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Monheim Auch zwei Pflegeheime in Monheim sind von den jüngsten Ausbrüchen betroffen.

Monheim Covid-19-Ausbrüche : Altenheime: Kritik an Impfstart-Zeitpunkt

In zwei Monheimer Pflegeheimen gab es zum Teil heftige Ausbrüche. Im Alloheim waren vor allem Mitarbeiter betroffen. Für die gesetzlichen Betreuer kam der Impfstart mitten in den Ferien ungünstig.

Bis einschließlich Sonntag wurden im gesamten Kreis Mettmann 2479 Bewohner und Mitarbeiter in insgesamt 15 Pflegeeinrichtungen gegen Covid 19 geimpft, davon zwei in Hilden, teilt die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein mit. „In Langenfeld soll erstmals Mitte der Woche in einer Einrichtung geimpft werden, weitere Termine im Kreis sind in enger Vorbereitung und können kurzfristig hinzukommen“, berichtet Sprecher Heiko Schmitz.

Die nur schleppend angelaufene Impfkampagne kommt tatsächlich für viele Heime zu spät. 33 Einrichtungen, also mehr als der Hälfte, sind akut von zum Teil heftigen Infektionsausbrüchen betroffen, darunter auch das Marienheim der Kplus-Gruppe. „Ob das Virus über einen Besucher, einen Arztbesuch oder über einen Mitarbeiter seinen Weg zu uns fand, können wir im Nachhinein nicht sicher sagen“, sagt Unternehmenssprecherin Julia Severing vom Kplus-Verbund. Wenn es einmal zum einem Ausbruch gekommen sei, lasse sich dieser nur schwer unterbrechen.

Impfbereitschaft bei Personal geringer als bei Bewohnern

Bisher sei im St. Marien Altenheim noch keiner der Bewohner geimpft worden. Jetzt werde die Einrichtung mutmaßlich mit nachrangiger Priorität geimpft. Ob in einem solchen Fall nicht zumindest die nicht-infizierten Bewohner und Pflegenden geimpft werden könnten, werde in Absprache zwischen Heimleitung und ärztlichem Impfteam getroffen, so die KV. „Die meisten der zehn Fälle, die wir vor zwei Wochen hatten, fallen nach der jüngsten Testung schon wieder weg“, ist Caroline Heyde, Leiterin des Alloheims, zuversichtlich. Die wenigen Bewohner, die infiziert waren, hätten glücklicherweise einen sehr milden Verlauf gehabt.

Als Leiterin der wegen der hohen Zahl an hochbetagten Bewohnern priorisierten Einrichtung kann sich Ulrike Nehrke glücklich schätzen, dass das Diakoniezentrum bereits am 27. Dezember durchgeimpft wurde. „Am 17. bekam ich die Mitteilung, am 18. musste ich das Ärzteteam melden und am 21. die Liste an Impfwilligen vorliegen“, berichtet die Heimleiterin. Da eine Impfung ein Eingriff in die Körperintegrität darstellt, musste für alle nicht mehr geschäftsfähigen Bewohner eine Einwilligung ihrer gesetzlichen Betreuer vorhanden sein. Als unglücklich haben viele Heime und Betreuer empfunden, dass der Beginn der Impfkampagne ausgerechnet in den Weihnachtsferien erfolgte. „Die Betreuer waren während der Weihnachtszeit durchaus schwierig erreichbar“, beklagt Julia Severing. „Einige Impfungen sind daher nicht erfolgt“, weiß Beate Engels vom Betreuungsverein des SKFM. Sie stellt klar, dass trotz ihrer Einverständniserklärung der Betreute dennoch die Impfung verweigern könne. „Wir sind von unserem Träger angewiesen, hinsichtlich dieser Erklärung den mutmaßlichen Willen des Betreuten zu ergründen“, so Engels. Sie schließe etwa von der jährlichen Grippeimpfung auf eine grundsätzliche Impfbereitschaft. „Im Zweifel unterschreibe ich, weil ich der Sache selber positiv gegenüberstehe“, räumt Guido Leisering von der Betreuungssozietät Monheim ein. „Der Betreute hat aber das letzte Wort.“ Etwaige Kontraindikationen, wie Allergien oder die Einnahme von Blutverdünnern, würden im Anamnesebogen erhoben und im Impfgespräch geklärt, teilt Heiko Schmitz von der KV mit. Die gesetzlichen Betreuer würden „in keinem Fall für die Entscheidung zu einer Impfung mit einem von der EMA regulär zugelassenen Impfstoff“ haften. Generell gelte die Produkthaftung des Herstellers, bei empfohlenen Impfungen hafte der Staat.

Abgesehen davon, dass das Virus die Impfkampagne inzwischen eingeholt hat, bleibt das Problem, dass die Impfbereitschaft beim Pflegepersonal längst noch nicht so hoch ist wie unter den Bewohnern. „Bei unseren Mitarbeitenden verzeichnen wir bisher eine Impfbereitschaft von etwa 60 bis 70 Prozent“, sagt Julia Severing vom Kplus-Verbund, das sei mehr als der Bundesdurchschnitt. Viele Kollegen würden sich auch kurzfristig noch für eine Impfung entscheiden. Offenbar nehme den Pflegern das Beispiel der hochbetagten Bewohner, die die Impfung ohne schwere Nebenwirkungen erhalten, die Sorge, hat auch Ulrike Nehrke beobachtet, die vorsorglich Notfallmedikamente für den Fall eines anaphylaktischen Schocks besorgen musste. Die Entscheidung von Mitarbeitenden, sich aus konkreten Gründen nicht gegen COVID-19 impfen lassen wollen – so zum Beispiel schwangere Kolleginnen oder solche mit akutem Kinderwunsch sowie Mitarbeitende, die bereits starke Reaktionen auf die Grippeschutzimpfung gezeigt haben, würden respektiert. „Durch Aufklärung versuchen wir als Träger, Verunsicherungen weitestgehend zu nehmen“, so Severing. Ulrike Nehrke blickt nun sehnsüchtig dem 17. Januar entgegen, wenn ihre Bewohner die zweite Impfung erhalten. „Das nimmt viel Druck weg.“