Mehr Platz für Spiele in der Bibliothek Langenfeld

Langenfeld : Bibliothek rüstet sich mit Spielen

Interview Die Langenfelder Bibliothek setzt verstärkt für Besucher und Nutzer auf das Angebot von Brettspielen und Spieletreffs.

Brett- und Kartenspiele sind bei Erwachsenen und Kindern auch im Computerzeitalter sehr beliebt, sagt Sandra Friede, Fachangestellte für Medien in der Langenfelder Stadtbibliothek. Im Dezember hatte die Bücherei deshalb erstmals zu einem offenen Spiele-Treff eingeladen. Der wurde so gut angenommen, dass es schon eine Fortsetzung gab.

Spielen Sie selber gerne?

Sandra Friede: Ja. Sogar sehr gerne. Meine Eltern und Großeltern haben schon früher oft mit meinem Bruder und mir Gesellschaftsspiele gemacht. Das gehörte auch im Urlaub immer dazu. Diese Tradition hat sich bis heute fortgesetzt. Ich spiele auch mit meinem Mann und meinem Sohne viel und oft sehr lange.

Welches ist Ihr
Lieblingsspiel?

Friede: Da möchte ich mich nicht festlegen. Ich mag einfache Würfelspiele, aber auch komplexe Varianten wie beispielsweise „Siedler von Catan“. Das ist ein Aufbauspiel. Man legt einen Plan mit so genannten Wertstoff-Feldern für Holz oder Steine aus und muss sein Einflussgebiet mit Wegen und Straßen vergrößern. Eine Spiele-Runde kann durchaus bis zu drei Stunden dauern. Ein abendfüllendes Programm.

Wer kommt zu den
Spiele-Treffs?

Friede: Wir haben diese offene Veranstaltung im Dezember zum ersten Mal angeboten. Sie ist ein Teilaspekt unseres Umgestaltungsprozesses. Wir möchten damit bereits im Vorfeld das neue Konzept austesten. Es sind sieben Teilnehmer gekommen. Wir haben in der Ankündigung den Fokus auf Erwachsene gelegt, erschienen ist aber eine altersgemischte Runde. Frauen und Männer waren dabei. Eine Gruppe hat sich sogar bewusst bei uns verabredet. Ich habe mitgemacht, und wir haben neue Karten- und Würfelspiele ausprobiert. Die Teilnehmer fanden es gut, dass man sich vorher nicht anmelden musste.

Welches Spiel ist gerade
besonders gefragt?

Friede: Es sind die einfachen Spiele, die man schnell lernen kann wie Würfel- und Kartenspiele. Dazu gehören zum Beispiel „Phase 10“, „Noch mal!“, „Qwixx“, „Ganz schön clever“ oder „Skyjo“.

Haben Sie immer die
neuesten Spiele in den
Regalen?

Friede: Mit Verzögerung. Ich beobachte, was im Frühjahr für die Nominierungslisten rausgeht, beispielsweise für das „Spiel des Jahres“, den „Deutschen Spielepreis“ oder die Wiener Spieleakademie“. Wir orientieren uns stark an diesen Listen.

Wer entscheidet dann,
welche Spiele angeschafft werden?

Friede: Darum kümmere ich mich. Ich habe in der Bibliothek das Lektorat für Gesellschaftsspiele und ordere im Fach- und Onlinehandel. Pro Jahr stehen mir dafür 600 Euro zur Verfügung. Im Durchschnitt geben wir 20 Euro pro Spiel aus. In der Bibliothek können Besucher zur Zeit an die 300 Brettspiele ausleihen. Diese werden regelmäßig überprüft und je nach Zustand oder Nachfrage auch wieder aussortiert.

Bevorzugen ihre Kunden heutzutage eher Brettspiele oder zocken die inzwischen lieber am Computer?

Friede: Das hält sich die Waage. Familien machen weiterhin sehr gerne Brettspiele. Und Konsolenspiele haben in allen Altersgruppen ihre Fans. Das geht von neun Jahren bis ins Erwachsenenalter.

Was machen Sie mit den ganzen Spielen während der Umbauphase? Die soll ja im März beginnen. Die Bibliothek ist dann rund drei Monate geschlossen.

Friede: Die meisten werden eingelagert. Viele sind sicher ausgeliehen. Etwas Platz werden wir im Ausweichquartier im ehemaligen Spielefachgeschäft in der Stadtpassage an der Hauptstraße haben.

Die Bibliothek soll nach dem Umbau quasi zum Wohnzimmer der Stadt werden. Dann haben Spiele sicher einen noch höheren
Stellenwert als bisher...

Friede: Das ist so. Wir spüren die große Nachfrage. Einige Präsenz-Spiele stehen unseren Nutzern jetzt schon im Erdgeschoss zur Verfügung. Leider haben wir dort wenig Platz. Nach dem Sommer bekommt die Bibliothek in der zweiten Etage einen schöneren Bereich mit Tischen, Stühlen und einer Sofa-Ecke. Dort können die Besucher beispielsweise ganz entspannt und bequem Karten spielen. Dieser Bereich soll multifunktional sein und die Regale dort lassen sich abends für eine Lesung einfach zur Seite schieben. Wir werden viel flexibler sein als heute.

Gibt es dann auch für die jungen Mediennutzer mehr Computerspiele?

Friede: Im Jugendbereich sind eine mobile Grafitti-Wand und eine Gaming-Station geplant. Dieser Schwerpunkt wandert ins Erdgeschoss. In einer etwas separierten Nische haben die Mädchen und Jungen mehr Platz für sich, und wir können von der Theke aus schnell einmal helfen, wenn es beispielsweise beim Einlegen Schwierigkeiten gibt. Und die Akustik lässt sich mit einem langen, raumhohen Regal dämpfen. Ein solches Regal wird es auf beiden Ebenen geben. Insgesamt sollen unsere Räume nach dem Umbau offener gestaltet sein. Die Besucher können die Bereiche besser überblicken. Die Regale in der Raummitte sind beispielsweise nicht höher als 1,30 Meter. An den Wänden dürfen sie dann ruhig etwas höher sein.