Marienburgpark zeugt von römischer und deutscher Geschichte

Marienburgpark zeugt von römischer und deutscher Geschichte

Der Marienburgpark zeugt von römischer und deutscher Geschichte. Weit über hundert Jahre alte Bäume spenden Schatten.

Monheim. Er ist nicht groß, Besucher können in wenigen Minuten durch ihn hindurchlaufen, um von der Parkstraße auf die Bleer Straße zu gelangen. Dennoch ist der Marienburgpark einen Aufenthalt wert. Denn wer sich länger mit ihm und der darin stehenden Burg beschäftigt, erfährt allerhand Interessantes und entdeckt noch mehr Schönes.

„Die Marienburg steht bereits seit 1879/80 an Ort und Stelle“, weiß Stadtarchivar Michael Hohmeier. Erbaut wurde sie als Sommer-Landhaus von Architekt August Carl Lange für den Landtags- und Reichstagsabgeordneten Eugen von Kesseler, dem auch der benachbarte Große Hof gehörte. Das neugotische Bauwerk wurde der Marienburg in Westpreußen nachempfunden. „Man vermutet, dass dort im 14. Jahrhundert Winrich von Kniprode wirkte, der wiederrum aus einer Ansiedlung stammt, die im heutigen Knipprather Wald lag.“

Doch nicht nur die Burg selbst, sondern auch der Park ist geschichtsträchtig. Spaziergänger, die die Grünanlage von der Parkstraße aus betreten, finden auf der linken Seite ein Grottenbauwerk. Es ist der Überrest eines alten Aufenthaltsbereichs im Park. Auf der rechten Seite lädt eines der wenigen, gut erhaltenen gartenarchitektonischen Bauwerke zum Verweilen ein — der Marienpavillon. Der achteckige Bau muss zeitgleich mit der Burg entstanden sein.

„Erst vor gut zehn Jahren fand ein Restaurator und Steinmetz heraus, dass die Säulen des Pavillons aus Bestandteilen ehemaliger römischer Wasserleitungen gefertigt sind“, sagt Hohmeier. Damals versorgte eine 100 Kilometer lange Wasserleitung aus der Eifel das römische Köln mit Wasser.

„In der nachrömischen Zeit sind diese Wasserleitungen verfallen, denn die Kenntnisse, wie man eine solche Anlage wartet waren verschwunden.“ In den Schächten und Aquädukten bildeten sich deshalb dicke Kalkschichten und Kalkpakete. „Mit diesem Rohstoff wurden dann bildhauerische Objekte hergestellt, wie der Marienpavillon.“

Spaziergänger, die heute den Park aufsuchen, finde vor allem viel Grün. Weit über 100 Jahre alt und riesengroß sind die immergrünen Buchs- und Mammutbäume. Auch die Eichen-Hybriden und Sumpf-Eichen haben ein stattliches Alter und eine ebensolche Größe erreicht. Im hinteren Bereich gibt es einen kleinen Spielplatz mit Sandkasten und Holzhäusern, neben dem auch einer der drei bunten Marterpfähle vom Stadtfest einen festen Platz gefunden hat. Als Schauplatz für Mittelalter-Märkte und Konzertveranstaltungen wurde der Park noch vor einiger Zeit häufig genutzt.

Die Marienburg ist heute im Privatbesitz als „Business & Conference Center“ und kann für Tagungen, Konferenzen und Feiern gemietet werden.

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