen. Dabei hatte der Rat erst 2016 den Bau von vier neuen Kitas in Auftrag gegeben. Der Kostenrahmen wird zunächst mit 24,5 Millionen Euro festgelegt. Die Verwaltung soll nach geeigneten Grundstücken Ausschau halten.

Im Kindergartenjahr 2018/2019 werden in Monheim Kindern unter drei Jahren 386 Plätze und Kindern über drei Jahren 1319 Plätze zur Verfügung stehen. 121 neue U 3-Plätze sollen in der Tagespflege und in der im Frühjahr 2019 eröffnenden Kita „MonaMare West“ entstehen. Mit einer U 3-Betreuungsquote von 55 Prozent liegt die Stadt Monheim dann deutlich über dem Bundesdurchschnitt von aktuell 33 Prozent.

Im Moment muss sich die Verwaltung mit allerlei Übergangslösungen behelfen, um den jetzigen Bedarf decken zu können: Die Kita Krummstraße, die kürzlich von den Kindern der katholischen Kita „St. Gereon“ geräumt wurde, wird für vier Gruppen eine vorübergehende Heimstatt bilden, bis die Kita MonaMare West bezogen werden kann. Der SKFM wird diese Kita mit neun Gruppen ab dem Frühjahr 2019 betreiben.

Die neue Kita Bregrenzer Straße in Trägerschaft von Educare wird voraussichtlich im Herbst 2019 in Betrieb gehen. Ebenfalls im Herbst 2019 werden die Kinder, die derzeit in den Containern an der Doppelkita der Awo in Baumberg betreut werden, in die dann fertiggestellte Kita Benrather Straße einziehen.

Ohne Tagespflege ist der bedarfsgerechte Ausbau der U 3-Betreuung aber nicht zu schaffen, betont Feldmann. Deshalb will die Stadt künftig Tagesmütter bezuschussen, die sich in angemieteten Räumen zu Großtagespflegestellen zusammenschließen wollen. Außerdem wird an die Arbeit der Tagesmütter höhere Qualitätsstandards angelegt. Sie müssen nun — wie in der Kita — die Entwicklungsschritte der Kinder dokumentieren und ein standardisiertes Verfahren zur Beobachtung der Sprachentwicklung anwenden.

Das schönste und geräumigste Gebäude ist allerdings unnütz, wenn es kein Personal gibt, das die Kinder betreut, bespaßt, belehrt und pflegt. Deshalb hat die Stadt gemeinsam mit allen Trägern eine Fachkräftekampagne initiiert. Mit dem Ausbildungspakt soll ein finanzieller Rahmen zur fachlichen Begleitung von Praktikanten und Azubis geschaffen werden.

Alle Kitas sind verpflichtet, an berufsvorbereitenden Maßnahmen der weiterführenden Schulen mitzuwirken. wobei der Bereich Kinder, Jugend und Familie die nötigen Informationen und Ansprechpartner liefert. Für den Beruf des Erziehers wird nicht nur auf der BOB geworben, sondern auch in den umliegenden Fachschulen und bei der Jugendberufshilfe und der Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Die Stadt hat sogar einen Imagefilm drehen lassen.

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