Bürgermeisterkandidat : Er will Monheim grüner machen

2014 kandidierte Manfred Poell als einziger Gegenkandidat zu Amtsinhaber Daniel Zimmermann – aus demokratischer Überzeugung.

Wenn Manfred Poell aus dem Fenster seines Architekturbüros schaut, dann sieht er nicht nur die kleinen Elektrobusse, die oft leer die Turmstraße hinunterkommen. Er kann auch beobachten, welche Anstrengung und Initiative die Gastronomen leisten, um die Altstadt auch in der Coronazeit zu beleben. „Das finde ich großartig“, sagt Poell, der bei der Kommunalwahl als Bürgermeisterkandidat für Bündnis 90/Die Grünen antritt. „Ich finde gut, was in der Altstadt geschieht“, ergänzt er. Und damit meint er nicht nur das Engagement der Stadt, sondern hebt ausdrücklich auch die privaten Initiativen hervor.

Wenn Poell aus der Tür tritt, ist er in der Altstadt. „Die Wirte können ihre Terrassen jetzt ausdehnen. Das bringt Leben“, sagt Poell auf dem Weg Richtung Rheinbogen. „Der Wasserspielplatz ist ein gutes Projekt. Viele kommen aus dem Berliner Viertel dorthin. Das hilft, die Grenze zwischen den Vierteln zu überwinden.

Die Gestaltung des Rheinbogens als flache Landschaft bis zum Deich sei das Ergebnis langer Beratungen und eines Kompromisses zwischen allen Partien – zu Zeiten, als die Peto noch keine absolute Mehrheit gehabt hat, also vor gut sechs Jahren.

Es geht vorbei am Sportplatz Richtung Rheinkiesel. „Am großen Rheinanleger hält ab und an ein Kreuzfahrtschiff“, hat Poell beobachtet. Die große Belebung für die Altstadt sieht er dort jedoch nicht. Den Um- und Ausbau des soziokulturellen Zentrums Sojus 7 an der Kapellenstraße begrüßt er hingegen vorbehaltlos. Derzeit klafft ein großes Loch unterhalb der ehemaligen Krautfabrik. Dort entsteht der Neubau.

Weiter zum Ortseingang, der eingerahmt ist von drei unterschiedlich hohen, runden Wohngebäuden – den Rheinkieseln. „Gelungen“, kommentiert der Kandidat. Es habe viele Diskussionen gegeben. „Die Rheinkiesel sind für mich ein gutes Beispiel für attraktives Wohnen im Mehrfamiienhaus. Das bedeutet viel Fläche, wenig Platzverbrauch und weniger Versiegelung.“ Es müsse nicht immer ein Einfamilienhaus sein.

Poell: „Das Projekt Kulturraffinerie K 714 ist toll, aber zu teuer“

Mit dem Geysir im Kreisel vor dem Stadteingang hat er, anders als seine Fraktion, kein Problem. Aber Verständnis, wenn die hohen Ausgaben dafür kritisiert werden. Die gleiche Einstellung hat er zum Umbau der alten Shellraffinerie. „Das Projekt Kulturraffinerie K 714 ist toll, aber für Monheim zu teuer. Es wird zu viel Verkehr bringen. Er hätte sich dort eine kleinteiligere Nutzung mit Läden und Gastronomie gewünscht, nach dem Beispiel der Hackeschen Höfe in Berlin, die schlussendlich auch wieder Geld in die Stadtkasse bringen können. Denn aktuell habe die Stadt 150 Millionen Miese. „Und die Summe wird angesichts ausfallender Gewerbesteuereinnahmen und weiter hohen Ausgeben noch steigen.“ Hinzu komme die Verschuldung der Töchter. In fünf Jahren steht nach seiner Rechnung die Stadt mit 400 Millionen Euro in der Kreide. „Doch das will keiner hören.“

Die Umgestaltung der Rheinpromenade, dort vor allem des Rad- und Gehwegs, hält er für dringend notwendig. Man könnte die Straße an Wochenenden als Pop-up-Radweg öffnen, sagt er mit Blick auf Düsseldorf, wo der temporäre Radweg an der Cecilienallee allerdings keine einhellige Zustimmung erfährt.

Die Freitreppe, die schon lange beschlossen und jetzt in den Wettbewerb geht, hält er für ein gutes Projekt.

Bis zur Marina führt der Weg am Rhein entlang. „Da passt ja rein gar nichts“, schimpft der sonst eher um Ausgleich bemühte Politiker. „Der See ist zu klein. Die Probleme sind zu groß, biologisch, ökologisch und auch wirtschaftlich.“

Seit 1997 lebt Poell in Monheim. Zu der Zeit hat er noch in Langenfeld gearbeitet. „Aber wegen der Nähe zum Rhein sind wir nach Monheim gezogen“, erinnert sich der grüne Politiker, an dessen Haus an der Freiheit auch eine Elektrotankstelle angebracht ist. Nicht mehr lange wird er das Flair der Altstadt genießen. Denn dann zieht er noch näher an den Rhein. Die Umzugskartons in seinem Büro sind schon gepackt.

Er setzt privat auf E-Mobilität und begrüßt, dass die Stadt etwa mit den fast autonom fahrenden Bussen auch einen Beitrag zur Ökologie leistet. Die Strecke durch die Altstadt, wo der Bus mit zehn Kilometern Stunde durchzuckelt, hält er für wenig geeignet. Zugleich fragt er nach dem Sinn des Projektes für Monheim, außer bundesweit Aufmerksamkeit zu bekommen. „Wir haben zwar zugestimmt, würden es aber lieber sehen, wenn mehr Grün auf die Dächer käme und mehr Solartechnik genutzt würde.“

Er hofft, dass Monheim seinen mittelstädtischen Charme über die nächsten zehn Jahre retten kann.. „Ich schätze die überschaubare Struktur der Stadt“, sagt Poell, die schlussendlich fast alles bietet: Schulen, Kitas, Gastronomie, Kultur – und natürlich den Rhein auf immerhin zehn Kilometern.