Mittelalterliches Treiben auf Haus Graven

Mittelalterliches Treiben auf Haus Graven

Die Besucher strömten in den Innenhof der Wasserburg, wo ein großer Markt aufgebaut war.

Langenfeld. Geier Walli will einfach nicht fliegen. Da kann ihr Herrchen Ramon ihn noch so locken. Sie dreht ihr kahles Köpfchen und schaut skeptisch auf die vielen Menschen im Innenhof der Wasserburg Haus Graven. Nebenan hat Gauklerin Miriam ihre Rennmäuse Florentine und Antonia in Sicherheit gebracht. Sie sind die Protagonisten eines mittelalterlichen Glücksspiels für Kinder und sollten die gefährliche Nachbarschaft unbeschadet überstehen. Geier Walli von der Falknerei Bergisch Land hat nämlich noch wilde Gefährten im Schlepptau: einen Weißkopfadler, Falken, Bussarde und eine Eule.

Beim siebten Burgfest im Innenhof der Wasserburg ging es am Samstag und Sonntag turbulent zu. Edelleute, Ritter und Burgfräulein gaben sich bei Beerenwein, maurischem Bohnentrunk (Kaffee), Stockbrot und Kaninchenohren ein Stelldichein. Nicht nur die Akteure wie Gaukler und Barden waren im mittelalterlichen Gewand gekommen, auch viele Besucher hatten Linnen angelegt und Filzkappen aufgesetzt.

Erstaunlich, dass das gute alte Holzschwert immer noch seinen festen Platz im Kinderzimmer hat: Kaum ein kleiner Besucher war ohne Kettenhemd, Schwert und Helm zu sehen. Selbst die Mädchen griffen zu. „Am liebsten zur Axt“, sagte ein Verkäufer. „Und zum Schild mit Einhorn-Motiv.“ Daneben gab es einfache Bogen zum Ausprobieren — manch einer traf prompt ins Schwarze.

Auch das siebte Burgfest hat nichts an Attraktivität eingebüßt. Die Musik von Dudelsack und Schalmei, der Duft von Gebratenem, fliegende Drachen aus Holz und allerlei mystische Heilsbringer vom Triskel-Anhänger bis zum Schafsknochen setzten Handy und Spielkonsole vorübergehend außer Kraft. Da passte es prima, dass ein Herr, der „mal was googlen“ wollte, keinen Empfang hatte.

Sogar eine richtige Jurte aus Kirgistan schmückte den Marktplatz, ausgelegt mit einer dicken Filzmatte und wunderschönen bunten, handgemachten Teppichen lockte sie ins gemütliche Innere. Beim plötzlichen Kälteeinbruch war die Versuchung groß, ein paar der warmen, handgemachten Filzpantoffel aus dem Land des Himmelgebirges zu erstehen. Zumindest auf der Terrasse hätten sie im Moment für warme Füße gesorgt.

Bei der Raubvögel-Schau ließ allein der Anblick der Vögel junge wie ältere Besucher staunen: Wie die Eule anmutig ihre Lider schließt und wieder öffnet. Wie der Bussard sein spitzes Schnäbelchen zum Schrei aufreißt und wie der Adler so majestätisch und aufmerksam in die Runde blickt — das ist schon ein seltenes, hautnahes Erlebnis. Handys wurden gezückt und die Naturschönheiten abgelichtet, ehe es weiterging zum Schmieden und zum Lederbeutelchen für die Silberlinge Basteln. Zwei Tage Mittelalter-Treiben vor der wunderbaren Burgkulisse Haus Gravens waren wieder einen Besuch wert.

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