Langenfeld : Handel wird zunehmend digitaler

Die Arbeit des neuen Kompetenzzentrums Handel 4.0 in Langenfeld trägt erste Früchte.

Seit Juli ist Langenfeld Modellstadt für zukunftsfähigen Handel. Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft ist das Projekt „Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Handel“ ins Leben gerufen worden und wird vom Bund mit 250 000 Euro gefördert. Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre befristet und soll den Handel ins digitale Zeitalter begleiten und so überlebensfähig machen.

Was mit einem recht sperrigen Begriff daherkommt, hat schon jetzt konkrete Auswirkungen auf die Stadt und ihre Händler. Zum einen kann damit das vor etwa drei Jahren initiierte Projekt „Future City“ in Langenfeld fortgeführt werden. Die sogenannte White Box, als Teil von „Future City“, wird weiter finanziert und zeigt im Obergeschoss des Marktkarrees innovative Entwicklungen für den Handel. Aktuell stellt dort das schwedische Unternehmen Itab aus, das digitale Kassensysteme präsentiert, die via Scan feststellen, ob ein Kunde bezahlt hat. Diese Systeme betreiben Marktforschung und machen Läden und Betriebe diebstahlsicherer. „Im Rahmen des Datenschutzes“, fügt Citymanager Jan Christoph Zimmermann hinzu, der die Projekte für die Stadt Langenfeld begleitet.

Virtuelle Rundgänge helfen bei Gestaltung eines Ladenlokals

Auch die Firma „7th Space“ zeigt ihre Angebote einer „erweiterten Welt“ – augmented reality genannt gerade in der White Box. Diese kann über virtuelle Rundgänge dabei helfen, sich Vorstellungen von der Gestaltung eines Ladenlokals zu machen. Doch es gibt auch andere, ganz praktische Hilfe für Händler. Das Sanitätshaus Vital, das bereits in Hilden sein neues Geschäft hell, freundlich, modern gestaltet hat, gehört zu drei ausgewählten Modell-Läden. Anna Wylenzek und ihr Mann Andreas (Geschäftsführer) wollen den Weg nach vorne gehen. „Die Zukunft wird anders sein als heute“, so Anna Wylenzek. Und sie freut sich über Unterstützung aus Langenfeld. „Wir werden mit nach Düsseldorf fahren zur Euromesse und dort auch an einem Workshop teilnehmen“, sagt sie. „Dabei geht es auch um neue Technologien“, sagt sie. „Wir stellen uns darauf ein, anders zu werben und zu arbeiten“. Briefe an Kunden zu verschicken sei viel zu aufwendig. Das könne demnächst über E-Mails geschehen. „Viele Kunden haben uns schon signalisiert, dass sie das gut finden“, berichtet Wylenzek.

„In den nächsten Monaten, vielleicht sogar schon im Frühjahr, werden wir unser Geschäft in Langenfeld ebenfalls modernisieren“, sagt sie weiter. „Es gibt neue Farben, neue Präsentationen und neue Schaufenster“, kündigt die Geschäftsfrau an und denkt auch über ein neues Warenwirtschaftssystem für die Langenfelder Filiale nach. Der Hagebaumarkt in Langenfeld arbeitet ebenfalls mit dem Kompetenzzentrum 4.0 zusammen. Dort habe man bereits viele Anregungen umgesetzt, sagt Zimmermann.

Werbekanäle wurden um Facebook und Youtube erweitert

Die Kanäle, über die Werbung läuft, wurden um Facebook und Youtube erweitert, berichtet Zimmermann. Der Shop-Bereich etwa soll umgebaut werden. Dazu gebe es im Herbst Workshops, kündigt der Citymanager an. Noch ein dritter Betrieb im Rahmen des Projekts 4.0 kann seinen Laden mithilfe von Experten modellhaft umgestalten. Welcher das ist, wollte Zimmermann noch nicht
verraten.

Als Bundesprojekt hat das Kompetenzzentrum Strahlkraft in die ganze Republik. Liveschalten aus der White Box (und umgekehrt) zu Themen des Handels sind möglich. Außerdem gibt es ein „Digital Mobil“, das in Köln stationiert ist, und als kleine White Box angefordert werden kann – mit Bildschirm und Präsentationsmöglichkeiten. „Das eignet sich gut für Händlerabende“, erläutert Zimmermann, der diese in Kooperation mit dem Handelsverband organisiert.

Erst in der vergangenen Woche haben sich Wirtschaftsförderer/Citymanager in der Stadthalle über Entwicklungsmöglichkeiten von Innenstädten in Langenfeld informiert und ausgetauscht. Dabei haben die insgesamt 60 Teilnehmer auch Ideen gesammelt. Die Monheimer Citymanagerin Carolin Wulke war dabei. „Aus solchen Veranstaltungen nehme ich immer gute Impulse für die eigene Arbeit mit.“ Auch das Netzwerken sei laut Wulke wichtig.